Unternehmen / Schweiz

Verlust wegen Goodwillamortisation – Aktien zum Buchwert

Flavia Ludin

Die Industriegruppe WMH Walter Meier Holding wird das zweite Jahr in Folge rund 10 Mio. Fr. Verlust ausweisen. Wie schon 2003 zeichnet das US-Geschäft dafür verantwortlich. Verschlang seine Restrukturierung damals rund 10 Mio. Fr., belastet diesmal eine Wertberichtigung von bis zu 19 Mio. Fr. die Rechnung. Es betrifft das US-Einzelhandelsgeschäft in der Sparte WMH Tools, dessen Goodwill nun abgeschrieben wird. In den Büchern von WMH verbleiben davon per Jahresende gesamthaft etwa 40 Mio. Fr. Der Betrag verteilt sich in der Sparte WMH Tools auf Powermatic und Mato sowie auf Draabe in der Sparte WMH Air Conditioning.
Die Wertberichtigung ist zwar notwendig und legitim, doch ist sie auch eine Vorsichtsmassnahme. Sie erfolgt gemäss Finanzchef Werner Staub mit Blick auf die verschärfte Rechnungslegungspraxis, der sich ab 2005 zahlreiche Unternehmen zu stellen haben (vgl. Seite 15). Die Neubewertung des Retailgeschäfts drängte sich auf, weil einzelne Kunden wie beispielsweise Home Depot wenig rentabel oder gar defizitär waren.

Strategischer Feinschliff

WMH hat nun vor, den Bereich zu sanieren. Zu diesem Zweck lässt das Unternehmen einzelne Produkte auslaufen. Zur Strategie gehört allerdings auch, andere oder ähnliche Produkte herstellen zu lassen, die wieder profitabel sind. Das umfasste auch eine Sortimentsanalyse, um sich schliesslich auf die stationären Holzbearbeitungsmaschinen und Haltevorrichtungen resp. auf das Angebot von höhermargigen Produkten zu konzentrieren.
Verzeichneten die Sparten WMH Air Conditioning und WMH Heating bis Ende September einen guten Geschäftsgang, litt WMH Tools unter dem anhaltenden Margendruck im US-Baumarkt. Hinderlich war zudem der Stahlpreis, der sich in den höheren Einkaufskosten der in China gefertigten Werkzeuge und Werkzeugmaschinen niederschlägt. Wegen der fixen Vertragslaufzeiten konnte WMH die Mehrkosten lediglich verzögert und ausserdem nicht hundertprozentig weitergeben. Weitere Aufwendungen fielen allerdings auch wegen Managementabgängen an und als Folge des Ausbaus der Kundenbeziehung zur Heimwerkerkette Lowe’s. Bevor WMH Lowe’s mit den eigenen Produkten beliefern konnte, galt es, die Konkurrenzware aus den Läden zu entfernen.

US-Geschäft als Massstab

Staub beziffert diese Einflüsse zusammen mit den übrigen Kosten auf 2,5 Mio.$. Sie müssten im Folgejahr ebenso wegfallen wie die bisher jährlich wiederkehrenden Abschreibungen von rund 9,5Mio. Fr. Gesamthaft sollte sich das Betriebsergebnis von WMH im kommenden Jahr allein schon deshalb um über12 Mio. Fr. verbessern. Der Gewinn vor Goodwillamortisation soll jedoch schon heuer deutlich über 18 Mio. Fr. klettern. Ob die Feinanpassung der Strategie von WMH Tools die gewünschte Wirkung entfaltet, bleibt abzuwarten. Das seit März verjüngte Management wird daran gemessen, ob sich das US-Geschäft namhaft verbessert.
Während der ausschliesslich im Schweizer Markt aktive Heiztechnikbereich WMH Heating ein Garant für ein stabiles Geschäft ist, ist der Geschäftsgang von WMH Air Conditioning unter anderem vom Wetter abhängig. Er vermochte im dritten Quartal nicht an die Resultate des Rekordsommers 2003 anzuknüpfen.
Ob der Verlust einen erneuten Dividendenausfall der WMH nach sich zieht, kann Staub noch nicht beurteilen. Aus Renditegründen sind die Aktien jedenfalls uninteressant. Sie sind reizvoll, weil sie praktisch zum Buchwert und einem tiefen Kurs-Gewinn-Verhältnis von 6 notieren. Die Probleme im US-Geschäft rechtfertigen jedoch den Abschlag. Wer diese Titel kauft, setzt sich der Kontrolle durch Grossaktionär und VR-Präsident Reto E. Meier aus. Sie zeigt sich auch im tiefen Streubesitz (33%) und in der Gefahr eines folgenlosen Wechsels im Aktionariat (Opting out).

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