Fünf Jahre nach Lehman präsentiert sich die Vermögenslage der Schweizer Privathaushalte, als wäre nichts geschehen. Schon im Jahr eins nach den Marktverwerfungen mit globalen Bankpleiten, spektakulären Staatseingriffen, geldpolitischen Notprogrammen und Rezession hatten sich die Bruttoguthaben von Herrn und Frau Schweizer stabilisiert. Im Stil der früheren Jahre setzten sich anschliessend die Rekorde fort. Auch 2013 wird mit dem Immobilien- und dem Börsenboom im Rücken ein Höchst resultieren.

War alles nur ein böser Traum? Mitnichten. Bei näherem Hinsehen werden auf der Aktivseite der privaten Vermögensbilanz klare Veränderungen sichtbar – ein Trendbruch bei Wertpapieren und eine markante Beschleunigung von Bargeld- und Spareinlagen sowie Immobilienvermögen.

Gemäss Notenbankstatistik per Ende 2012 machen Immobilienvermögen 44% aller Aktiven der Privathaushalte aus, gefolgt von PK- und Versicherungsguthaben (zweite Säule) mit 24% und liquiden Mitteln mit 18%. Trotz Niedrigstzinsen geniessen Bargeld und Spareinlagen grosses Vertrauen. Nicht nur absolut, sondern auch relativ steigt ihr Anteil seit der Jahrtausendwende kontinuierlich. Internet Bubble, 9/11 und Finanzkrise, die sich in kurzen Abständen folgten, liessen Sicherheit vor Risiko gehen, ein Trend, der noch immer anhält.

Aktien, Anlagefonds und Schuldtitel liegen klar zurück, der glanzvollen Börse im letzten und in diesem Jahr zum Trotz. Wertpapiere waren im zurückliegenden Jahrzehnt überaus volatil, sodass Anleger in sichere Häfen flohen, in den Franken und ausser in Bargeld ins Gold (Gold 1'843.29 +0.86%), mindestens bis vor gut einem Jahr, als der Unzenpreis für viele unerwartet scharf nach unten korrigierte.

Nicht mehr vom Einbruch erholt haben sich strukturierte Produkte. Die ­Stagnation auf tiefem Niveau hielt auch im zu Ende gehenden Jahr an. Die Branche hat noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten, will sie auch nur annähernd an den Erfolg vor der Finanzkrise anschliessen. Das gleiche Bild zeigt sich in Deutschland. Heiss begehrt sind Struki nur in einigen asiatischen Märkten, etwa in Hongkong, wo sich ein spielfreudiges Publikum um sie reisst. Fairerweise gilt es anzufügen, dass Derivate nicht nur zur Spekulation dienen. Gerade in unserem Land ist das Angebot an Kapitalschutz- und Renditeoptimierungsprodukten gross.

Die kritischen Voten der Nationalbank versteht, wer sich den rasanten ­Zuwachs der Immobilienvermögen vor Augen führt. Er geht auf der Passivseite mit einer stark wachsenden Hypothekenverschuldung einher. Auch wenn von gefährlicher Überhitzung am Immobilienmarkt nur in gewissen Zentren die Rede ist, würde man sich zum Wohl von langfristig stabilen Banken, der Wirtschaft insgesamt und gesunden Privathaushalten eine langsamere Entwicklung wünschen.