Meinungen

Verpasste Chance

Jemand muss die Verantwortung für das Scheitern des UPC-Deals übernehmen. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Eflamm Mordrelle.

«Aus der guten Idee wurde schnell ein Trauerspiel. Eines, bei dem keiner der Protagonisten gut aussah.»

Es begann mit einer guten Idee. Der Zusammenschluss von Sunrise (SRCG 77.1 -2.28%) und UPC hätte ein wahres Gegengewicht zu Swisscom (SCMN 514.4 -3.71%) schaffen können, einen integrierten Anbieter mit eigener Netzinfrastruktur und komplettem Angebot. Daraus wird jetzt nichts – wieder einmal eine verpasste Chance.

Doch aus der guten Idee wurde nach kurzer Zeit schnell ein Trauerspiel. Eines, bei dem keiner der Protagonisten gut aussah. Am schlechtesten Sunrise-Präsident Peter Kurer. Er hat es nicht verstanden, den eigenen Hauptaktionär Freenet (FNTN 18.08 -5.81%) für die Transaktion zu gewinnen und einzubinden. Spätestens als er die beiden Freenet-Vertreter aus den VR-Diskussionen zur Transaktion ausschliessen liess, war klar: Hier ist was faul. Die drohende Niederlage lag da bereits in der Luft. Und dass der so erfahrene Dealmaker Kurer die negative Stimmung so vieler Aktionäre falsch interpretierte und erst so spät auf ihre Bedürfnisse einging, gibt zu denken.

Mangelndes Engagement kann man dem Sunrise-Management, besonders CEO Olaf Swantee, indes nicht vorwerfen. Mit Elan und Optimismus versuchte Swantee die Vorzüge der neuen Sunrise zu verkaufen – vergebens. Das Hauptproblem lag aber nicht bloss in der überambitionierten Kapitalerhöhung, sondern einfach im Preis. 6,3 Mrd. Fr. netto für einen Turnaround-Kandidaten wie UPC, das war in diesem Marktumfeld nicht an den Mann zu bringen.

Ob Swantee und sein Team mit gleichem Elan glaubhaft eine Strategie für die alleinstehende Sunrise werden formulieren können, ist nun die grosse Frage. Sunrise ist nach dem Scheitern des Deals nicht die gleiche. Nach monatelangem Deal-Fieber ist die Luft raus, Sunrise schwächer als zuvor. Zudem ist schwer vorstellbar, wie Freenet-Chef Christoph Vilanek und Peter Kurer nach der Schlammschlacht konstruktiv im VR zusammenarbeiten wollen.

Jemand muss die Verantwortung für das Debakel übernehmen. Anleger können hoffen, dass es der Präsident sein wird.