Dacht’ er an seine deutsche Heimat in der Nacht, dann war er um den Schlaf gebracht: Heinrich Heine (1797–1856), begnadeter Dichter und Feuilletonist, scharfsinniger Spötter. 1826 veröffentlichte er die «Harzreise», einen Wanderbericht voll Poesie und Ironie. Wer heute auf Heines Spuren in Sachsen-Anhalt marschiert, auf dem eigens eingerichteten Heinrich-Heine-Weg, wird im Tal des Baches Ilse dieses Ebenbild des Meisters erblicken. Heine gilt als der letzte Romantiker (ein Kulturgut sind etwa die Loreley-Verse – «Ich weiss nicht, was soll es bedeuten»). Seine Landsleute, die er ab 1831 aus dem Pariser Exil beobachtete, verklärte er jedoch gar nicht. So steht in der «Harzreise»: «Das ist schön bei den Deutschen: Keiner ist so verrückt, dass er nicht noch einen Verrückteren fände, der ihn versteht» (was Heine wohl zur bevorstehenden Bundestagswahl einfiele?). Eines Abends zechte er im Gasthaus auf dem Brocken, zusammen mit Couleurstudenten; die Flaschen wurden leer, die Burschen voll. Sein Tischnachbar war ein übermässig erfrischter, liebeskranker Eidgenosse. Heine sagt: «Aber der Schweizer weinte und küsste zärtlich meine Hand und wimmerte beständig: ‹O Bäbeli! O Bäbeli! ›» – der Verrückteste von allen.