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Versicherer verdienen Rekordsumme – Höhere Risiken für Chinas Banken Kursfeuerwerk nach Zinssenkung

Hongkongs Hang-Seng-Index schloss 0,3% tiefer auf 25122,37. Während der Wochenverlust nur geringfügig war, ging es zwischenzeitlich heftig zur Sache. Zu Wochenbeginn brachen die Kurse im Gefolge der Ausverkaufsstimmung an den globalen Börsen massiv ein. Bis zum Handelsschluss am Dienstag betrug der Kurseinbruch beinahe 14%.
Die vom Zeitpunkt her überraschende Zinssenkung in den USA am Dienstag um 0,75 Prozentpunkte löste dann in der City ein Kursfeuerwerk aus. Der Zinsschritt wurde von den Währungshütern Hongkongs umgehend nachvollzogen, sie reduzierten den Basiszins für Tagesgeld von 5,75% auf 5%. Seit 1983 ist der Hongkong-Dollar an den US-Dollar gekoppelt und die De-facto-Zentralbank addiert 1,5Prozentpunkte zum Satz der US-Notenbank.
Hongkongs Makrodaten weisen jedoch in die entgegengesetzte Richtung als in den USA. Konjunktur und Konsum sind robust, unterstützt vom starken Wirtschaftswachstum von China.
Die führenden City-Banken reduzierten ihrerseits den Ausleihsatz um einen Dreiviertelpunkt. HSBC Holdings (der Aktienkurs stieg im Wochenvergleich 1,8%) verlangt nun 6% Zinsen für erstklassige Schuldner. Die zinssensitiven Finanz- und Immobilienwerte konnten die hohen Kursverluste vom Wochenanfang mehrheitlich ausbügeln.
Das schafften die chinesischen Versicherungswerte nicht ganz. Die Branche verdiente im letzten Jahr auf ihren Investitionsanlagen die Rekordsumme von 38,7Mrd. $ oder mehr als in den fünf Jahren zuvor zusammen. Grund war die boomende Festlandbörse. Im Falle eines starken Kursrückgangs könnten sich die Versicherer jedoch mit grossen Abschreibungen konfrontiert sehen. Die Regierung hatte im vergangenen Jahr die Grenze für Aktienanlagen der Assekuranz auf 10% der Bilanzsumme verdoppelt.
Ping An Insurance (–6,1%) plant eine Beteiligung an Prudential, Englands zweitgrösstem Versicherer, für 13,8Mrd. $. Der Konzern will diese Summe teilweise mit einer Aktienemission in Schanghai finanzieren, die von den Behörden jedoch noch nicht bewilligt ist. Die Bank of Communications (+1,3%) steigerte 2007 den Gewinn um mehr als 60%. Ob Ähnliches im laufenden Jahr gelingt, erscheint vor dem Hintergrund der für 2008 angekündigten weiteren Massnahmen der Regierung zur Eindämmung des Kreditwachstums fraglich. Auch könnten Chinas Banken infolge höherer Schwankungen an den Kapital- und Immobilienmärkten vermehrten Kreditrisiken gegenüberstehen (vgl. China-Artikel S. 39 und 45).
China Coal Energy (–11,7%) erzielte dank höherer Produktion infolge der stark steigenden Nachfrage einen letztjährigen Gewinnanstieg von 88%. Der Kohleausstoss wurde um 15% auf 90 Mio. t gesteigert. China Coal rechnet für 2008 mit rund 10% höheren Preisen auf dem Inlandmarkt, die Exportpreise sollen sogar noch stärker wachsen. Das Unternehmen plant trotz den Turbulenzen an den Aktienmärkten mittels eines IPO (Börsengang) 3,5Mrd. $ an den Inlandbörsen aufzunehmen. Nachdem der Handel in den Aktien von Jiangxi Copper (–20,7%) letzte Woche eingestellt worden war, reagierten sie nach Wiederaufnahme diese Woche mit empfindlichen Kursverlusten. Grund dafür ist die Ankündigung des Kupferproduzenten, 940 Mio. $ Kapital über eine Optionsanleihe aufzunehmen.
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