Meinungen

Vertrauensmissbrauch

Der Handel mit CO2-Zertifikaten floriert. Dem Klima bringt das allerdings nichts. Ein Kommentar von FuW-Redaktorin Sylviane Chassot.

Sylviane Chassot
«Der Grossteil des Geldes bleibt bei den Zertifikatverkäufern in der Schweiz.»

Die Klimaerwärmung beschäftigt Unternehmen, Investoren und Hinz und Kunz. Das hat auch die Online-Händlerin Digitec Galaxus gemerkt und verkauft Zertifikate zur Kompensation von Treibhausgasemissionen. Für 20 Fr. wird damit beispielsweise der Flug von Zürich auf die Kanaren auf dem Papier CO2-frei. Wer annimmt, dass dank der 20 Fr. etwas Gutes für das Klima passiert, was sonst nicht passieren würde, wird allerdings getäuscht. Der Grossteil des Geldes bleibt bei den Zertifikatverkäufern in der Schweiz. Auch Unternehmen nutzen die CO2-Kompensation – es ist oft einfacher und günstiger, in ein Aufforstungsprojekt in Brasilien zu investieren, als die eigenen Prozesse weiter zu optimieren.

Es gibt mehrere CO2-Märkte, Käufer und Verkäufer sind teilweise die gleichen, die Preise nicht. Arbitragegelegenheiten gibt’s zuhauf. Kein Wunder, übersteigt das Transaktionsvolumen mit den Zertifikaten die tatsächlichen CO2-Einsparungen um ein Vielfaches. Die Zertifikate wechseln mehrmals jährlich die Hand. Dabei geht das eigentliche Ziel, nämlich eine Erderhitzung um mehrere Grad Celsius zu verhindern, beinahe vergessen.

Das wird sich kommende Woche ändern, wenn die 26. Klimakonferenz beginnt und wieder einmal über die Regeln zur CO2-Kompensation gestritten wird. Wer hofft, dass dabei Massnahmen beschlossen werden, die den Klimawandel rechtzeitig aufhalten, geht am besten in die Kirche. Die kennt sich mit Ablassbriefen am besten aus. Wer in Unternehmen investieren will, die für den Klimawandel gewappnet sind, macht um Gesellschaften, die auf CO2-Kompensation setzen, am besten einen grossen Bogen.

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