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US-Staatskasse profitiert kaum von Tax Holiday

Weder der amerikanische Fiskus noch die Realwirtschaft würden massgeblich von einer Repatriierung der Auslandguthaben profitieren.

Donald Trump hat im Wahlkampf viel versprochen – womöglich zu viel. Unter anderem sollen gewaltige Infrastrukturausgaben der amerikanischen Wirtschaft auf die Sprünge helfen. Die Hoffnung des designierten US-Präsidenten, die Rechnung von 1 Bio. $ teilweise mit Steuereinnahmen aus der Tax Holiday  zu begleichen, könnte sich allerdings als zu optimistisch herausstellen: Bekommen die Analysten des Think Tank Center on Budget and Policy Priorities recht, dürfte eine Repatriierung der Auslandguthaben die US-Staatskasse tendenziell sogar belasten.

Falsch gesetzte Anreize sind hierbei das Hauptproblem: Eine neuerliche Tax Holiday ermutige Alphabet (GOOGL 117.47 -0.61%), Apple (AAPL 165.81 -0.19%) und Co., Investitionen und Gewinne künftig sogar verstärkt ins Ausland zu verschieben. Gemäss einer Analyse des kongressinternen Joint Committee on Taxation von 2014 würde eine Tax Holiday bei einem Steuersatz von 5,75% dem US-Staatsbudget über elf Jahre rund 96 Mrd. $ vorenthalten.

Ebenfalls wenig stichhaltig scheint das Argument, die repatriierten Mittel würden von US-Konzernen zur Stärkung des Binnenstandorts eingesetzt. Bereits 2004 hatte der damalige Präsident George W. Bush erlaubt, Auslandgewinne zu einem reduzierten Steuersatz von 5,25% zurückzuholen. Die Gelegenheit wurde rege genutzt: Corporate America führte im erlaubten Zeitfenster über 300 Mrd. $ zurück, was ungefähr dem Fünffachen des üblichen Volumens und beinahe 50% aller Auslandguthaben entsprach.

Laut dem National Bureau of Economic Research floss davon aber kaum etwas in die Realwirtschaft – obschon dies im American Jobs Creation Act of 2004 eigentlich festgelegt worden war. Vielmehr wurden pro repatriierten Dollar zwischen 60 und 92 Cent über Dividenden und Titelrückkäufe an die Aktionäre ausgeschüttet. Kein Wunder hat sich die scheidende Administration Obama den Forderungen grosser US-Konzerne nach einer weiteren Tax Holiday bislang widersetzt.

Auf die Entwicklung der Heimwährung hätte eine Steueramnestie derweil kaum einen Einfluss. «Die meisten Auslandguthaben der US-Konzerne sind bereits in Dollar-Vermögenswerten angelegt», sagte Moody’s-Analyst Richard Lane jüngst der Nachrichtenagentur Bloomberg. Zwar hatte sich der Greenback im Jahr nach der letzten Repatriierung anno 2004 rund 13% verteuert. Laut J. P. Morgan sei dies aber primär der damaligen Verdopplung der US-Leitzinsen auf 4,25% zuzuschreiben. Einzig wenn das Infrastrukturprogramm nun die Konjunktur sowie die Inflation anheizen würde, trüge die Tax Holiday indirekt zu einem stärkeren Dollar bei.