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Vier von zehn Fondsmanagern erwarten Helikoptergeld

Die Aussichten sind gemäss institutionellen Investoren trübe: Sie sehen tiefere Gewinne und schwächeres Wachstum. Sie meiden die Eurozone und halten viel Cash.

Alexander Trentin

Fast 40% der Fondsmanager erwarten für die nächsten zwölf Monate, dass eine grosse Notenbank Helikoptergeld einsetzen wird. Darunter versteht man, dass eine Zentralbank direkt Geld verschenkt – beispielsweise den Staatshaushalt finanziert.

Gemäss der monatlichen Umfrage von Bank of America (BAC 33.01 -2.88%) Merrill Lynch waren es im Juni noch deutlich weniger professionelle Anleger, die mit diesem extremen geldpolitischen Schritt rechneten.

Der Grund dafür ist, dass die Fondsmanager ihre Wachstumserwartungen zurückgeschraubt haben. Zum ersten Mal seit Anfang Jahr sind die institutionellen Investoren, die eine stärkere Weltkonjunktur erwarten, in der Minderheit.

Angesichts dieser Konjunktureinschätzung ist es wenig verwunderlich, dass ein Rekordanteil der Befragten die Staatsausgaben als zu gering erachtet. 44% der Fondsmanager sind dieser Ansicht.

Und auch das Momentum für die Erwartungen an die Unternehmensgewinne zeigt nach unten. Noch vergangenen Monat rechnete eine knappe Mehrheit der befragten Fondsmanager mit höheren Gewinnen. Das ist nun vorbei.

Daher ist es kein Wunder, dass riskante Anlagen wenig gefragt sind. Am liebsten halten die Fondsmanager Cash – deutlich mehr als im historischen Vergleich. Gemäss BofA Merrill Lynch halten die professionellen Investoren so viel Bares wie seit November 2001 nicht mehr.

Seit 2013 steigt der durchschnittliche Cash-Anteil in den Portfolios der Fondsmanager – nun beträgt er 5,8%.

Extrem unbeliebt sind wegen des Brexit-Entscheids das Pfund und britische Aktien im Vergleich zur historischen Allokation der Fondsmanager. Aber auch Aktien allgemein und die Eurozone werden gemieden.

Vergleicht man die Positionierung im Juni, kauften die Fondsmanager Aktien aus den USA. Auch Industrie- und Energietitel wurden aufgestockt.

Dagegen wurden Finanzvaloren – Banken und Versicherungen – abgebaut. Eurozonetitel wurden von Fondsmanagern diesen Monat massiv abgestossen.

Zum ersten Mal in vier Jahren ist nun die Mehrheit der Fondsmanager in Aktien der Eurozone untergewichtet (blaue Balken in der untenstehenden Grafik). Ein extremer Stimmungsumschwung: Noch Ende 2015 waren die allermeisten professionellen Anleger in der Eurozone übergewichtet.

Und auch die Banken sind so unbeliebt wie seit langem nicht mehr. Zuletzt im Jahr 2012 mieden so viele Fondsmanager die Aktien der globalen Finanzinstitute.

Unter den Aktien halten die Fondsmanager nun lieber Schwellenländer. Die Stimmung für die dortigen Aktien hat sich seit Ende 2015 deutlich verbessert. Zum ersten Mal sind die professionellen Investoren in den Schwellenländern gegenüber ihrer Benchmark höher gewichtet als in den Industrieländern (USA, Eurozone und Japan).