Diese jungen Leute, koptische (d. h. ägyptische) Christen, sind wohl einige Stunden vor Sonnenaufgang losmarschiert, um die ersten wärmenden Strahlen auf dem Gipfel zu geniessen: auf dem Berge Sinai, 2285 Meter hoch. Hier oben sass vor undenklicher Zeit der jüdische Prophet Moses, nach dem die ersten fünf Bücher des Alten Testaments benannt sind. Fastend, dürstend, enthaltsam, versunken in Zwie­sprache mit dem Herrn – vierzig Tage und Nächte lang. Die Zahl kommt in der Bibel auffallend häufig vor: Vierzig Jahre lang wanderte das Volk Israel nach dem Auszug aus Ägypten durch die Wüste. Die Könige David und Salomo herrschten je vierzig Jahre. Vierzig Tage hielt der Regen der Sintflut an. Vierzig Tage, une quarantaine de jours, sind seit etwa 1400 eine übliche Frist, um ansteckende Ankömmlinge fernzu­halten, namentlich seuchenverdächtige Schiffe vom Hafen: daher die «Quarantäne». Nach seiner Quarantäne stieg ­Moses zu Tal und löste die soziale Distanz zu seinen Leuten auf, und er brachte ihnen Gesetzestafeln mit. Gut möglich, dass nach der hiesigen, heutigen Quarantäne – die kürzer oder wenigstens nicht länger als vierzig Tage dauern möge – viele neue Gesetze über uns kommen werden. (Bild: EPA/MIKE NELSON)