Unternehmen / Gesundheit

Vifor verkauft OM an Ex-CEO

Analyse | Etienne Jornod, der erst Mitte Mai die Führung von Vifor abgetreten hat, übernimmt mit OM Pharma ein Spin-off derselben.

Die Biotech-Einheit von Vifor Pharma (VIFN 112.5 1.35%), OM Pharma, erhält mit Etienne Jornod ihren früheren Executive Chairman zurück. Er wurde Mitte Mai bei Vifor durch Stefan Schulze als CEO und Jacques Theurillat als Verwaltungsratspräsident ersetzt.

Vifor hatte im Frühling auch bekanntgegeben, man wolle OM Pharma verkaufen. Sie wechselt nun für 435 Mio. Fr. sowie eine Beteiligung an möglichen Wertsteigerungen über die nächsten sieben Jahre die Hand. Der Verkaufspreis könnte so noch auf über 500 Mio. Fr. steigen. Er entspräche dann mehr als 3,2-mal dem Umsatz, wenn Jornods Schätzung des Verkaufserlöses über 157 Mio. Fr. für dieses Jahr eintrifft.

Das Bieterverfahren sei von der Bank Rothschild initiiert, geleitet und überwacht worden, teilt Vifor-Sprecherin Nathalie Ponnier auf Anfrage mit. «Das vom jetzigen Käufer unterbreitete Angebot war das attraktivste.» Das Geld aus dem Verkauf will die Spezialistin für Eisenpräparate für ihre Strategie einsetzen, im Bereich der Nephrologie die Führungsrolle weiter auszubauen. Das Geschäft mit Patienten mit Nierenleiden ist hauptsächlich in einem Gemeinschaftsunternehmen mit Fresenius (FRE 33.87 0.09%) Medical Care (FME 67.24 0.36%) eingebracht.

In Schweizer Hand

CEO Schulze hatte im Interview mit «Finanz und Wirtschaft» gesagt, der letzte ­Zukauf liege schon mehr als zwei Jahre zurück, und er monierte, es sei in letzter Zeit nicht genug in den Ausbau des Produktportfolios investiert worden. Er zieht die Einlizenzierung einzelner Wirkstoffe grösseren Firmenübernahmen vor.

Für seine Übernahme von OM Pharma hat Etienne Jornod eigens die Optimus Holding gegründet und Partner ins Boot geholt, die sich daran beteiligen. Namentlich genannt wird Nezih Barut, der über das Familienunternehmen Abdi Ibrahim 28,5% hält. Die türkische Gesellschaft vertreibt Vifor-Produkte. Jornod nennt Barut den «ersten und besten Partner Vifors seit mehr als dreissig Jahren».

Die weiteren Beteiligten seien Unternehmer, mehr als 70% des Kapitals be­fänden sich in Schweizer Hand. Alle ­hätten sich für mindestens sieben Jahre verpflichtet. Der Gewinn soll ebenso lang im Unternehmen bleiben. Die Partner stünden zu 100% hinter ihm, sagt Jornod im Gespräch mit FuW. «Ich musste das Geld nicht suchen, es ist von allein gekommen».

Gefriergetrocknete Bakterien

Jornod will in den nächsten Jahren 250 Mio. Fr. in die Produktentwicklung stecken. OM ist auf den Gebieten Infektions- und Gefässkrankheiten aktiv. Sie ist führend bei Produkten zur Prävention wiederkehrender Entzündungen, vor allem der Atemwege und des Harntrakts. OM setzt gefriergetrocknete Bakterien zur ­Anregung des Immunsystems ein. Die Medikamente werden biotechnologisch in Meyrin bei Genf hergestellt, wo das ­Unternehmen seinen Sitz hat.

In vier bis sieben Jahren könnte Jornod in einem Börsengang etwa 30% der Aktien platzieren. Erreicht OM die eigenen Ziele, wäre der Erlös mehr als genug, um die 500 Mio. Fr. für Vifor rund zu machen und die Unternehmer zu belohnen.

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«Troxler wird der Chef sein»


Etienne Jornod erfüllt sich mit dem Kauf von OM Pharma einen Traum.

Weshalb glauben Sie, OM sei die 435 Mio. Fr. und mehr wert, die Sie zahlen?
Ich glaube, unser Preis ist sehr attraktiv. Niemand kennt die Märkte OMs besser als wir. Wer hätte gedacht, dass OM einen Vertrag mit der Nummer eins in China, AstraZeneca, unterzeichnen würde? Wir von Optimus haben daran geglaubt. Der Vertrag wurde eben erst unterschrieben.

Was werden Sie nun ändern bei OM?
Da wir in die klinische Entwicklung und unsere Pipeline investieren wollen, müssen wir die Entwicklungsabteilung stärken. Ausserdem hat Vifor viele Funktionen wie IT oder Rechtsabteilung für OM ausgeübt. Wir müssen nun eine eigene Infrastruktur aufbauen.

Welche Rolle werden Sie übernehmen?
Ich werde wieder Executive Chairman sein und dem Verwaltungsrat helfen, das Potenzial des Unternehmens zu maximieren. Vor allem werde ich alles tun, damit CEO Josef Troxler Erfolg hat. Ich kenne ihn seit 20 Jahren. Er wird der Chef sein.

Wer sind Ihre Partner?
Mit Nezih Barut, dem Chef von Abdi Ibrahim, arbeite ich schon seit mehr als 30 Jahren zusammen. Er ist die Nummer eins bei den Verkäufen des Vifor-Produkts Maltofer und hinter der Schweiz der weltbeste Vermarkter von Ferinject. Die anderen Partner kenne ich aus Verwaltungsräten. Es gibt jemanden von der NZZ (NZZ 5100 0.2%), Fritz Hirsbrunner, mein CFO und Vize-CEO bei Galenica (GALE 60.3 -0.25%), und Vifor ist auch dabei. Es sind aber nur ganz wenige. Es ist für mich das Schönste, dass mir diese Leute ihr Vertrauen schenken.

Was reizt Sie, noch einmal Unternehmer zu werden?
Ich möchte ein Familienunternehmen aufbauen und nie mehr die Kursschwankungen erleben, wie wir sie bei Vifor gesehen haben. Das ist ein Projekt für Unternehmer. 2019 hatte Vifor den Ebitda um 35% gesteigert, und kurz darauf fällt der Kurs von 180 auf 100 Franken. Mein Projekt ist der Luxus, das nie mehr mitansehen zu müssen.

Leser-Kommentare

Bruno Riedener 21.09.2020 - 18:45

Das Jornod diese Sparte von der Vifor übernimmt, macht mich glauben, dass Diese ein Juwel mit Zukunft ist. Unter seiner Führung ist eine gute bis sehr gute Entwicklung fast auf sicher. Schade allerdings, dass die Aktionäre der Vifor keine Gelegenheit gegeben wird, an der Entwicklung direkt teilzunehmen.