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Vincent Bolloré kämpft um die Vorherrschaft in WestafrikaWie der bretonische Investor seine Interessen im Warenumschlag durchsetzt – Der Konkurrent Progosa hat das Nachsehen – Hilfe von staatlicher Seite?

Gesche Wüpper

Gesche Wüpper, Paris

Er ist einer der bekanntesten Investoren Frankreichs – und einer der gefürchtetsten: Wenn Vincent Bolloré auftaucht, werden Manager in Alarmstimmung versetzt. Denn der Vertraute von Staatschef Nicolas Sarkozy – dem er nach dem Wahlsieg einen Kurzurlaub auf seiner Jacht spendierte – gilt als skrupelloser Meister der Verunsicherung, der sich zunächst kleine Beteiligungen sichert und sie dann kontinuierlich ausbaut – genauso wie den Druck auf die Unternehmensleitung. Die britische Mediengruppe Aegis und der französische Mischkonzern Bouygues können ein Lied davon singen.

Strategische Bedeutung

Nahezu unbemerkt von der europäischen Öffentlichkeit kämpft Bolloré auch um die Vorherrschaft über die Häfen Westafrikas und liefert sich dort ein gnadenloses Duell mit der Progosa-Gruppe von Jacques Dupuydauby. Dabei hatten die beiden als Partner begonnen. Doch dann sicherte sich Dupuydauby auf eigene Faust ein Stück des lukrativen Kuchens – zum Ärger des bretonischen Investors. Seitdem herrscht Krieg zwischen den einstigen Geschäftspartnern.

Auf der einen Seite steht die Gruppe Bollorés, ein kompliziertes, sich ständig veränderndes Geflecht aus verschiedenen Holdings und Beteiligungen mit weltweit 20 000 Mitarbeitern. Den Kern des Konglomerats bilden Logistik und Warenumschlag in Afrika, wo Bolloré die Konzessionen für die Containerhäfen in Douala (Kamerun), Abidjan (Elfenbeinküste), Lagos (Nigeria), Cotonou (Benin) und Pointe-Noire (Kongo) besitzt. Die afrikanischen Aktivitäten trugen zuletzt 1,4 Mrd. € zum Gesamtumsatz von 6,3 Mrd. € bei. Auf der anderen Seite steht Progosa, eine einst gut in Togo vertretene Gruppe, für die einflussreiche Franzosen wie Michel Dupuch, Afrikaberater des ehemaligen Staatschefs Jacques Chirac, arbeiten. Nach dem juristischen Sieg, den Bolloré gerade davontrug, bleiben der im spanischen Sevilla beheimateten Investmentgesellschaft indes nur noch Interessen in Libyen.Bei der letzten Konfrontation der beiden Industriellen ging es um die Kontrolle über den Hafen von Lomé. Er verfügt über die grösste Kaitiefe Westafrikas und hat sich damit auch eine Basis als Warenumschlagplatz für umliegende Länder wie Burkina Faso, Mali sowie Niger geschaffen. Wer die Macht im Hafen von Lomé besitzt, herrscht auch über das Hinterland. Dupuydauby, der über gute Kontakte in Afrika verfügte, hatte dort einst im Auftrag Bollorés gearbeitet. 2001 hatte seine Holding die Konzession für den Hafen von Lomé erhalten. Bolloré, der offenbar nicht in Erscheinung treten wollte, investierte daraufhin 11 Mio. € in Progosa.Später zog er sich aus dem Kapital zurück, ohne ganz die Kontrolle aufzugeben, indem er an die ihm nahestehende Familie Hottinger verkaufte. Diese agierte nur als schlafender Partner, und so gelang es Dupuydauby, die entsprechenden Aktivitäten auszugliedern und in Gesellschaften in Luxemburg einzubringen. Als Bolloré 2005 die Anteile der Hottingers zurückkaufte, stellte er fest, dass es sich nur noch um eine leere Hülle handelte. Nach demselben Schema gingen Dupuydauby und Bolloré auch in Gabun vor.

Flucht nach Europa

Seitdem tobt der Kampf der ehemaligen Geschäftspartner vor Gericht – in Spanien, aber auch in Afrika. Bolloré konnte in der ersten Runde bereits 2006 die Übertragung der Hafenaktivitäten an die luxemburgischen Gesellschaften vor einem Gericht in Togo annullieren lassen, doch Dupuydauby schlug zurück und verklagte den bretonischen Investor wegen Bestechung. Daraufhin wurden vier hohe Manager der Bolloré-Gruppe in Lomé in Untersuchungshaft genommen und erst nach Intervention des französischen Aussenministeriums sowie der Hinterlegung einer Kaution über 1 Mio. € freigelassen.

Nun hat Bolloré vor dem Berufungsgericht den Sieg davongetragen – vorläufig. Die togolesische Staatsanwaltschaft erliess daraufhin einen internationalen Haftbefehl gegen den 63-jährigen Dupuydauby, der inzwischen nach Europa geflüchtet ist. Bolloré habe seine Freundschaft mit Sarkozy benutzt, um Druck auf das westafrikanische Land auszuüben, argwöhnt Dupuydauby. Tatsächlich gab es mehrere Treffen zwischen Sarkozy und dem togolesischen Präsidenten Faure Gnassingbé. Doch die beiden hätten niemals über den Hafen von Lomé gesprochen, beteuert das französische Aussenministerium.Aus Anlegersicht lohnt sich die Bolloré-Aktie trotz des erfolgreichen Kampfes um die westafrikanischen Häfen nicht. Denn zum einen ist die Gruppe nicht sehr transparent organisiert, zum anderen gehört sie nicht zu den Kernwerten der Pariser Börse. Die Handelsvolumen in den Titeln der Gesellschaft – die zu 67% von der Holding Financière de l’Odet kontrolliert wird – sind vergleichsweise bescheiden. Vor diesem Hintergrund erstaunt es nicht, dass sich Wertschriftenhäuser nicht sehr stark mit den Bolloré-Papieren beschäftigen – die sich indes in der Börsenkrise bemerkenswert gut gehalten haben. Dieser Artikel ist für Abonnentinnen und Abonnenten reserviert. Digital-Abonnements ab 28 Fr. / Monat Zu den Abonnements Bereits abonniert?