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Märkte / Makro

Viruskrise drückt auf US-Konsumentenstimmung

Die Verbraucherstimmung in den USA ist so schlecht wie seit Herbst 2016 nicht mehr – und der Einbruch so stark wie zuletzt in der Finanzkrise.

(Reuters) Die trüben Konjunkturaussichten im Zuge der Corona-Pandemie verderben den US-Amerikanern zusehends die Konsumlust. Das Barometer für das Verbrauchervertrauen im März sackte nach endgültigen Daten von 101 auf 89,1 Punkte ab, wie die Universität Michigan am Freitag zu ihrer monatlichen Umfrage mitteilte.

Dies ist das niedrigste Niveau seit Oktober 2016 und zugleich der stärkste monatliche Einbruch des Indikators seit Oktober 2008 – dem Höhepunkt der Finanzkrise. Die Konsumenten sehen sowohl ihre jetzige Lage als auch die Aussichten schlechter als im Februar. Die Daten gelten als Vorbote für einen Konjunktureinbruch, denn der private Konsum steuert rund 70% zur Wirtschaftsleistung bei.

«Die Stimmungseintrübung ist deutlich und vor dem Hintergrund der im März stark gesunkenen Aktienkurse und den dramatischen Entwicklungen am Arbeitsmarkt zu sehen», sagte Ökonom Ralf Umlauf von der Helaba. In der US-Notenbank stellen sich Währungshüter nun auf eine rasante Talfahrt der Wirtschaft und einen rapiden Anstieg der Arbeitslosigkeit ein.

Der Chef des Fed-Bezirks Dallas, Robert Kaplan, rechnet damit, dass die Arbeitslosenquote im Frühjahr auf bis zu 15% ansteigen wird. Zum Jahresende dürfte sie sich dann bei sieben bis acht Prozent einpendeln, wie er Bloomberg TV sagte. Damit droht der Boom am Jobmarkt kurzfristig in Massenarbeitslosigkeit umzuschlagen: Zuletzt lag die Arbeitslosenquote bei nur 3,5%, was praktisch Vollbeschäftigung entspricht.

Am Donnerstag vorgelegten Daten zufolge stiegen die Anträge auf Arbeitslosenhilfe jetzt auf ein Rekord-Niveau, was auf eine Entlassungswelle im Zuge der Coronakrise hindeutet. Der Chef des Fed-Bezirks von St. Louis, James Bullard, bezifferte unlängst die Zahl der besonders gefährdeten Jobs auf 46 Mio. Das seien vor allem Arbeitsplätze mit Publikumsverkehr, also Tätigkeiten, bei denen es zum Kontakt mit der Öffentlichkeit komme.

Kaplan geht auch von einem massiven Konjunktureinbruch im Frühjahr aus. Dabei dürfte das Bruttoinlandsprodukt in diesem Zeitraum aufs Jahr hochgerechnet im 20er-Prozent-Bereich schrumpfen, so seine düstere Prognose.

Fed-Chef Jerome Powell erwartet indes, dass die Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte wieder anspringen wird. Angesichts des drohenden Konjunktureinbruchs hatte die Fed jüngst ein breit angelegtes Programm beschlossen, mit dem unter anderem der Kreditfluss an Haushalte und Firmen abgesichert werden soll. Kaplan sagte dazu, die Fed arbeite «wie wild» an der Umsetzung des Programms. Sein Kollege Raphael Bostic, der den Fed-Ableger in Atlanta leitet, sagte demselben Sender, er hoffe, dass die aktuellen Massnahmen der Fed das Vertrauen in der Bevölkerung stärkten.