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Vodafone kauft Liberty-Europa-Sparten

Der britische Telecomkonzern übernimmt die grössten Teile des europäischen Geschäfts von Liberty Global. Das könnte auch Auswirkungen auf den Schweizer Markt haben.

(AWP/CC) Die bereits seit längerem erwartete Übernahme von Teilen des europäischen Geschäfts von Liberty Global (LBTYA 29.22 0.17%) durch Vodafone (VOD 195.8 1.3%) ist besiegelt. Der Transaktionswert beläuft sich auf 18,4 Mrd. €, wie die Unternehmen am Mittwoch mitteilten. Bereits am Dienstag hatte die «Financial Times» unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen berichtet, eine Einigung des britischen Telecomkonzerns mit dem anglo-amerikanischen Kabelkonzern stehe kurz bevor.

Über den Abschluss der Transaktion, bei der auch der deutsche Kabelanbieter Unitymedia an Vodafone gehen soll, wird bereits seit Monaten spekuliert. Seit Anfang Februar sind erneute Gespräche offiziell. Neben dem Deutschland-Geschäft gehen auch die Osteuropa-Sparten von Liberty zu Vodafone. Geht der Deal so über die Bühne, ist es der grösste in der europäischen Telekommunikationsbranche der vergangenen fünf Jahre. Er wird zudem den deutschen Telecommarkt stark verändern.

Mittel für Zukäufe in der Schweiz

In der Schweiz ist Liberty Global mit Tochter UPC vertreten. Liberty Global könnte die Einnahmen aus dem Deal mit Vodafone verwenden, um die Präsenz am hiesigen Markt zu verstärken. Seit längerem wird über einen Schulterschluss von UPC mit Sunrise (SRCG 80.6 -0.74%) spekuliert.

UPC-Sprecher Bernard Strapp erklärte auf Anfrage von FuW, die Transaktion habe keine Auswirkungen auf die Schweiz. Im Gegensatz zu den veräusserten Gesellschaften biete UPC in der Schweiz Festnetz- und Mobilfunkdienste und sei eine «führende und landesweit aufgestellte» Anbieterin. Hohe Investitionen durch die Mutter brächten eine sehr gute Ausgangslage für die Zukunft.

Letzte Konsolidierungsrunde scheiterte 2010

Die Aktivitäten der Unternehmen würden sich dennoch gut ergänzen. UPC ist vor allem im Festnetzgeschäft tätig, mit eigenen Kabelnetzen. Das Mobilfunkangebot wird derzeit auf dem Netz von Salt erbracht. Sunrise ist die Nummer zwei im Schweizer Mobilfunk. Gemeinsam hätten die beiden Unternehmen im vergangenen Jahr einen Umsatz von 3,2 Mrd. Fr. erzielt. Für Swisscom (SCMN 452 -0.48%) (11,7 Mrd. Fr. Umsatz 2017) würde ein Zusammengehen einen neuen, stärkeren Konkurrenten bedeuten.

Sunrise ist seit gut drei Jahren kotiert und hat einen Börsenwert von 3,6 Mrd. Fr. Das Unternehmen hat mit der deutschen Freenet (FNTN 24.52 -7.92%) einen Grossaktionär, der knapp 25% hält und eine Konsolidierung gegenüber FuW als «valide Option» bezeichnete. Der letzte Anlauf einer Konsolidierung im Schweizer Telecomsektor scheiterte 2010. Gegen einen Zusammenschluss der beiden Mobilfunkanbieter Orange (heute Salt) und Sunrise legte die Wettbewerbskommission ihr Veto ein.

Europäische Kommission muss zustimmen

Die Transaktion von Vodafone und Liberty Global wird von der Europäischen Kommission geprüft und muss abgesegnet werden. Sie soll nach Angaben von Vodafone Mitte 2019 abgeschlossen werden. Sollte der Deal nicht zustande kommen, muss Vodafone unter bestimmten Bedingungen 250 Mio. € an Liberty Global zahlen. Vodafone teilte mit Blick auf die Ausschüttungspolitik mit, die Dividende auch künftig jährlich steigern zu wollen.

Die Geschäfte der beiden Unternehmen sind weitgehend komplementär. In Deutschland gibt es keine geografische Überschneidung zwischen dem Kabelnetz von Vodafone und dem von Unitymedia. In Tschechien, Ungarn und Rumänien ist Vodafone vor allem im Mobilfunk tätig und Liberty Global im Festnetz. Der Deal bewertet die verkauften Geschäfte mit dem 10,9-Fachen des Ebitda vor Synergien. Liberty Global wird von LionTree und Goldman Sachs (GS 237 -0.88%) finanziell beraten, Vodafone von Morgan Stanley (MS 53.92 -1.73%), Robey Warshaw und UBS (UBSG 15.995 -0.9%).

Hintergrund der Transaktion ist das Zusammenwachsen von Mobilfunknetzen und schnellen Festnetz-Breitbandnetzen, angesichts eines rasant steigenden Datenverbrauchs durch Telecomkunden und eines veränderten Nutzungsverhaltens beim Medienkonsum.

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