Meinungen

Volksaktie?

Stadler Rail sind Aktien, die nicht zu unterschätzende Risiken bergen. Ein Kommentar von FuW-Chefredaktor Jan Schwalbe.

«Als Ersatz für das Sparkonto sind Stadler Rail nicht geeignet.»

Zuallererst mal herzliche Gratulation an Peter Spuhler. Wie er sein Unternehmen Stadler Rail (SRAIL 42.56 1.82%) in den vergangenen dreissig Jahren ins Rollen gebracht hat, ist ein Lehrstück für jeden Unternehmer. Den bisherigen Höhepunkt erreichte die Erfolgsgeschichte am Freitag – mit dem gelungenen Börsengang des Schienenfahrzeugherstellers.

Jeder will auf den Zug aufspringen. Besonders unter Privatanlegern ist die Euphorie um Stadler Rail gross. Das liegt auch am Verkaufstalent von Peter Spuhler. Er selbst hat das Wort «Volksaktie» in den Mund genommen und seiner Hoffnung Ausdruck gegeben, möglichst viele Kleinanleger zu begeistern. Doch einerseits wurden gerade diese Kleinanleger im IPO zu wenig berücksichtigt, andererseits haben Stadler Rail nicht wirklich das Zeug zur Volksaktie, zumindest nicht zu einer, die dem Volk die Rente sichert.

Stadler Rail sind Aktien, die nicht zu unterschätzende Risiken bergen. Das heisst nicht, dass Verluste programmiert sind, doch Anleger, die auf die Thurgauer setzen, sollten dieses Risiko ganz bewusst eingehen und die Investition nicht als Ersatz für das Sparkonto oder ein Indexzertifikat betrachten. Stadler sind keine defensive Anlage wie Nestlé (NESN 95.85 0.8%) und Novartis (NOVN 77.03 -2.17%).

Stadlers Geschäftsgang ist nur schwer vorhersehbar. Wenn dem Unternehmen ein sicher geglaubter Grossauftrag durch die Lappen geht oder zu eng kalkuliert wurde, um sich den Zuschlag zu sichern, dann beeinflusst das nicht nur den Geschäftsausweis, sondern auch den Aktienkurs. Stadler Rail als Beimischung für ein diversifiziertes Portfolio? Warum nicht. Als Volksaktie für vorsichtige Gelegenheitsanleger? Lieber nicht.

Leser-Kommentare