Märkte / Aktien

Börsenhandel brummt auch ohne EU-Äquivalenz

Die Volumen mit heimischen Aktien an der SIX waren am Montag überdurchschnittlich. Die Gegenmassnahmen des Bundesrats scheinen zu wirken.

Für die Schweizer Börse war am Montag der erste Handelstag ohne Anerkennung durch die Europäische Union. Und der Handel lief prächtig. Gemäss Daten der Börsenbetreiberin SIX wurden bis Handelsschluss mehr Schweizer Aktien an der SIX gehandelt als an einem durchschnittlichen Handelstag des Vorquartals.

Im Leitindex SMI (SMI 11'466.28 +1.39%) wurden über 3690 Mio. Fr. umgesetzt. Das sind rund 6% mehr als an einem durchschnittlichen Handelstag des vergangenen Quartals. Small und Mid Caps gingen im Volumen von rund 746 Mio. Fr. über die Schweizer Börse, eine Zunahme von über 40%.

Die Schweizer Börse hat seit Jahresbeginn über 70% ihres Handelsumsatzes mit heimischen Aktien gemacht. Am Montag verzeichneten alle Handelssegmente an der SIX einen Gesamtumsatz von über 5136 Mio. Fr., dazu steuerten Schweizer Aktien 4430,9 Mio. Fr. bei. Die heimischen Titel haben am ersten Tag ohne Börsenäquivalenz also einen Anteil von über 86% am Gesamtumsatz der SIX erreicht.

Leidtragende in der EU

Das Bild passt zur Prognose für die Zeit nach Auslaufen der Börsenäquivalenz. Ohne die Anerkennung der Gleichwertigkeit ist es Händlern aus der EU zwar verboten, Aktien an der Schweizer Börse zu handeln. Doch der Bundesrat hat Gegenmassnahmen beschlossen, die den Entzug der EU-Anerkennung wirkungslos machen sollen. Die Landesregierung hat ihrerseits den Handel mit Schweizer Aktien in der EU verboten. Gemäss EU-Recht dürfen Händler in der Union Aktien auch an einer Börse ohne Äquivalenz handeln, wenn es die entsprechenden Titel in ausreichender Liquidität nur an dieser einen Börse gibt und nirgendwo sonst in der EU.

Das soll zum einen bewirken, dass die bisherigen EU-Händler weiter Zugang zur Schweizer Börse haben. Zum andern soll dadurch der Umsatz, der bisher mit Schweizer Aktien an EU-Handelsplätzen gemacht wurde, zur SIX fliessen. Schweizer Aktien ausserhalb der Schweiz wurden bisher vor allem über die Handelsplattformen CBOE Europe, Aquis Exchange und Turquoise Exchange gehandelt, alle domiziliert in Grossbritannien.

Die drei Gesellschaften bestätigen, dass sie Schweizer Aktien vom Handel ausgesetzt haben. Sie werden wohl die Hauptleidtragenden der gegenseitigen Sanktionen von EU und Schweiz sein. Auch die Börsen in London und Frankfurt geben an, keine Schweizer Titel mehr handeln zu lassen. Wie auf der Homepage der Online-Trading-Bank Swissquote (SQN 121.90 +0.58%) einzusehen, sind an EU-Handelsplätzen tatsächlich so gut wie keine Volumen an Schweizer Blue Chips mehr zu haben.

SIX-Fazit am Mittwoch

EU-Aktienhandelshäuser haben auf Anfrage bereits vergangene Woche bestätigt, weiterhin Schweizer Aktien über die SIX handeln zu wollen. UBS-Ökonomen haben geschrieben, sie hätten dasselbe Bild im Gespräch mit EU-Investmentbanken erhalten.

Ein SIX-Sprecher sagt hingegen, es sei nach einem Handelstag zu früh, um Aussagen treffen zu können. Die Zunahme im Handel könne auch auf den Beginn des dritten Quartals zurückzuführen sein. Am Mittwoch will man bei der SIX ein erstes Fazit zum Zustand nach Wegfall der Börsenäquivalenz ziehen.

Auch die kleinere Schweizer Börse BX Swiss sei gut in die Woche gestartet. Für einen Monatsanfang habe man von verschiedenen Banken mehr Aufträge im Bereich der Auslandaktien erhalten, sagt CEO Harald Schnabel. BX Swiss arbeitet mit dem deutschen Market Maker Bader Helvea zusammen, der BX Swiss weiterhin seine Dienste anbietet.

Auch bei Schweizer Unternehmen mit Doppelkotierung an EU-Handelsplätzen wie ABB (ABBN 29.03 +1.47%), LafargeHolcim oder Aryzta (ARYN 0.9135 +1.00%) geht laut Swissquote am Montag das grösste Volumen noch über die SIX. Von EU-Händlern dürften diese Titel wohl nicht mehr in der Schweiz gehandelt werden dürfen, weil sie auch an den Börsen Stockholm, Paris und Dublin kotiert sind. ABB teilt auf Anfrage mit, sie rechne mit einer Verschiebung der Volumen nach Stockholm, bleibe aber an der SIX kotiert.

Leser-Kommentare

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Peter Wigant 02.07.2019 - 01:21
Liebe FuW, Bravo dem Bundesrat für die Retorsionsmassnahmen. Was für Esel die Eurokraten doch sind. Sie tun wirklich alles um uns die Bilateralen nicht schmackhaft zu machen. Wir sind ein autonomes Land und möchten als solches respektiert und behandelt werden. Wir lassen uns doch von den Brüsseler Vögten nicht vorschreiben was wir wie, wann und wo zu tun haben. Die… Weiterlesen »
Peter Ulli 02.07.2019 - 08:11

Es könnte sogar noch einen weiteren Vorteil für Schweizer geben. Bei Titeln die auch in Paris, Stockholm oder Dublin gehandelt werden, kann der Schweizer Anleger ev. von Preisabweichungen profitieren. Auch bei Titeln welche in London gehandelt werden, dürfte die Schweiz nach dem Brexit profitieren. Da hat der selbsternannte Freund der Schweiz scheinbar etwas nicht zu Ende gedacht.