Unternehmen / Energie

Petra Denk: Von der goldenen zur erneuerbaren Energie

Die Physikerin arbeitet seit zwanzig Jahren am Umbau der ­Energieversorgung mit. Jetzt kandidiert sie für den Verwaltungsrat der BKW.

Petra Denk ist bei den kleinsten Teilchen in die Energiebranche eingestiegen: In ihrer Doktorarbeit in Physik hat sie sich Nanostrukturen von Halbleitern gewidmet. Anschliessend arbeitete die heute Achtundvierzigjährige ab 2001 beim damals frisch gegründeten Energiekonzern Eon. Die von der Europäischen Union koordinierte Strommarktliberalisierung entfaltete ihre Wirkung. Eon streckte die Fühler in die Nachbarländer aus. Denk stieg in der Abteilung Internationale Unternehmensentwicklung ein, erlebte mit, dass der Vorstoss nach Frankreich schwierig war, später lief es in osteuropäischen Ländern besser.

Der deutsche Strommarkt war damals zentral organisiert mit grossen Kern-, Kohle- und Gaskraftwerken. Es waren die goldenen Jahre der Energieversorgungsunternehmen. Denk blieb bis 2009 bei Eon, zuletzt als Bereichsleiterin Mergers & Acquisitions. Dann war es Zeit für einen Wechsel. Seither ist sie Professorin für Energie- und Betriebswirtschaft an der Hochschule Landshut in Bayern und leitet das Institut für Systemische Energieberatung.

«Richtig viel Grundlast, die wegfällt»

Auch am Strommarkt hat sich viel verändert. 2011 entschied die Regierung Merkel, bis 2022 alle Atomkraftwerke vom Netz zu nehmen. Diese steuerten damals 18% zur Stromerzeugung bei. Der Ausstieg aus der Kohlekraft soll bis spätestens 2038 folgen, womit zusätzlich über 20% der Bruttostromerzeugung wegfallen. Auch in Deutschland gibt es die Angst vor dem Strommangel: «Das ist richtig viel Grundlast, die wegfällt. Aber es gibt genug Modellrechnungen, die zeigen, dass die Energieversorgungssicherheit gewährleistet ist. Dafür braucht es genügend Kapazität erneuerbarer Energien, den Ausbau der Netze sowie mehr Übertragungskapazität mit den Nachbarländern», sagt Denk. Von neuen Kernkraftwerken, etwa kleinen modularen Reaktoren, hält sie wenig: «Fakt ist: Der CO2-Ausstoss der Kernkraft ist vergleichbar mit erneuerbaren Energien. Fakt ist aber auch, dass auch bei den Mini-AKW die Kernenergie mit Risiken und die Endlagerung mit hohen Kosten verbunden ist. Werden sämtliche Kosten mit in die Stromgestehungskosten einberechnet, ist Kernenergie aus neuen Kraftwerken nicht günstig.» Dieser Text ist für Abonnentinnen und Abonnenten reserviert. Digital 5 Wochen ab CHF 20.– Jetzt testen Bereits abonniert?

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