Märkte / Aktien

Zum Handelsschluss fällt der SMI immer tiefer

Am Dienstag haben Befürchtungen wegen des Coronavirus die Börse erneut im Griff. Novartis belasten Bedenken wegen eines neuen Medikaments.

(AWP/Reuters/RB) Der Schweizer Aktienmarkt hat auch am Dienstag schwach tendiert, belastet von den neu aufgeflammten Coronasorgen und einem Schwächeanfall von Novartis (NOVN 76.99 1.3%). Die Ausbreitung des Virus hat den SMI (SMI 9057.83 0.68%) auf den niedrigsten Stand seit Ende Januar absacken lassen.

Im Markt sei zwar keine Panik spürbar, sagten Händler. Mehr und mehr werde den Investoren jedoch bewusst, dass das Coronavirus in der Weltwirtschaft Spuren hinterlassen werde. «Die Folgen der Pandemie werden sich bald auch in den Unternehmenszahlen niederschlagen», meint ein Händler. Er vermutet, dass bald entsprechende Gewinnwarnungen publiziert werden müssen. Für Zukäufe sei es daher viel zu früh, so seine Einschätzung.

Es sind vor allem die Abgaben von knapp 5% in den schwergewichtigen Valoren von Novartis, die den Gesamtmarkt belasten. Hintergrund sind laut Analysten Sicherheitsbedenken beim kürzlich zugelassenen Augenmittel Beovu, dem der Konzern selbst Blockbusterpotenzial zutraut. Das Mittel zur Behandlung einer Augenkrankheit hat in den USA und in der EU die Marktzulassung.

Auch die Grossbankpapiere Credit Suisse (Credit Suisse 7.948 -1.29%) und UBS (UBSG 8.95 -1.32%) tauchen erneut deutlich. Händler verweisen darauf, dass am Dienstag europaweit Banktitel hinter anderen Sektoren zurückgeblieben seien. «Die Konjunkturrisiken durch das Virus treffen eben auch diese Branche», sagen Händler. Mit Swiss Life (SLHN 317.5 -1.4%) und Julius Bär (BAER 32.99 -2.74%) sind zudem weitere Finanzwerte bei den grössten Verlierern anzutreffen.

Keine Vorschusslorbeeren erhalten die Valoren von Alcon (ALC 48.25 6.98%), die in der Nacht auf Mittwoch Zahlen vorlegt. Auf der anderen Seite ziehen Lonza (LONN 389.6 2.04%) am stärksten an. Relativ gefragt sind die defensiven Nestlé (NESN 97.8 0.37%) und Roche (ROG 309.05 4.18%). Die beiden Schwergewichte federn den Verlust von Novartis im Index etwas ab.

Für einmal liegen auch Swatch Group (UHR 186.05 -0.21%) und Adecco (Adecco 36.35 -1.68%) gut im Markt. Der Personaldienstleister wird am Mittwoch den Jahresabschluss 2019 vorlegen. Beim Wachstum gilt eine positive Überraschung als eher unwahrscheinlich, hingegen ist eine solche laut Analysten beim Thema Aktienrückkauf denkbar.

Implenia nach Spin-off-Ankündigung gefragt

Im breiten Markt profilieren sich Implenia (IMPN 33.28 -3.2%). Das Bauunternehmen hat ansprechende Jahreszahlen vorgelegt und für seine Entwicklungspipeline ein Spin-off samt Börsengang im Juni angekündigt (lesen Sie hier mehr). Gut schlagen sich ausserdem Schaffner, Aluflexpack und VP Bank. Am früheren Morgen wurde auch das Jahresergebnis von SIG Combibloc am Markt noch gut aufgenommen. Sie konnte die Nettoschulden im Verhältnis zum Ebitda senken. Am Ende fanden sich die Aktien der Herstellerin von Verpackungssystemen eher am Ende des Kurstableaus.

Die Technologiepapiere Temenos (TEMN 121.1 0.37%) und Logitech (LOGN 40.74 3.27%) lassen ebenfalls Federn. Auch hier müssen das Coronavirus und die Folgen für die internationale Nachfrage nach Technologie als Grund herhalten. Auf der Verliererseite stehen ausserdem die Biotech-Titel Santhera (SANN 6.8 3.03%), Newron (NWRN 4.535 -0.33%), Addex (ADXN 1.135 -0.87%), Molecular Partners (MOLN 15.9 0%) und Basilea (BSLN 40.26 1.77%). Meier Tobler (MTG 10.9 1.68%) beenden den Tag nach der Vorlage der Zahlen für 2019 gehalten.

US-Börsen drehen rasch ins Minus

In den USA bot sich ein ähnliches Bild wie zuvor in Europa. Die Börsen eröffneten gehalten, die Kurse erodierten aber schnell. Zwei Stunden nach Handelsstart lag der Dow Jones (Dow Jones 21636.78 -4.06%) bereits wieder fast 300 Punkte im Minus. Auch S&P 500 (SP500 2541.47 -3.37%) und Nasdaq verzeichneten Verluste. Die wichtigsten Indizes hatten am Montag mehr als 3% eingebüsst. Für den S&P 500 und den Dow Jones Industrial war es der grösste Tagesverlust seit mehr als zwei Jahren. Der Nasdaq Composite hatte an einem einzelnen Tag zuletzt im Dezember 2018 mehr verloren. (Lesen Sie hier mehr.)

Die Anleger in Japan waren zuvor nach dem weltweiten Ausverkauf zu Wochenbeginn in Deckung gegangen. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index brach am Dienstag um 3,3% auf 22’605 Punkte ein, das ist der stärkste Rückgang seit Dezember 2018.

In China setzte sich der Kursrutsch fort. Der Shanghai Composite verlor allerdings nur 0,6%. In Hongkong stabilisierte sich die Lage. Der Hang Seng (Hang Seng 23175.11 -1.32%) stieg 0,2%.

Beruhigt hat sich die Lage zunächst auch beim Franken. Nachdem der Euro-Franken-Kurs am Montag zeitweise unter die Marke von 1.06 gefallen war, notierte er wieder darüber. Am Nachmittag fiel die Einheitswährung aber wiederholt darunter. Der Dollar handelte unter 0.98 Fr. Gold (Gold 1621.81 -0.35%) gab etwas nach, allerdings bei steigenden Kursen am Nachmittag. Am Vortag hatte es ein Siebenjahreshoch markiert. Erdöl der Sorten Brent (Brent 22.88 -2.39%) und WTI (WTI 20.22 -5.2%) stabilisiert sich zunächst nach dem Rückschlag vom Montag. Doch auch der Energieträger setzte am Ende des Tages den Abwärtsrend fort.

Leser-Kommentare

Dolf Stockhausen 25.02.2020 - 09:33
Klares Bild: Die leerverkaufenden Turbo-Spekulanten haben gestern die Kurse weit genug heruntermanipuliert, um heute wieder profitabel einsteigen zu können. Da klingelt es in der Kasse. Es wird sicher noch ein paarmal auf diese Weise rauf und runter gehen, die Profis beherrschen das Spiel. Wann die Politik endlich wach wird und Leerverkäufe verbietet, steht dahin. Bis jetzt ist das Interesse daran… Weiterlesen »