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Vorzeige-Fintechs streichen in der Schweiz die Segel

Zu hohe Regulierungshürden und ausgebliebener Erfolg: Knip und Scalable Capital stellen hierzulande das Geschäft ein.

Valentin Ade und Stefan Krähenbühl

Knip, eines der bekanntesten Schweizer Fintech-Start-ups, und Scalable Capital, der grösste Robo Advisor Deutschlands, machen hierzulande Schluss. Das haben beide Unternehmen in kurzen Mails an ihre Kunden mitgeteilt.

Knip schreibt, man stelle die Brokertätigkeiten in der Schweiz per Ende November 2019 ein. Alle relevanten Funktionen in der App würden deaktiviert. Die Mail unterschrieben hat Ingo Weber, CEO der Digital Insurance Group (DIG), zu der Knip Mitte 2017 mit dem niederländischen Technologieunternehmen Komparu fusioniert hatte.

Auf Anfrage sagt Weber, das Geschäft in der Schweiz sei zu klein geblieben. Zudem liegt der Fokus von DIG nicht auf dem Endkundengeschäft, sondern in der Versorgung von Versicherungen in Europa und Amerika mit Softwareprodukten. In Deutschland werde Knip die Brokertätigkeit allerdings weiterführen.

Viel Getöse, wenig Erfolg

Es ist das Ende des einstigen Vorzeige-Start-up der Schweizer Finanztechnologie. Knip war 2013 der erste digitale Versicherungsbroker. Nutzer konnten ihre Policen in die App hochladen und verwalten lassen. Dafür kassierte Knip Maklerprovisionen von den Versicherungen. 2015 startete man mit viel Getöse in Deutschland und sammelte mit 15 Mio. Fr. so viel Wagniskapital ein wie kein Schweizer Fintech-Start-up davor. Mehr als ein besserer Karteikasten wurde die App aber nie.

Für Knip überlebenswichtig war, dass die Versicherungen kooperierten und ihr Zugriff auf die Kundendossiers gaben. Beispielsweise Helsana verwehrte aber mit Verweis auf den Datenschutz den Zugang. Helsana würde die Verbraucher mit Falschbehauptungen verunsichern, weil sie Angst vor der Digitalisierung habe, gab Knip-Gründer und CEO Dennis Just zurück. Doch obschon laut Knip 95% der Versicherungen kooperierten und das Unternehmen Werbung machte, hielten sich die Downloadraten angeblich in Grenzen. Knip wurde dem Vernehmen nach nie selbsttragend. Die Fusion mit Komparu kam dann auch eher einer Übernahme gleich. CEO Just stieg damals aus. Gründungspartnerin Christina Kehl war bereits im Frühling 2016 von Bord gegangen.

Regulierungen als Grund

Anders als Knip liefert Scalable Capital ihren Kunden eine knappe Begründung, bevor sie deren Wertpapiere im Dezember veräussert und die Vermögen auszahlt. Aufgrund der Regulierungspakete Fidleg/Finig könne man die Dienstleistungen für Kunden mit Schweizer Wohnsitz nicht weiter anbieten. «Die Veränderungen würden einen unverhältnismässig hohen Aufwand für uns verursachen», präzisiert Scalable Capital auf Anfrage.

Der Flirt mit der Schweiz war von kurzer Dauer. Der deutsche Robo Advisor war hierzulande seit Anfang 2018 aktiv. Mit verwalteten Vermögen von über 1,5 Mrd. € ist Scalable Capital in Europa nach eigenen Angaben Branchenprimus. Wie hoch der Anteil der Schweizer Gelder ist oder wie viele Kunden vom Rückzug betroffen sind, wollte das Unternehmen auf Anfrage von «Finanz und Wirtschaft» nicht sagen. Man habe bislang aber keine negativen Reaktionen erhalten.

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