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Vorzeige-Managerin von Zurich schärft ihr Profil

Der Versicherer Zurich muss wegen des Weggangs von Axel Lehmann die gewichtige Risikochef-Funktion neu besetzen. Schon wieder fällt die Wahl auf die interne Aufsteigerin.

Erneut ist es Cecilia Reyes, die in der Konzernleitung von Zurich Insurance (ZURN 337.4 -2%) für die Neubesetzung eines vakant werdenden Verantwortungsbereichs auserkoren wurde. Diesmal rückt die 56-jährige Managerin auf die gewichtige Funktion des Risikochefs vor. Axel Lehmann hat die Rolle des Risikowächters mit Bravour bestanden. Nach zwanzig Dienstjahren für die Zurich-Gruppe geht er neuen beruflichen Ambitionen nach.

Dass Lehmann von Konzernchef Martin Senn und vom Verwaltungsrat mit starken Worten für seinen Einsatz gelobt wurde beweist, dass ihm nichts vorzuwerfen ist. Er bleibt bis zu seinem Austritt in der Konzernleitung aktiv, was Indiz dafür ist, dass Lehmann zumindest derzeit nicht schon bei einem direkten Konkurrenten angeheuert hat.

Reyes übernimmt das Risikomanagement des grössten Schweizer Assekuranzkonzerns offiziell am 1. Juli. In den zurückliegenden gut vier Jahren hat sie die Investment-Verantwortung der rund 200 Mrd. $ konzerneigenen Vermögensanlagen geschultert.

Vor drei Monaten schon ist Reyes ergänzend zur Anlageverantwortung das Amt der internen «Chefdiplomatin» für die asiatische Region übertragen worden. Diese Weltgegend ist für Wachstum im Versicherungsgeschäft bedeutsam. In der nichtexekutiven, eher repräsentativen Funktion soll sie über Kontakte zu Unternehmen, Regierungen und weiteren Institutionen der Region den operativen Einheiten helfen, neue Geschäfte anzubahnen. Ausgehend davon dürfte sie auch wichtige Fäden ziehen, wenn strategische Beteiligungen, Vertriebskooperationen oder Unternehmensübernahmen geprüft werden.

Mit dieser Diplomatiefunktion kann Reyes das eigene Managementprofil schärfen und sich bei Gelingen von Erfolgen gleich noch beim Verwaltungsrat für höhere Würden empfehlen. Jedes Aufsichtsgremium hat als prioritäre Aufgabe, mögliche Nachfolger für die obersten exekutiven Funktionen im Auge zu halten. Sollte es über die Zeit opportun oder notwendig werden, den Konzernvorsitz neu zu besetzen, wird Reyes’ Name wohl auf der Liste des Nominationsausschusses des Verwaltungsrats aufscheinen.

Von der Spitze des Investmentbereichs auf die oberste Risikoverantwortung zu wechseln, ist mehr als lediglich ein Umstieg. Der Chief Risk Officer hat gleich doppelten Einfluss: auf die Aktiven und Passiven des Konzerns, auf Vermögensanlage und Versicherungsverbindlichkeiten. Die Risikofunktion wird in Versicherungskonzernen künftig wohl noch erheblich gewichtiger werden. Letztlich hängt der effiziente Kapitaleinsatz direkt ab von Steuerungsmodellen, die Auswirkungen am Finanzmarkt sowie Kosten- und Zahlungstrends auf Versicherungskontrakten möglichst akkurat abbilden.

Die Risikochefin beeinflusst folglich die operativen Strategien in allen Marktgebieten wie auch den Risikoappetit im Investmentbereich. Als Resultat dieser vieldimensionalen Einflussnahme zeigt sich, wie gut Verzerrungen ferngehalten werden von der Kapitalrendite, die das wohl meistbeachtete Finanzziel ist.

Fachlich ist Cecilia Reyes für die neue Aufgabe gerüstet. Die philippinisch-schweizerische Doppelbürgerin hat nach Studien an der Universität Hawaii und der London Business School ab 1995 für die holländische ING-Gruppe Handelsrisiken analysiert und Risikosteuerungsmodelle entwickelt. 2001 wechselte sie zur Zurich-Gruppe, wo sie  im Anlagebereich rasch Verantwortungsstufen durchlief. 2010 übernahm sie als Chief Investment Officer von Martin Senn, der damals an die Konzernspitze vorrückte. Die enge Bindung trägt nun weitere Frucht.

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