Unternehmen / Finanz

VZ Holding muss einen Gang zurückschalten

Analyse | Die Wachstumsdynamik des Finanzdienstleisters hat im zweiten Halbjahr nachgelassen. 2016 dürfte sich die Gewinnentwicklung verlangsamen.

Der Wachstumsspurt macht Pause. Die VZ Holding (VZN 311 -2.96%) hat zwei aussergewöhnlich gute Geschäftsjahre hinter sich. Der Ertrag stieg, zum zweiten Mal in Folge 15%, auf 226,4 Mio. Fr per Ende 2015. Der Gewinn hat im abgelaufenen Geschäftsjahr gar ein Fünftel auf 84,3 Mio. Fr. zugelegt. Die Basis für das rasante Gewinnwachstum war jedoch primär im ersten Halbjahr gelegt worden, als die Aufhebung des Euromindestkurses zu Extraertrag im Fremdwährungsgeschäft führte. Das zweite Halbjahr fiel weniger fulminant aus.

An der Börse drückte die Wachstumsverlangsamung die mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 25 hoch bewerteten Titel vorübergehend fast 5% ins Minus. Dies trotz einer Dividende, die im Einklang mit der Gewinnsteigerung ein Fünftel auf 4.20 Fr. je Titel angehoben worden ist. Aufgrund der teuer gehandelten Aktien reicht dies nämlich lediglich zu einer Rendite von 1,6%.

Robustes Geschäftsmodell

CEO Matthias Reinhart betonte an der Telefonkonferenz, dass das Geschäftsmodell sich auch im herausfordernden Börsenumfeld als robust erwiesen habe. In der Tat konnte das Wachstum auch in der zweiten Jahreshälfte aufrechterhalten werden. Das Tempo hat sich jedoch auf gut 10% nahezu halbiert.

Im zweiten Halbjahr trieb ausserdem eine Rückstellung wegen Unsicherheiten bei der Berechnung der Schweizer Mehrwertsteuer den Aufwand 2 Mio. Fr. in die Höhe. Über das Gesamtjahr ist der Ertrag allerdings stärker gewachsen, als die Kosten zunahmen, womit die Gewinnmarge mit 37,3% noch immer über das langfristige Ziel von 35% hinausschoss.

Starker Neugeldfluss

Gut sprudelte das Neugeld, dessen Zufluss sich in der zweiten Jahreshälfte gar beschleunigte und zum Jahresende 2,3 Mrd. Fr. erreichte. Die Kundenberater wurden im Jahresverlauf um 10% auf 112 aufgestockt, und sie zogen im Schnitt je fast 20 Mio. Fr. Neugeld an, was an der oberen Zielgrenze liegt. 2016 soll der Beraterstab weiter auf 125 Vollzeitäquivalente ausgebaut werden.

CEO Reinhart rechnet damit, dass im Schnitt jeder Berater 17 bis 20 Mio. Fr. Neugeld anziehen wird. Auch wenn aufgrund der turbulenten Börsenlage das Neugeld eher am unteren Ende des Zielkorridors fliessen dürfte, verspricht der Kapazitätsausbau einen weiterhin hohen Neugeldfluss. Doch das prozentuale Wachstum wird aufgrund der gestiegenen Basis die Vorjahreswerte kaum erreichen dürfen.

Ähnlich dürften die Managements Fees, die mit rund 70% des Gruppenertrags die Haupteinnahmequelle von VZ darstellen, dank der 13,4% auf 16,5 Mrd. Fr. gewachsenen Vermögensbasis weiter steigen. Doch auch hier dürfte das prozentuale Wachstum angesichts der Börsenlage kaum mit dem Vorjahr mithalten können.

Druck auf die Marge

Der Trend zu mehr Mandatsverträgen wird zudem die Ertragsmöglichkeiten eindämmen. Reinhart wies ausserdem darauf hin, dass die Negativzinsen 2016 zu einem «grossen Kostenblock» würden, da die Bank die Mittel konservativ anlege, schnell verfügbar halte und an diesem tiefen Risikoprofil festhalten wolle.

Robust ist auch die Bilanz, was die hohe Eigenkapitalquote belegt, die sogar auf ungewichteter Basis 18,8% der Bilanzsumme beträgt – ein Vielfaches anderer Banken. Um allfällige Schwankungen in der Bilanz auffangen und weiteres Wachstum stemmen zu können, will VZ auch künftig 60% des Gewinns einbehalten, sagte Reinhart. Die Dividende wird damit höchstens mit dem Gewinnwachstum Schritt halten, das «Finanz und Wirtschaft» 2016 auf nur mehr leicht über 10% veranschlagt.

Mit bösen Überraschungen ist beim konservativen Geschäftsmodell von VZ indes nicht zu rechnen. Denn der Finanzdienstleister konzentriert sich auf die Betreuung von Kunden in der Schweiz und Deutschland, und zwar jeweils vor Ort.

Da keine grenzüberschreitende Beratung stattfindet, läuft VZ kaum Risiken, mit ausländischen Steuerbehörden in Konflikt zu geraten und Bussen zahlen zu müssen. Sie sah sich weder veranlasst, am US-Steuerprogramm teilzunehmen, noch hat sie gemäss Angaben des Finanzchefs Philipp Marti ein Problem mit deutschen Steuerfahndern, die derzeit eine Vielzahl Schweizer Banken im Visier haben.

 

Die komplette Historie zu VZ Holding finden Sie hier. »