Meinungen

Wählerisch

So viele Unternehmen wie lange nicht mehr suchen ihr Glück an der Börse. Doch nicht alle schaffen den Sprung. Ein Kommentar von FuW-Chefredaktor Jan Schwalbe

«Die Anleger sind wählerisch, wenn es um Qualität und Preis geht – und das zu Recht.»

Was Börsengänge anbelangt, ist 2018 ein durchwachsener Jahrgang. Einerseits gelingt so vielen Unternehmen wie seit Jahren nicht mehr der Sprung aufs Parkett. Anderseits steigt die Zahl abgesagter Aktienerstemissionen. In den USA kamen im ersten Halbjahr gemäss Dealogic 120 Unternehmen, darunter die Schwergewichte Dropbox und Spotify (SPOT 159.28 -3.32%), an die Börse und sammelten über 35 Mrd. $ ein. Der beste Wert seit 2014. In Europa kassierten gemäss PwC 168 Neulinge 20,8 Mrd. €. Zählt man einfache Listings wie zuletzt jenes von Blackstone Resources (BLS 6.5 0%) dazu, stehen in der Schweiz acht neue Unternehmen auf dem Börsenzettel. Eine stolze Leistung.

Doch immer mehr Unternehmen bleiben in den Startlöchern stecken. Das jüngste Opfer ist GrazianoFairfield, die Sparte Drive Systems von OC Oerlikon. Auch in anderen Märkten stottert der IPO-Motor. In Europa wurden seit Anfang Jahr rund zwanzig Börsengänge verschoben oder abgesagt. Auch das Mega-IPO des saudischen Ölkonzerns Aramco, gemäss Schätzungen 100 Mrd. $ schwer, soll gefährdet sein.

Klemmt das Emissionsfenster nun für den Rest des Jahres? Müssen sich Kandidaten wie der Verpackungskonzern SIG und Snackautomatenbetreiber Selecta warm anziehen? Ist der Markt zu volatil, der Handelskrieg zu unberechenbar und der Hunger nach neuen Unternehmen gestillt?

Eine klare Antwort gibt es nicht. Die Anleger halten sich zurück. Börsengänge wie Asmallworld (ASWN 5.46 9.42%) oder das jüngste Listing Blackstone Resources trugen nicht gerade zur Vertrauensbildung bei. Der Free Float ist oft zu klein, das Handelsvolumen zu gering und Qualität: Fehlanzeige. Sich häufende Absagen als Vorboten für einen Bärenmarkt zu werten, wäre aber zu einfach. Die Anleger sind ganz einfach wählerisch, wenn es um Qualität und Preis geht – und das zu Recht.

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