Ohne Kaffee läuft auch – vielmehr: gerade – in Guatemala nichts. Kaffee ist eines der wichtigsten der wenigen Exportgüter des zentralamerikanischen Landes. Die Stauden, die Arabica-Bohnen tragen, werden angebaut auf einer Fläche von etwa der Grösse des Kantons Tessin. Doch vom Pflanzen, Ernten, Verarbeiten von Kaffee können längst nicht alle der 17,6 Mio. Einwohner leben; um die Jahrtausendwende waren erst 11,7 Mio. zu ernähren, anno 1950 nur 3,1 Mio. Die Volkswirtschaft ist kümmerlich, Armut und Gewalt sind verbreitet, die Aussichten für die vielköpfige Jugend düster: Das Medianalter beträgt 21,6 Jahre (in der Schweiz 42,4 Jahre). Am Wochenende haben die Guatemaltecos gewählt. Im Rennen um die Präsidentschaft liegt Sandra Torres vorn, eine Ex-First-Lady, die sich vom Ex-Präsident-Gemahl hatte scheiden lassen, um überhaupt kandidieren zu dürfen. Der vor der Ablösung stehende Amtsinhaber Jimmy Morales hatte 2015 mit dem Versprechen gesiegt, die Korruption auszumerzen, steht jedoch unter Verdacht, es mit der Moral nicht so genau zu nehmen. Letztlich haben die Leute in Guatemala gar keine andere Wahl, als mit den Füssen zu wählen. Was sie denn auch in grosser Zahl tun. In Richtung USA. (Bild: Pep Bonet/Keystone)