Oran ist eine Hafenstadt im Westen Algeriens. Einst wachte die spanische Festung Santa Cruz (links im Bild) darüber; später, bis 1962, hatten die Franzosen das Sagen. Was es hiesse, wenn der Hafen – und mit ihm die ganze Stadt – abgeriegelt wäre, malte sich Albert Camus in seinem Roman «Die Pest» (1947) aus: «Man sah nur noch ein paar Schiffe, die in Quarantäne lagen. Aber in den Hafenanlagen zeugten die verlassenen Krane, die auf die Seite gestürzten Kippwagen, die Stapel Fässer oder Säcke davon, dass auch der Handel an der Pest gestorben war.» Gestorben ist der Welthandel heutzutage nicht, aber gestört. Nicht durch die Pest, sondern durch das Virus Covid-19. Das kommt nicht aus Wahran (Oran auf Arabisch), sondern aus Wuhan. Die Lektüre von Camus’ Klassiker ist derzeit durchaus beklemmend. Er zeigt, wie sich eine Gesellschaft verändert, wenn sie aus dem gewohnten Leben in eine existenzielle Extremsituation gestürzt wird. Davon erhalten nun wir hier einen Vorgeschmack. Bis die Seuche abklingt – hoffentlich bald – gilt, was Camus, der aus Algerien stammende Träger des Literaturnobelpreises von 1957, schrieb: «Aber diese Schweinerei von einer Krankheit! Sogar die, die sie nicht haben, tragen sie im Herzen.» (Bild: imageBROKER/Michael Runkel)