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Wallstreet erleidet grössten Tagesverlust seit Finanzkrise

Der amerikanische Aktienmarkt verliert am Montag mehr als 7%. Bis zum Bärenmarkt fehlt nicht mehr viel. Eine Annäherung in sieben Grafiken.

Der 9. März 2020 wird in die Finanzgeschichte eingehen. Der Leitindex Dow Jones Industrial verlor 7,8% der marktbreite S&P 500 schloss 7,6% tiefer und der technologielastige Nasdaq Composite gab 7,3% nach. Noch schlimmer erwischte es den Russell 2000. Der Index der kleinkapitalisierten Unternehmen ging 9,4% schwächer aus dem Handel

Einen solchen Tagesverlust erlebte Wallstreet zuletzt während der Finanzkrise. Am 1. Dezember 2008 büsste der Index 8,9% ein. Mit einem Verlust von 7,6% handelt es sich um den siebtgrössten Absturz des S&P 500 seit der Einführung des Indizes am 4. März 1957.

Der Grund für die Beschleunigung der Talfahrt war der Einbruch des Preises für Erdöl. Am Wochenende konnte sich das Ölkartell Opec mit anderen wichtigen Förderländern wie Russland nicht auf eine weitere Beschränkung der Fördermenge einigen . In der Folge eröffneten Saudi Arabien und Russland einen Preiskrieg.

Der Preis für ein Fass der Sorte WTI gab am Montag 25% auf 31.02$ und jene der Sorte Brent 24% auf 34.53$ nach. Dabei handelt es sich um den grössten Einbruch beim Preis des schwarzen Goldes seit Januar 1991 – dem Beginn des ersten Golfkriegs. 

Entsprechend unter die Räder geriet am Aktienmarkt die Energiebranche. Der Energie-Index des S&P 500 verlor im Tagesverlauf 20%. Der Subindex der Unternehmen im Bereich Exploration & Förderung büsste gar 30% ein. Auf diesem Niveau notierten die Indizes zuletzt 2004. 

Entsprechend abgestraft wurden Energieunternehmen die sich auf die Exploration und Förderung von Rohöl konzentrieren. Dazu gehören beispielsweise Gesellschaften wie Apache (-54%), Occidental Petroleum (-52%) und Marathon Oil (-47%). Vergleichsweise besser hielten sich die diversifizierten Energiemultis wie Chevron (-15%) und Exxon Mobil (-12%). 

Trotz des Absturzes vom Montag befindet sich der amerikanische Aktienmarkt gemessen an den drei wichtigsten Indizes noch nicht im Bärenmarkt. Viel fehlt aber nicht mehr. Der S&P 500 notiert 18,9% unter dem Höchste vom 19. Februar. Beim Dow Jones sind es 19,3% und beim Nasdaq Composite 19%. 

Anders sieht es hingegen bei den kleinkapitalisierten Unternehmen aus. Der Russell 2000 notiert 25% unter dem Höchst vom 31. August 2018. Mehr als 20% eingebüsst seit dem Rekordhoch haben auch der Bankenindex, der Transportindex – ein Subsektor des Industriebereichs – sowie der Industriesektor.

Unter Druck geriet am Montag auch die Bankbranche (–14%). Finanzhäuser wie Citigroup (–16%), Bank of America (–15%) und JPMorgan Chase (–14%) deutlich an Wert ein.

Vor dem Ausverkauf im Aktienmarkt gab es kaum ein Entrinnen. Von den 30 Titeln im Dow Jones Industrial gingen alle schwächer aus dem Handel – obgleich dies bei der Supermarktkette Walmart mit einem Minus von 0,06% äusserst knapp ausfiel.

Kaum ein Halten gab es bei den Zinsen. Über alle Laufzeiten sanken die Renditen der amerikanischen Staatsanleihen. Die Rendite der zehnjährigen Treasuries erreichte mit 0,57% ein Rekordtief. Gleiches gilt für jene mit einer Laufzeit von dreissig Jahren mit einer Rendite von 1,02%.  

Die Entwicklung an den Finanzmärkten setzt das Federal Reserve unter Zugzwang. Die Währungshüter treffen sich vom 17. bis zum 18. März zur Sitzung des Offenmarktausschusses. Eine Senkung des Leitzinses um 75 Basispunkte von derzeit 1 bis 1,25% ist von der Marktteilnehmern eingepreist.

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