Unternehmen / Ausland

Wal-Mart-Ergebnis belebt WallstreetDell kauft Speicherhersteller 3Par – Chinesen greifen nach AIA – Hulu will an die Börse – Lowe’s enttäuscht, Home Depot überrascht

Mischa Stünzi

Wallstreet hat am Montag einen ruhigen Tag erlebt. Das Handelsvolumen war das zweittiefste in diesem Jahr. Nachdem der Empire State Index – er misst die Wirtschaftsdynamik im Grossraum New York – im August weniger stark als erwartet gewachsen war (vgl. Spotlight), eröffnete Wallstreet vorerst im Minus. Gestützt durch die Technologietitel beendete der Dow Jones Industrial den Handelstag aber stabil auf 10 302,01. Mit 1079,38 ebenfalls unverändert schloss der S&P-500-Index. Der technologielastige Nasdaq Composite Index lag 0,4% im Plus auf 2181,87.

Tagesgewinner waren 3Par (18 $ am Montag, +86,5% seit Donnerstag). Der Computerproduzent Dell (11.96 $, –0,3%) hat dem Speicherhersteller ein Übernahmeangebot für 1,2 Mrd. $ oder 18 $ pro Aktie unterbreitet. Dell will sich damit weiter vom reinen PC-Hersteller lösen und sein hochmargiges Servicegeschäft ausbauen. 2008 hat sich Dell die ebenfalls auf Speicher spezialisierte Equallogic für 1,4 Mrd. $ unter den Nagel gerissen. Konkurrenten wie International Business Machines (127.77 $, –0,4%) und Hewlett-Packard (40.55 $, +1%) verfolgen die Strategie weg vom PC-Produzenten hin zum Serviceanbieter seit Jahren erfolgreich. So gab HP am Dienstag den Kauf des Sicherheitssoftwareunternehmens Fortify bekannt. Keine Angaben machte der Konzern zum Preis.Ebenfalls in Einkaufslaune war am Montag der Chiphersteller Intel (19.47 $, +0,1%). Er übernimmt die Kabelmodemsparte von Texas Instruments (24.53 $, +0,5%). Über die Kaufsumme haben die Konzerne Stillschweigen vereinbart. Intel will damit nicht nur den Markt für Modems durchdringen, sondern auch eine bessere Stellung bezüglich digitaler TV-Empfänger erreichen.

Staatsfonds kaufen wieder

Am Dienstag gab der nicht-kotierte Verpackungshersteller Reynolds bekannt, er plane, den Konkurrenten Pactiv (32.62 $, +4,8%) zu übernehmen. 33.25 $ je Aktie oder rund 6 Mrd. $ insgesamt ist das Unternehmen dem zur neuseeländischen Rank Group gehörende Konzern Wert. Die Akquisition soll noch in diesem Jahr abgeschlossen werden.

Einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters zufolge nehmen die M&A-Aktivitäten internationaler Staatsfonds wieder zu. Im ersten Quartal 2010 schlossen staatliche Investmentvehikel 24 Deals mit einer Gesamtsumme von lediglich 1,1 Mrd. $ ab. Im zweiten Quartal flossen 12,5 Mrd. $ in 33 Übernahmen. Wegen schlechter Renditen während der Finanzkrise hatten sich die Staatsfonds mit Akquisitionen lange zurückgehalten. Nun zeichnet sich eine Rückkehr zur Normalität ab. Im Vergleich zum Höhepunkt 2006, als 35 Akquisitionen für 45,7 Mrd. $ über die Bühne gingen, ist das Niveau aber weiterhin tief.Die Gerüchte um einen Einstieg chinesischer Investoren in AIA, dem asiatischen Lebensversicherer von AIG (35.96 $, –3,1%), noch vor dem Börsengang verdichten sich. Die chinesische Wirtschaftszeitung «21st Century Business Herald» hat am Montag Details zum Deal veröffentlicht. 30% wolle ein Konsortium, dem auch die Industrial and Commercial Bank of China und die China Life Insurance angehören, erwerben. Aufgrund des früheren Angebots der britischen Versicherung Prudential über 35 Mrd. $ wird mit einer Offerte um 10 Mrd. $ gerechnet. China Life habe den Unternehmenswert jedoch während der Verhandlungen mit 25 bis 27 Mrd. $ beziffert. Der Börsengang von AIA ist noch für dieses Jahr geplant.Den Gang an die Börse planen auch andere Unternehmen: Der amerikanisch-niederländische Marktforscher Nielsen hat am Montag eine entsprechende Absichtserklärung bei der US-Börsenaufsicht platziert. Das Initial Public Offering (IPO) soll dem Konzern 2 Mrd. $ in die Kasse spülen. Gemäss Berichten der «New York Times» strebt auch der Video-Website-Betreiber Hulu an die Börse. Hinter Hulu stehen die TV-Sender NBC, ABC und Fox. Gemäss Reuters soll das IPO 2 Mrd. $ einbringen. Die Video-Website erfreut sich zwar seit der Lancierung vor drei Jahren grosser Beliebtheit, hat aber bisher noch keinen Gewinn abgeworfen.Bank of America (13.19 $, +1%) prüft den Verkauf des Anteils von 34,1% am Fondsanbieter Black Rock (150.82 $, +0,9%). Die Grossbank überlege, sich von grossen Teilen ausserhalb des Kerngeschäfts zu trennen, sagten gut unterrichtete Quellen gegenüber Reuters. Die Beteiligung an Black Rock ging 2008 mit der Übernahme der maroden Merrill Lynch an Bank of America über und gehört nicht zum Kerngeschäft. Ein Verkauf sollte rund 14 Mrd. $ einbringen. Gemäss Bankenbestimmungen unter Basel III könnte es gut sein, dass sich das Finanzinstitut vom Fondsanbieter trennen muss. Es wird Banken nicht mehr erlaubt sein, grosse Beteiligungen an anderen Gesellschaften zu halten. Black Rock seinerseits kauft den taiwanesischen Fondsanbieter Primasia Investment Trust für 58 Mio. $ und verstärkt damit sein Asiengeschäft.

Schwacher Häusermarkt

Anfang Woche sorgte der US-Immobilienmarkt einmal mehr für Unruhe: Am Montag haben die US-Hausbauervereinigung und Wells Fargo (25.68 $, –1,2%) den aktuellen Vertrauensindex publiziert. Die Hausbauer zeigen sich pessimistisch. Mit einem Stand von 13 ist der Index so tief wie seit März 2009 nicht mehr. Ökonomen sind davon ausgegangen, dass er im Vergleich zum Juli auf 15 etwas zulegen könne. Die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit und die weiterhin grosse Zahl der Zwangsvollstreckungen drücken auf die Stimmung. Es bestehe einfach ein Überangebot an Häusern, sagte dazu Zach Pandl, Analyst von Nomura, gegenüber Bloomberg.

Am Dienstag zeigten auch die Juli-Daten des US-Handelsministeriums einen schwachen Häusermarkt. Die Zahl der Baubeginne stieg im Vergleich zum Vormonat 1,7% auf annualisierte 546 000. Experten sind von einer deutlicheren Zunahme auf 560 000 ausgegangen. Im Vergleich zum Vorjahr sind 7% weniger Baubeginne registriert worden. 2009 wurde allerdings die Bautätigkeit durch Steuergutschriften gefördert. Die Zahl der Baubewilligungen, ein Indikator für die Neubauten der nahen Zukunft, ist 3,1% auf 565 000 und damit den tiefsten Stand seit Mai 2009 gefallen.Das Umfeld geringer Bautätigkeit macht auch den Baumärkten Schwierigkeiten. Lowe’s (19.70 $, –0,2%), die Nummer zwei der Branche, legte am Montag die Quartalszahlen vor und lag mit diesen unter den Erwartungen. Der Gewinn kletterte im Vergleich zum Vorjahr fast 10% auf 832 Mio. $ oder 58 Cent je Aktie. Mit 14,4 Mrd. $ fiel auch der Umsatz höher aus als 2009. Für das dritte Quartal rechnet der Konzern mit einer leichten Zunahme der Verkaufszahlen von 3 bis 5%.Am Dienstag publizierte Home Depot (27.38 $, –0,8%) seine Zahlen. Auch der Branchenleader verzeichnete im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr ein Umsatzwachstum. Mit 19,4 Mrd. $ sind die Verkäufe 2% gestiegen. Dank des moderaten Plus legte auch der Gewinn zu – 7% auf 1,2 Mrd. $ oder 72 Cent pro Titel. Home Depot schlug damit die Erwartungen der Analysten. Für das Gesamtjahr stufte der Konzern jedoch seine Aussichten leicht zurück. Er geht von einem Umsatzwachstum von 2,6% aus. Bisher hatte er ein Plus von 3,5% in Aussicht gestellt.

Deflationsangst gedämpft

Internationales Absatzwachstum und ein erfolgreiches Kostenmanagement haben den Quartalsgewinn von Wal Mart Stores (51.22 $, +1,6%) positiv beeinflusst: Gegenüber dem Vorjahr steigerte die grösste Discounterkette der Welt den Gewinn von 3,5 auf 3,6 Mrd. $ oder 97 Cent je Aktie, was die Konsenserwartung der Analysten leicht übertraf. Der Umsatz von Wal Mart stieg im Vergleich zum Vorjahr rund 3% auf 103,7 Mrd. $. Allerdings nahmen die Verkäufe auf vergleichbarer Ladenfläche gegenüber 2009 um 1,4% ab, was dem fünften Quartalsrückgang in Folge entspricht. Analysten hatten zwar eine Schwäche erwartet, den Negativtrend aber auf lediglich –0,3% geschätzt. Das Management erklärte, vor allem die US-Bevölkerung würde sich weiterhin mit Konsumausgaben zurückhalten.

Die über den Erwartungen ausgefallenen Zahlen der Detailhandelsschwergewichte Wal Mart und Home Depot stützen am Dienstag die Börse. Dass die Preise im Grosshandel 0,2% anstiegen, dämpfte zudem die ärgsten Deflationsängste. Seit März war das der erste Preisanstieg – ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Der Dow Jones Industrial kletterte bis Dienstagmittag 1,4% auf 10 450.

Bitte loggen Sie sich ein, um diesen Artikel vollständig zu lesen.