Unternehmen / Finanz

Walter Berchtold wird CEO von Falcon

Der frühere Credit-Suisse-Manager übernimmt von Eduardo Leemann die Führung der Zürcher Privatbank.

Clifford Padevit und Jeffrey Hochegger

Walter Berchtold wird CEO der Falcon Private Bank. Er folgt auf den per 30. September zurücktretenden Eduardo «Edi» Leemann, der die Bank fast zwanzig Jahre lang geleitet hatte.

Berchtolds Ernennung ist eine Überraschung. Im Vergleich zu seiner über dreissig Jahre langen Karriere bei Credit Suisse (CSGN 9.946 -0.79%) ist die Falcon Private Bank, die Kundenvermögen von rund 18 Mrd. Fr. verwaltet, eine eher kleine Nummer.

Falcon steht vollständig im Besitz des Staatsfonds von Abu Dhabi. Bis Ende 2008 firmierte sie unter dem Namen AIG Private Bank und war eine Tochtergesellschaft des US-Versicherungsriesen AIG. Gegründet wurde sie 1965 in Zürich als Ueberseebank.

Probleme in Singapur

Falcon steht wegen ihrer Rolle im Skandal um den malaysischen Staatsfonds 1MDB im Visier der Untersuchungsbehörden in der Schweiz und in Singapur. Die Monetary Authority of Singapore (MAS) hat vor wenigen Wochen eine Sanktion gegen die lokale Niederlassung der Bank ausgesprochen: Falcon darf in Singapur vorerst kein Neugeschäft mehr akquirieren.

Falcon gibt dazu mit Verweis auf das laufende Verfahren keinen Kommentar ab.

«Der Fall 1MDB hatte auf den Führungswechsel überhaupt keinen Einfluss», sagt Leemann auf Anfrage. Er werde im Oktober 60 und er habe bereits Anfang 2015 im Verwaltungsrat angekündigt, das CEO-Amt abgeben zu wollen.

Berchtold sitzt seit März 2015 im Verwaltungsrat der Falcon Bank, wo er den ausserterminlich abgetretenen Michael Bär ersetzt hatte.

Berchtold hatte 2013 im Alter von damals 51 Jahren in einem Interview mit dem «Blick» gesagt, für Verwaltungsratsmandate sei er noch etwas jung. «Lieber kremple ich nochmals die Ärmel hoch, für einen Konzern oder als Selbständiger. Selbständigkeit reizt mich derzeit mehr.»

Jetzt kann er als CEO nochmals anpacken.

Aufstieg und Fall bei Credit Suisse

Berchtold galt während Jahren als «Rising Star» bei Credit Suisse – bis er 2011 abrupt abtrat. Er musste seine Rolle als CEO der Privatbank an Hans-Ulrich Meister abgeben, der von der Konkurrentin UBS (UBSG 11.01 -0.63%) gekommen war. Anschliessend blieb Berchtold bei der Grossbank noch ein gutes Jahr in einer Repräsentativrolle als Chairman im Private Banking beschäftigt.

2012 war dann definitiv kein Platz mehr für ihn, als der damalige CS-Konzernchef Brady Dougan die Sparten Asset Management und Private Banking zusammenlegte. Seine Dienste als Berater der ultrareichen Klientel waren nicht mehr erwünscht.

Begonnen hatte Berchtold seine Karriere 1982 bei der Investmentbank Credit Suisse First Boston. Erst war er Händler von Edelmetallen und Währungsoptionen und stieg nach und nach in der Handelsabteilung auf.

Von 1997 bis 2003 war er Chef der Abteilung Trading & Sales in der Schweiz und ab 2000 auch noch Länderchef der Investmentbank, wie seinem Lebenslauf auf dem Netzwerk LinkedIn zu entnehmen ist.

Intimus von Oswald Grübel

Als Händler stand er dem späteren CS-Konzernchef Oswald Grübel besonders nahe. Dieser war es auch, der Berchtold 2006 zum Chef des Private Banking machte. Vor seinem Abgang wurde «der schöni Wädi», wie er in Bankerkreisen oft genannt wird, gar als Nachfolger des CS-Konzernchefs Brady Dougan gehandelt.

Berchtold ist bestens und breit vernetzt. Er tauchte etwa an der Hochzeit der US-Sängerin Tina Turner auf. Und er war es auch, der den Tennisstar Roger Federer als Aushängeschild zur CS brachte, weil er ihn offenbar schon länger gekannt hatte. Er sass 2012 auch in der Box (BOX 17.37 -2.2%), als Roger Federer seinen siebten Wimbledon-Titel gewann.

Obwohl während seiner Zeit bei CS der US-Steuerstreit eskalierte, konnte sich Berchtold schadlos halten. Er sagte gegenüber den US-Behörden als Zeuge aus und konnte sich so Straffreiheit sichern. Der CS nützte es nichts: Die Bank wurde 2014 zu einer Busse von 2,6 Mrd. $ im Zusammenhang mit der Betreuung von US-Offshore-Kunden verdonnert.

Berchtold sass als CS-Vertreter in mehreren Verwaltungsräten, vorab der Schweizer Bankiervereinigung, der Schweizer Börse und von Eurex.

Derzeit ist Walter Berchtold auch noch aktiv als Verwaltungsrat in der Beteiligungsgesellschaft Alpine Select (ALPN 12.6 0%), die im Frühjahr die Beteiligungsgesellschaft Altin (ALTN 11.5 -4.17%) unfreundlich übernommen hat.