Unternehmen / Energie

Walter Meier spürt hartes Umfeld

Analyse | Die künftig als Meier Tobler firmierende Haustechnikgruppe erwartet für 2017 einen Umsatzrückgang und einen leichten Verlust.

Meier Tobler, so heisst die aus der Fusion von Walter Meier und Tobler Haustechnik neu entstandene Haustechnikgruppe. Den neuen Namen hat VR-Präsident Silvan Meier an einem Firmenanlass mit mehreren Tausend Besuchern am Freitagabend in Bern präsentiert. Die Integration schreite zwar gut voran, sagte Meier. Doch wegen der schwierigen Marktbedingungen entwickelten sich Umsatz und Ergebnis im zweiten Halbjahr schlechter als gedacht.

Für 2017 prognostiziert das Management neu einen Umsatzrückgang von rund 2% statt einer stabilen Entwicklung. In absoluten Zahlen dürften damit die Einnahmen geschätzt 550 bis 560 Mio. Fr. erreichen (pro forma mit Tobler-Zahlen für das gesamte Kalenderjahr) .

Der operative Gewinn vor Abschreibungen und Amortisationen (Ebitda) werde ebenfalls sinken. Wegen der einmaligen Integrationsaufwendungen im Zusammenhang mit der Fusion zu Meier Tobler wird voraussichtlich ein leicht negativer Gewinn zu verbuchen sein.

Sanierung von Heizungsanlagen ohne Schwung

Entgegen der Prognose vom August lasse eine Stabilisierung des Sanierungsmarktes weiter auf sich warten, heisst es. Das klassische Handelsgeschäft sei stabil, das Geschäft mit der Sanierung von Heizungsanlagen aber schwierig. «Die Volumen gehen zurück. Der Wettbewerb ist hart, weshalb gleichzeitig auch die Preise unter Druck bleiben», sagte CEO Martin Kaufmann an der Medienkonferenz.

VR-Präsident Silvan Meier erklärte im Gespräch mit der «Finanz und Wirtschaft»: «Im Wärmeerzeugungsmarkt gibt es zu viele Anbieter. Wir kommen auch als grösster Anbieter nur auf einen Marktanteil von weniger als 20%.» Gemäss CEO Kaufmann erfordert es der aktuell schwierige Geschäftsgang aber nicht, im Zuge der Integration von Walter Meier und Tobler Haustechnik stärker zu restrukturieren oder Stellen abzubauen.

«Der Verwaltungsrat beabsichtigt, die stabile Ausschüttungspolitik aufrechtzuerhalten», sagte Meier. Für das Geschäftsjahr 2017 sollen trotz des leichten Verlusts wie für das Vorjahr 2 Fr. je Aktie gezahlt werden. Eine Kürzung könne aber für die kommenden Jahre nicht ausgeschlossen werden, wiederholte Meier frühere Aussagen.

Bereinigter Cashflow reicht für Dividende

«Derzeit reicht der um Einmaleffekte bereinigte Cashflow aus, eine Dividende von 2 Fr. je Aktie zu finanzieren», sagte Meier. «Die finanzielle Situation ist zwar angespannt, wir haben aber keine Probleme mit den Banken. Wir erfüllen die Kreditvereinbarungen.»

Wenn sich aber zeige, dass der nachhaltig erzielbare Konzerngewinn nicht mehr für das bisherige Ausschüttungsniveau reiche, müsse auch die Dividende sinken, führte der VRP und Grossaktionär aus. Das Ziel sei jedoch, diese Entwicklung zu vermeiden.

Ergebnisziel nur mit Verzögerung erreichbar

Auf der Kostenseite sei man auf Kurs, die geplanten Synergien zu realisieren. «Wir sollten das mittelfristige Ertragsziel auf Stufe Ebitda von 60 Mio. Fr. erreichen können, wohl aber mit einer Verzögerung von ein bis zwei Jahren», sagte Kaufmann.

Die beiden gemessen am Umsatz in etwa gleich grossen Unternehmen haben im Februar diesen Jahres angekündigt, zu fusionieren. Durch den im April vollzogenen Schulterschluss soll ein führendes Gebäudetechnikunternehmen der Schweiz entstehen, mit einem breiten Angebot im Grosshandel von Produkten, Komponenten und Zubehör, im Systemgeschäft bezüglich Wärme- und Kälteerzeugung sowie im Servicegeschäft.

Die Hoffnung, dass der Markt für Sanierung von Heiztechnik in Schwung kommt, hat sich ein weiteres Mal nicht bestätigt. CEO Martin Kaufmann erklärte dazu schon im September, das habe drei wesentliche Gründe: tiefe Energiepreise sowie keine klaren politischen Vorgaben bzw. wenig Transparenz in der Umsetzung der Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich, Muken.

Einzelne Kantone haben die Muken schon vor Jahren in Kraft gesetzt, andere lassen sich sehr viel mehr Zeit damit. Drittens tue sich die Branche schwer, die Immobilienbesitzer von einer Sanierung der Gebäudetechnik zu überzeugen.

Dividende auf unsicherem Fundament

Die Umsatz- und Ergebniswarnung für 2017 ist zwar enttäuschend. Allerdings war schon zuvor bedingt durch die Integrationskosten und das schlechte Umfeld nur mit einem kleinen Gewinn zu rechnen. Wichtiger ist nun, dass die Integration auf Kurs bleibt, die Synergien gehoben werden und das Geschäft sich im kommenden Jahr nicht noch weiter verschlechtert.

Nur dann müsste die Dividende nicht angepasst werden. Möglich wäre eine Halbierung auf 1 Fr. je Titel. Da Anleger die Aktien auch der künftigen Meier Tobler vor allem wegen der Dividendenrendite (derzeit 5% und steuerfrei) halten, hätte eine Halbierung der Dividende deutliche Kursverluste zur Folge. Ein Kauf der Valoren drängt sich nicht auf.

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