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Warnung vor britischer Immobilienblase

Der Chef der Lloyds Banking Group warnt vor einer möglichen Häuserpreisblase, ausgelöst durch ein Regierungsprogramm.

Alexander Trentin

Vor fünf Jahren erreichte der Immobilienboom in Grossbritannien seinen Höhepunkt. Im Durchschnitt lagen die Preise im Oktober 2007 550% über dem Niveau von 1983. Mit der Finanzkrise verloren die Immobilien über 20% an Wert, bis im Frühjahr 2007 der Tiefpunkt erreicht war. Die erste Erholung war trügerisch, folgte doch eine lange Periode mit weiter bergab dümpelnden Preisen. Erst seit einem Jahr steigen die Durchschnittspreise wieder stetig. Zum ersten Mal seit 2007 legt der Häuserwert in allen Region Grossbritanniens zu.

Hilfe für Privatpersonen

Die Regierung unterstützt den Häuserkauf durch das sogenannte Help-to-Buy-Programm, eingeführt im April. Wer als Privatperson eine Immobilie mit einem Preis von unter 600’000 £ kauft, der kann bis zu 20% davon als staatlichen Kredit erhalten. Dieser Kredit ist für die ersten fünf Jahre zinslos. Danach beträgt der Zins nur 1,75% jährlich. Dann steigt die Zinslast um einen Prozentpunkt plus Inflationsrate. Der Kredit kann jederzeit zurückgezahlt werden.

Diesen Monat wurde nun der zweite Teil des Subventionsprogramms eingeführt: Privatpersonen können mit nur 5% Eigenkapital eine Immobilie kaufen oder bauen. Die restlichen 15% Eigenkapital, die notwendig für eine Hypothek sind, werden vom Staat garantiert.

Die Konjunkturförderung durch den Häuserbau ist ein zweischneidiges Schwert. Eine florierende Bauindustrie hilft, schnell Arbeitsplätze zu schaffen. Auch sollen sich durch steigende Häuserpreise die Haushalte als wohlhabender empfinden und deswegen mehr konsumieren (Vermögenseffekt). Andererseits haben die Briten ja schlechte Erfahrung mit dem Platzen eines Immobilienbooms gemacht: Das Bankensystem musste am Ende durch Dutzende von Milliarden Pfund an Steuergeld gerettet werden. Der Staat übernahm den Hypothekenfinanzierer Northern Rock, die Mehrheit an der Royal Bank of Scotland (RBS) und über 40% der Anteile von Lloyds TSB.

Diese Gefahren hat die Regierung im Blick. So soll das Help-to-Buy-Programm zwar noch drei Jahre laufen. Doch die Bank of England darf die Notbremse ziehen, falls sie eine neue Immobilienblase im Anziehen sieht.

Ein Haus macht mehr Geld als sein Eigentümer

Besonders für London werden schon die Stimmen laut, die vor einer anrückenden Immobilienblase warnen. Im September machte eine Statistik die Runde, dass ein Haus in London mehr Geld «verdient» als sein Eigentümer. Die Häuserpreise steigen um durchschnittlich 110 £ am Tag, während der durchschnittliche Angestellte nur 90 £ am Tag verdient.

Die neueste Warnung vor einer Blase kommt von jemandem, der eigentlich davon profitiert. António Horta-Osório, CEO der immer noch teilverstaatlichten Lloyds Banking Group, ist grundsätzlich Befürworter des Help-to-Buy-Programms. Doch in einem Interview mit der «Financial Times» warnt er, dass die Preise zu schnell steigen könnten, falls das Immobilienangebot nicht ausgeweitet wird. Dazu soll die Vergabe von Baugenehmigungen erleichtert werden.

Doch auch wenn die Regierung der Forderung von Horta-Osório folgt und die Bank of England die Gefahr einer Immobilienblase ernst nimmt: Die Musik spielt in London. Dort ist das Angebot nicht einfach ausweitbar, die Nachfrage bleibt aber hoch. Die staatliche Hilfe wird dafür sorgen, dass sich mehr Briten verschulden, um sich die rasant kletternden Häuserpreise in der Metropole leisten zu können. Doch höhere Schulden der Privathaushalte könnten die wirtschaftliche Erholung schliesslich gefährden, wenn die Häuserpreise wieder einmal sinken.