Dossier-Bild Ein Artikel aus dem Dossier Nonvaleur
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Katholizismus und (früher) Kapitalismus in schönster Eintracht: Die Madonna vom Rosenkranz und Franz von Assisi sind zu Schutzheiligen dieses Handelshauses erkoren. Die auf Pergament gedruckte, dekorative Aktie wurde emittiert von der Compañia General de Comercio de los Cinco Gremios Mayores de Madrid. Diesen klangvollen Namen gaben sich die fünf bedeutendsten Innungen der spanischen Hauptstadt – diejenigen der Schmuck-, Kurzwaren-, Seiden-, Tuch- und Wollhändler. Sie hatten sich bereits 1679 zusammengetan und waren in den Genuss königlicher Privilegien gekommen. Der formelle Zusammenschluss erfolgte 1763 (die Aktie hier stammt von 1773). Die Compañia galt als das grösste Handelsunternehmen des damaligen Weltreichs Spanien. Sie unterhielt Kontore in den Kolonien, von Mexiko bis Manila, von Lima bis Guatemala, daneben Vertretungen in Paris, London und Hamburg. Auf den Weltmeeren betrieb eine eigene Flotte den Fernhandel. Ein typisches Muster für die europäischen Seemächte dieser Zeiten: Ihre Monarchen statteten private Handelsgesellschaften mit parastaatlichen Vollmachten aus und liessen sie die Weltmärkte erschliessen, mit allen Folgen. Im Heimmarkt sorgte der Hof für reichlich Aufträge an die Compañia General, wobei sie auch als Financier und Versicherer auftrat.

Ihre Aktionäre (individuelle Angehörige der fünf Zünfte übrigens, nicht diese selbst) wurden reich. Doch in der napoleonischen Zeit um 1800 begann die Staatskasse zu leiden, ebenso das Geschäft der Compañia. Zu alter Grösse fand sie nicht mehr dauerhaft; 1846 wurde sie aufgelöst. Im Zentrum Madrids steht nach wie vor der gediegen diskrete Palacio de los Cinco Gremios. Dort wirken heute Ministerialbeamte, mit oder ohne Schutz des Himmels.