Dossier-Bild Ein Artikel aus dem Dossier Nonvaleur
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Unter Dampf

Vor 200 Jahren begann das Eisenbahnzeitalter: 1820 gelang es dem englischen Ingenieur John Birkinshaw, Schienen aus Walzeisen herzustellen. Damit legte er buchstäblich den Boden für den Einsatz der schon auf den Abfahrtspfiff wartenden Innovation der Dampflokomotive. Birkinshaw müsste so berühmt sein wie George Stephenson, der als «the father of railways» in die Technikgeschichte eingegangene Konstrukteur von Dampflokomotiven. En passant: Eine der frühesten Maschinen dieses genialen Ingenieurs hiess «Blücher», eine spätere «Wellington» – da war kein Napoleon-Verehrer am Werk. Schienenbahnen, auf denen Pferde die Wagen zogen, hatte es schon vorher gegeben. Zwischen Darlington, mitten in einem Kohlerevier in Nordostengland, und dem Flusshafen Stockton trotteten sie noch eine ganze Weile nach der Eröffnung der Bahn anno 1825. Doch kamen dort von Beginn weg eben auch Lokomotiven zum Einsatz: 1830 zuckelten 19 Dampfmaschinen über die 40 km lange Linie, im Turnus mit 50 Pferden. Befördert wurden sowohl Fracht- wie Personenwagen. Stephensons Loks erreichten Geschwindigkeiten von bis zu 25 km/h, unerhört für damalige Zeiten (1829 schaffte die «Rocket» dann bereits 47 km/h).

Financier der Stockton & Darlington Railway Company war der Wollfabrikant Edward Pease – die Aktie hier stammt von 1858. Damals, wenige Jahrzehnte nach der Inbetriebnahme der Pionierbahn, waren im Königreich bereits tausende Kilometer an Eisenbahnschienen verlegt; in den 1840er Jahren waren Eisenbahnaktien, die Tech-Titel der Epoche, die heissesten Papiere an der Londoner Börse: Von «Railway Mania» war die Rede. Das Fieber hatte auch auf den Kontinent und auf Nordamerika übergegriffen. Die Schweiz trat mit der Spanisch-Brötli-Bahn, die Zürich mit Baden verband, erst 1847 ins Eisenbahnzeitalter ein: Gleich zu Beginn mit Verspätung.