Unternehmen / Gesundheit

Biotech-Aktien sind schwankungsanfällig

Der Kursverlauf ist meist von einzelnen grossen Ereignissen geprägt. Denn Erfolg und Misserfolg der Unternehmen liegen nahe beieinander.

Am Kursverlauf von Santhera (SANN 3.03 -4.72%) ist gut zu sehen: Erfolg und Misserfolg liegen bei Biotech-Unternehmen im Entwicklungsstadium nahe beieinander. Santhera ist heute auf neuromuskuläre und mitochondriale Krankheiten fokussiert. Höhen und Tiefen wechselten sich seit dem Börsengang 2006 (Emissionspreis 90 Fr.) ab. Der Kurs sackte auf 1.34 Fr. ab und notiert derzeit rund 65 Fr.

«Solche Treppenbewegungen sind für Biotech-Unternehmen ohne zugelassene Produkte typisch», sagt Ivo Staijen von der Beteiligungsgesellschaft HBM. Auslöser heftiger Reaktionen sind fast immer klinische Daten zu einem in der Entwicklung befindlichen Medikament. «Viele institutionelle Anleger springen von einem Schlüsselereignis zum nächsten», sagt Staijen. Häufig komme deshalb rund sechs Monate vor einem solchen Ereignis erstmals etwas Bewegung in die jeweiligen Titel. Überzeugen die Testresultate, macht der Kurs einen weiteren Sprung nach oben. Wenn nicht, befindet er sich oft im freien Fall.

«Der Grund für diese binäre Reaktion liegt im Bewertungsansatz, den Anleger für Biotech-Unternehmen ohne Produkte verwenden müssen», sagt Bob Pooler von ValuationLAB. Da solche Gesellschaften weder Gewinn noch Umsatz erzielen, ist ein Bewertungsvergleich nicht möglich. Deshalb setzen Investoren auf ihre eigene Einschätzung, sprich, sie zählen vereinfacht den von ihnen erwarteten jährlichen Cashflow zusammen. Danach multiplizieren sie das (abdiskontierte) Total mit der Wahrscheinlichkeit, dass das Medikament den Markteintritt schafft.

Je weiter die Entwicklung ist, desto wahrscheinlicher wird es, dass das Präparat tatsächlich verkauft werden kann. Der statistisch gesehen stärkste prozentuale Wahrscheinlichkeitsanstieg ist gemäss dem Pharmainstitut der US-Universität Tufts zu beobachten, wenn das Unternehmen mit klinischen Daten zum ersten Mal zeigen kann, dass sein Medikament an Patienten tatsächlich wirkt (Phase II). Die Zulassungswahrscheinlichkeit steigt dann von rund 20% auf etwas über 50%.

Kommt es tatsächlich zur Marktreife, zeigt sich relativ schnell, ob die Erwartung an das Potenzial des Medikaments der Realität entspricht oder nicht. «Enttäuscht das Unternehmen mit den Verkaufszahlen, kann der Kurs auch nach der Zulassung noch jederzeit im zweistelligen Prozentbereich fallen», sagt Staijen. Auch wechselten dann viele Investoren auf ein Bewertungsmodell, das den Umsatz und falls bereits möglich den Gewinn in Relation zum Kurs setzt.

Die Aktien lassen sich damit erstmals mit anderen Valoren vergleichen. Zeigt sich, dass sie vergleichsweise teuer sind, geben sie nach. Positiv wirkt wiederum, dass das Unternehmen dank der Zulassung mehr Aufmerksamkeit erhält. Steigt die Marktkapitalisierung auf mehr als 1 Mrd. $, beginnen viele Analysten damit, die Aktien abzudecken.