Es ist eine statistische Realität – die Ultareichen werden immer zahlreicher. Gemäss dem neuesten Wealth Report der britischen Gesellschaft Knight Frank ist ihre Zahl in nur zehn Jahren um 42% gestiegen.

Am spektakulärsten ist die Zunahme in Vietnam (+320%), gefolgt von Indien (+290%), China (+281%) und Kenia (+93%). Dafür gibt es mehrere Gründe.

Einerseits die Digitalisierung: «Weltweit sind 7,1% der Ultra High Net Worth Individuals (UHNWI) in der Technologiebranche aktiv», erklärt Manuel Bianchi, Generaldirektor Europa des Wirtschaftsinformationsdienstes Wealth-X. «Die Digitalisierung sorgt zudem für die schnellere Entwicklung von neuem Reichtum.»

Der massive Aufschwung der aufstrebenden Länder ist die andere Erklärung. Selbst bei sich verlangsamender Weltwirtschaft bleibt die Konjunktur im asiatischen Raum auf sehr hohem Niveau.

Die neuesten Prognosen der Weltbank bestätigen dies. 2018 dürfte das Wachstum in Europa etwa bei 2,7% liegen, in Ostasien bei 6,1%, in Südasien bei 7,1%. Diese Inversion der Wirtschaftspole hat das Entstehen einer sehr wohlhabenden, sehr erfolgreichen Unternehmerschicht ermöglicht.

Rasante Entwicklung der Börsenkurse

Ein weiterer ausschlaggebender Grund ist die Evolution der Aktienindizes. Man weiss, dass der Erlös aus Finanzinvestitionen einen Grossteil des Gewinns der Reichsten ausmacht.

Seit 2006 sind dank der Entwicklung von Dow Jones (+62%), Nasdaq (+137%), SMI (+3,6%) und Nikkei (+23%) die Vermögen der UHNWI in die Höhe geschnellt. Eine Realität, die die britische NGO Oxfam in ihrem jüngsten Report anprangert. «In Grossbritannien wurden 1970 noch 10% des Gewinns an Anteilseigner ausgeschüttet, heute sind es 70%.»

Parallel dazu gingen auch die Preise der Luxusimmobilien in den Megapolen auf Höhenflug und garantieren den Besitzern gigantische Profite.

«Gleichzeitig mit der zunehmenden Zahl der Ultrareichen wächst proportional deren Vermögen», so Thomas Piketty, Ökonom und Co-Direktor von WID.world, einer Datenbank, die Ungleichheiten analysiert. «In den USA, China und Südafrika hat sich der Anteil des reichsten Prozents am Weltvermögen seit den Siebzigerjahren von 10 auf heute 20% verdoppelt.»

Neues goldenes Zeitalter

Gemäss Emmanuel Saez, Wirtschaftsprofessor an der kalifornischen Berkeley University, ist dieses Konzentrationsphänomen in den USA deutlich zu beobachten. «Der Anteil der Reichsten entspricht heute nahezu dem Niveau der Zwanzigerjahre, als The Great Gatsby eine Epoche symbolisierte, die auf dem Vermögen der Raubritter des goldenen Zeitalters basierte. Die Rückseite dieses Trends der immer reicher werdenden Reichen ist die Erosion der Vermögen der Mittelschicht und der Armen.»

Verstärkt die Zunahme des Ultrareichtums die Armut? Natanael Rother, verantwortlich für das Dossier Verteilungspolititk bei Avenir Suisse, bestreitet dies vehement: «Bricht die Spitze weg, gehen tiefe Saläre nicht automatisch nach oben. Der Wohlstand kann sehr wohl für alle und gleichzeitig zunehmen. Dies stellt man in der Schweiz seit vielen Jahren fest.»

«2021 wird es 299’000 Ultrareiche geben»

Manuel Bianchi, Generaldirektor Europa von Wealth-X, ist überzeugt, dass dank günstiger Weltkonjunktur das Vermögen der UHNWI (Ultra High Net Worth Individuals) in den nächsten fünf Jahren im gleichen Rhythmus weiterwachsen wird. Seine Prognosen in Zahlen.

Welches sind die neusten Trends bei der weltweiten Entwicklung der Anzahl von Superreichen?
Anhand unserer neuesten Erfassung 2016 hat die Anzahl Personen, die über ein Nettovermögen von über 30 Mio. $ verfügen, innerhalb eines Jahres um 3,5% zugenommen. Weltweit gibt es nun 226’450 UHNWI. Diese Zunahme kompensiert teilweise den im Jahr 2015 festgestellten massiven Rückgang. Das Gesamtvermögen dieser Superreichen ist um 1,5% auf 27 Bio. $ gewachsen.

Wird sich dieser Trend fortsetzen und die Anzahl UHNWI zunehmen?
Anfang dieses Jahrzehnts war der Trend noch stärker, später aber rückläufig infolge der schwächeren Weltwirtschaft, der langsameren Globalisierung
und der grösseren geopolitischen Risiken. Es trifft allerdings zu, dass die konstante Zunahme der Zahl der Ultrareichen im Jahr 2015 gezeigt hat, dass diese Gruppe äusserst resistent ist und wir für die nächsten Jahre mit einem starken Wachstum dieser Gruppe und ihres Vermögens rechnen.

Was sind Ihre konkreten Prognosen?
Bis 2021 erwarten wir 299‘000 Ultrareiche, was gegenüber 2016 einer Zunahme von 72‘550 Personen entspricht. Sie werden über ein addiertes Vermögen von 35,7 Bio. $ verfügen, davon stammen 8,7 Bio. aus in den kommenden fünf Jahren neu erworbenem Reichtum. Für die Periode 2017 bis 2021 sehen wir für diese Gruppe und ihr Vermögen ähnliche Jahreswachstumsraten, was ein stabiles Profil der Durchschnittsnettowerte bestätigt.

Gleichzeitig dürfte der Trend zu einer ausgewogeneren geografischen Verteilung der grossen Vermögen weitergehen.
Überraschenderweise sind es die USA und nicht China, die 2016 das grösste Wachstum verzeichneten. Das stimmt. Die USA registrierten mit 5,1% das stärkste Wachstum des Ultrareichtums innerhalb eines Jahres, was mit 35,6% der UHNWI die Leaderposition Nordamerikas bestätigt.

Wie steht es mit Asien?
Mit 3,5% ist Asien die einzige andere Region mit signifikantem Wachstum. Dies ist vor allem Japan und Indien zu verdanken. Der starke Yen stimulierte die japanische Wirtschaft. Im asiatischen Kontinent waren die widerstandsfähige Wirtschaft und die Kursbewegungen der wichtigste Antrieb für die Vermögenszunahme im Jahr 2016 in der ganzen Region. Die Angst der Anleger vor einem massiven Rückgang in China war weitgehend unbegründet. Gleichzeitig wirkten sich die laufenden Reformen in Indien unterstützend auf die robuste Wirtschaft aus. Dies trotz der leichten Panik, als im letzten November die 500- und die 1000-Rupien-Noten zurückgezogen wurden.

Gibt es in der Schweiz weniger Ultrareiche?
Ja, ihre Zahl liegt bei 5940 und ist um 0,5% rückläufig. Der Gesamtreichtum ging um 1,4% auf 788 Mrd. $ zurück. Im weltweiten Ranking liegt die Schweizer aber nach wie vor auf Rang neun.