Blogs / Momentum

Warum Gold noch Luft nach oben hat

Nicht die Nervosität der Anleger hat den Goldpreis über 1500 $ getrieben. Auch die Angst vor einer Geldentwertung ist nicht der wichtigste Faktor.

Alexander Trentin

Der Goldpreis hat diese Woche erstmals in sechs Jahren die Marke von 1500 $ je Feinunze übersprungen. Während sich der Preis in den vergangenen Monaten in einer engen Bandbreite von 1100 bis 1400 $ bewegte, scheint nun trendmässig der Weg nach oben offen. Doch wie stark kann der Preis für das Edelmetall noch steigen? Könnte wieder ein Niveau wie im September 2011 erreicht werden? Damals stieg der Unzenpreis auf 1900 $. Ein Blick auf die fundamentalen Treiber zeigt: Es kann noch weiter gehen.

(function() { ‘use strict’; window.addEventListener(‘message’, function(event) { if (typeof event.data[‘datawrapper-height’] !== ‘undefined’) { for (var chartId in event.data[‘datawrapper-height’]) { var iframe = document.getElementById(‘datawrapper-chart-‘ + chartId) || document.querySelector(“iframe[src*='” + chartId + “‘]”); if (!iframe) { continue; } iframe.style.height = event.data[‘datawrapper-height’][chartId] + ‘px’; } } });})();

Kein Schutz vor flauen Börsen

Was könnte den Goldpreis beflügeln? Ein heisser Kandidat ist die Unsicherheit an den Börsen. Die Logik dahinter wäre, dass Anleger das Edelmetall als sicheren Hafen betrachten, um ihr Portfolio vor Kursverlusten zu schützen. Tatsächlich sind die Kurse diese Woche wegen der Angst vor der Eskalation eines Handelskriegs eingeknickt, der Goldpreis ist in die Höhe geschnellt.

Doch ein langfristiger Blick zeigt, dass der Goldpreis nur unzureichend Schutz vor einem Absturz an den Börsen bietet. Etwa in der globalen Finanzkrise 2008, als der Goldpreis anfänglich sogar mit den Aktienkursen  absackte. Auch die Kursverluste an den Aktienmärkten Anfang Jahr brachten keine grosse Goldrally.

Kein Schutz vor Inflation

Manche Anleger investieren in das Edelmetall, weil sie sich vor der Entwertung des Geldes fürchten. Das Gegenüberstellen des Goldpreises mit den Erwartungen bezüglich der künftigen Teuerung zeigt: Meist laufen Goldpreis und Inflationserwartungen sogar gegeneinander. Etwa ab Mitte 2016, als eine immer höhere Teuerung erwartet wurde: Damals sank der Goldpreis deutlich.

Und seit Herbst 2018 sinkt die in den Swap-Sätzen implizierte künftige Inflation stetig. Der Goldpreis ist gleichzeitig gestiegen. Das Edelmetall bewegt sich also meist nicht entgegengesetzt zur Teuerung.

Eine Wette auf niedrigere Zinsen

Was dagegen zeitweise funktioniert, um die Entwicklung des Goldpreises nachzuvollziehen, ist die Rendite langlaufender US-Anleihen. Dahinter steckt die Idee, dass ein Kauf des Edelmetalls attraktiver wird, wenn die Renditen sinken. Denn Gold (Gold 1489.92 -0.13%) wirft keinen laufenden Ertrag ab. Würden Anleihen eine hohe Rendite abwerfen, entgeht diese den Goldanlegern – angesichts solcher Opportunitätskosten kaufen sie weniger Gold.

Diese Hypothese scheint zumindest zuletzt aufzugehen. Mit den schnell sinkenden Renditen seit Anfang Jahr steigt der Goldpreis. Aber perfekt ist der Zusammenhang keineswegs. So hatte das Auf und Ab der Zinsen zwischen 2014 und 2018 nur eingeschränkt Wirkung auf die Notierungen des Edelmetalls.

Reale Renditen bieten den besten Fit

Etwas besser als die nominalen Renditen erklären die realen US-Renditen den Verlauf des Goldpreises. Die realen – also inflationsbereinigten – Renditen liegen nun so tief wie zuletzt im Herbst 2016. Hier sind sie anhand der Renditen von inflationsgeschützten US-Staatsanleihen ermittelt.

Jetzt sind die Renditen kurz davor, unter null zu sinken. Legt man den Goldpreis-Verlauf der vergangenen Jahre über den Verlauf der realen Renditen, dann sieht man wie nahe seit Anfang Jahr das Edelmetall dem Renditeniveau gefolgt ist.

Doch es hat nicht immer funktioniert: Von Anfang 2014 bis Ende 2017 lag der Goldpreis relativ zu niedrig angesichts des tiefen Realzinsniveaus. Das Goldhöchst im September 2011 schien dagegen übertrieben – die Notierungen sackten wieder zusammen, während die Renditen weiter sanken.

Korrelation mit Inflation nicht stabil

Auch der Blick auf die Korrelation – das Mass der Gleichläufigkeit – von Inflation und Rendite mit dem Goldpreis über die vergangenen sechs Monate zeigt: Die reale Rendite hatte die stabilste Korrelation mit der Entwicklung der Notierungen des Edelmetalls. Dagegen sind die Korrelationen in den vergangenen Jahren sogar negativ.

Zuletzt ist die Gleichläufigkeit von Goldpreis und realer Rendite sogar sprunghaft gestiegen und so hoch wie zuletzt Anfang 2018.

Hohe Korrelation mit dem Dollar

Die Gleichläufigkeit von Gold und Aktien schwankt über die vergangenen Jahre um null. Zur Diversifikation des Portfolios kann man das Edelmetall also kaufen – sie bietet aber trotz häufiger Phasen einer negativen Korrelation keinen verlässlichen Schutz.

Verlässlicher ist dagegen die Beziehung zum Aussenwert des Dollars. Je schwächer die US-Währung, desto höher der Goldpreis. Das Edelmetall wird in anderen Währungen günstiger, wenn sich der Dollar abwertet. Gleichzeitig ist der Dollarkurs wie Gold abhängig von den Realrenditen: Bietet die USA höhere Renditen als das Ausland, wird sich die US-Währung tendenziell aufwerten. Mit sinkenden Renditen würde also der Dollar unter Druck kommen, der Goldpreis steigen.

In welchen Szenarien Gold steigt

Die Analysten von Morgan Stanley (MS 43.66 0.51%) haben die Entwicklung des Goldpreises anhand verschiedener Szenarien seit dem Jahr 2000 untersucht. Dabei berücksichtigen sie den Einfluss der Realrenditen und der Inflationserwartungen auf die Performance von Gold.

Das beste Szenario für den Goldpreis war es, wenn die Realrenditen gefallen und die Teuerungserwartungen gestiegen sind: Dann kletterte Gold durchschnittlich um 1%. Sind dagegen die Inflationserwartungen gefallen, dann gab es immerhin noch ein Plus von 0,6%.

Andersherum fiel der Goldpreis, wenn die Realrenditen gestiegen und die Inflationserwartungen gefallen sind – der Goldpreis sank dann in einer Woche um 0,9%. Ändert sich nichts bei Teuerung und den Renditen, veränderte sich auch der Goldpreis kaum.

Stellt man die gleichen Berechnungen für US-Aktien an, sieht man, warum Gold oftmals nur wenig mit den Börsen korreliert. Das schlechteste Szenario für den Goldpreis – höhere Renditen, fallende Inflation – lässt Aktien völlig unbeeindruckt. Gut dagegen sind höhere Renditen und höhere Inflation. Denn das weist auf eine boomende Wirtschaft hin. Das schlechteste Szenario für den S&P 500 (SP500 2986.2 -0.39%) war dagegen, wenn die Renditen mit den Inflationserwartungen gefallen sind – in solch einem Szenario ist der Goldpreis dagegen im Durchschnitt noch gestiegen.


Wie Gold weiter steigen kann

Wenn der Trend am Anleihenmarkt anhält und die nominalen Renditen schneller fallen als die Inflationserwartungen, werden die realen Renditen fallen. Das wäre das beste Szenario für Gold. Die Frage ist nun, wie lange die realen Renditen noch fallen können. Im Jahr 2012 sind die inflationsbereinigten Marktzinsen schon einmal deutlich unter null gefallen. Geschieht dies wieder, sind für den Goldpreis auch alte Höchststände wieder möglich.

Leser-Kommentare

Die Kommentarfunktion ist deaktiviert.