Unternehmen / Finanz

Warum Tim Haywood nicht mehr gegen GAM klagen will

Seit dem Abgang des geschassten Fondsmanagers hat die Gesellschaft über 30 Mrd. Fr. an verwalteten Vermögen verloren.

Tim Haywood, Ex-Fondsmanager bei GAM (GAM 1.75 -2.07%), meldet sich zu Wort. Auslöser ist die Äusserung des GAM-Managements anlässlich der Halbjahreszahlen von Dienstag, sich mit dem Geschassten geeinigt zu haben, dass keine der beiden Seiten nach der Trennung rechtliche Schritte einleiten werde.

Am Mittwoch lässt sich Haywood via einer britischen PR-Agentur gegenüber «Finanz und Wirtschaft» wie folgt zitieren: «Tim Haywood lehnt es ab, das Arbeitsgericht anzurufen, da in diesem speziellen Fall die zu erwartenden Mindestkosten den maximal möglichen finanziellen Zuspruch übersteigen.» Der Sprecher fügt an: «Herr Haywood glaubt immer noch an die Begründetheit seiner Klage wegen ungerechtfertigter Entlassung.»

Haywood wurde vom Asset-Manager GAM im März 2018 freigestellt und später wegen «groben Fehlverhaltens» entlassen. Konkret warf GAM ihm vor, Risikomanagement- und Dokumentationspflichten nicht eingehalten zu haben. Er soll bei der Anlageauswahl unsorgfältig und eigenmächtig gehandelt und gegen die Unternehmensrichtlinien zur Annahme von Geschenken verstossen haben.

Ein Asset-Manager in der Krise

Laut «Financial Times» gehe es bei allen Vorwürfen um Haywoods Investitionen in GFG, eine internationale Firmengruppe des britischen Stahlunternehmers Sanjeev Gupta. GAM betonte allerdings, dass den Anlegern kein Schaden entstanden sei und sie nicht gegen weitere Mitarbeiter ermittle. Zunächst kündigte Haywood an sich rechtlich gegen seine Ausbootung zu wehren, sah dann wegen der erwähnten Gründe davon ab.

Für GAM war die Suspendierung Haywoods der Anfang einer Krise. Im Nachgang zogen derart viele Anleger ihre Gelder aus Haywoods Fonds ab, dass sich GAM gezwungen sah, die Vehikel in die Liquidation zu schicken. 11 Mrd. Fr. an Vermögen flossen so aus dem Asset-Manager, Kunden zogen bis heute weitere 20 Mrd. Fr. aus anderen Anlagevehikeln ab. Der Aktienkurs brach ein, GAM erlitt 2018 einen Verlust von fast 930 Mio. Fr., die Dividende wurde ausgesetzt.

Zum Halbjahr hat GAM die Liquidation der Fonds abgeschlossen. Im Schnitt wurden laut Gesellschaft 100,5% des Werts der Fondsvermögen an die Kunden zurückgezahlt. Tim Haywood lässt sich dazu persönlich zitieren: «Ich bin sehr erfreut zu erfahren, dass Kunden der Absolute-Return-Bond-Fondspalette eine Rendite erzielen, bei einigen Fondsanteilsklassen mehr als 100%. Ich bin allen Parteien innerhalb und ausserhalb von GAM ausserordentlich dankbar, die so engagiert daran gearbeitet haben, ein so positives Ergebnis für die Kunden zu erzielen.»

Leser-Kommentare

Die Kommentarfunktion ist deaktiviert.
Ernst J. Marliany 31.07.2019 - 23:43
Na, haben wir denn schon Fasenacht und keiner hat´s gemerkt? Die für Haywood handelnde PR – Agentur verpackt seine Sprechblasen rhetorisch nicht ungeschickt, allerdings kann den Aktionären davon nur übel werden. “Sparfuchs Haywood” nimmt seine eigene Klageabsicht zurück, wohl nicht, weil er immer noch glaubt, im Recht zu sein, sondern weil er dann die Anwalts- und Gerichts-kosten wohl selbst zahlen… Weiterlesen »