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Märkte / Makro

Was 2018 die Märkte schockieren könnte

Wie jedes Jahr stellt Saxo Bank zehn gewagte Prognosen für das neue Jahr auf. Da darf auch Bitcoin nicht fehlen.

Das Jahr neigt sich dem Ende zu, und die Banken stimmen mit ihren Ausblicken auf 2018 ein. Darin findet man eher unspektakuläre Aussagen wie «wir setzen auch 2018 auf Aktien» oder «wir empfehlen bei Anleihen eine kurze Duration».

Mehr Unterhaltungswert haben die Prognosen der dänischen Saxo Bank, die hierzulande vor allem als Online-Broker bekannt ist. Seit zehn Jahren erstellt das Team um den Chefökonomen Steen Jakobsen die sogenannten Outrageous Predictions, auf gut Deutsch sind das ungeheuerliche Prognosen.

Abgekupfert haben die Dänen das von den «zehn Überraschungen», die der ehemalige Morgan-Stanley-Stratege Byron Wien seit 1986 jährlich auflistet. Im Unterschied zu Wien, der seinen Überraschungen eine Wahrscheinlichkeit von mehr als 50% beimisst, glaubt Saxo selbst aber nicht an ihre Prognosen.

Vom Flash Crash bis zu Bitcoin 60’000

«Es handelt sich bei den Outrageous Predictions um unwahrscheinliche, aber unterschätzte Ereignisse, deren Eintreten die Finanzmärkte in Aufruhr versetzen würde», schreibt Saxo. Die Prognosen dürften nicht als offizieller Marktausblick der Bank verstanden werden. Vielmehr möchten Jakobsen und seine Kollegen zum Nachdenken anregen, in welche ungeahnte Richtung sich 2018 alles entwickeln könnte.

Unter den diesjährigen ungeheuerlichen Prognosen für 2018 ist zum Beispiel die Vorhersage, dass die US-Notenbank ihre Unabhängigkeit an das Finanzministerium abgibt oder dass die Bank of Japan die Kontrolle über die Zinskurve verliert und der Yen zusammenbricht.

Auch ein Flash Crash mit einem Einbruch um ein Viertel im S&P 500 (SP500 2691.46 0.58%) steht auf der Liste. Für einen steilen Zinsanstieg könnte gemäss Saxo Bank ein Linksrutsch in den US-Zwischenwahlen sorgen.

Brisant ist die Prognose zu Bitcoin: Nach einem spektakulären Höhepunkt auf 60’000 $ werde die Kryptowährung zurück in die Nähe ihrer «Produktionskosten» von 1000 $ abstürzen, weil Russland und China die Kryptowährungen verbieten.

Überraschungspotenzial haben auch China und Afrika:

Dank einem Kursprung der Tencent-Aktie von 100% löst der chinesische IT-Riese gemäss Saxo Bank Apple (AAPL 176.62 1.52%) als Unternehmen mit der grössten Marktkapitalisierung ab.

Nach eine Demokratisierungswelle im Süden Afrikas erwacht auch Südafrika zu neuem Leben, und der Rand setzt zum Höhenflug an.

Was aus den Prognosen für 2017 geworden ist

Wie unwahrscheinlich die Outrageous Predictions sind, zeigt ein Blick auf die letztjährigen Prognosen für 2017:

  • Chinas Wirtschaftswachstum geht auf 8%, und der Shanghai Composite steigt auf 5000. Beides ist nicht eingetroffen. Das Wachstum liegt weiterhin unter 7%, und der Shanghai Composite Index ist nicht 60% gestiegen, sondern bescheidene 5% auf 3277.
  • Das verzweifelte Fed folgt der BoJ und fixiert zehnjährige Treasuries bei 1,5%. Im Gegenteil: Die US-Notenbank hat mit dem Bilanzabbau begonnen, die zehnjährigen Treasuries rentieren dennoch nicht viel höher als 2,3%.
  • Ausfallrate der Hochzinsanleihen übersteigt 25%. Im Gegenteil: Die Ausfallrate ist auf 3% gefallen.
  • Brexit wird nie Tatsache, denn Grossbritannien Bremains. Damit lag Saxo nicht ganz falsch, doch die Verhandlungen laufen.
  • Doktor Kupfer holt sich einen Schnupfen bzw. der Kupferpreis fällt auf das Niveau der Finanzkrise. Der Kupferpreis ist dieses Jahr 20% gestiegen.
  • Bitcoin-Kurs verdreifacht sich auf 2100 $. Hier stimmte die Richtung, aber Saxo hat selbst in den kühnsten Prognosen den Run auf Bitcoin unterschätzt. Im Grund für den Kursanstieg irrten sich die Saxo-Ökonomen jedoch gewaltig: Nicht Inflationsangst sowie Russlands und Chinas Anerkennung von Bitcoin als Alternative zum Dollar führten zum Kursanstieg, sondern reine Spekulation.
  • US-Gesundheitsreform versetzt den Sektor in Panik, Gesundheitsaktien fallen 50%. Im Gegenteil: Die Aktien sind 20% im Plus.
  • Der mexikanische Peso steigt trotz Trump, insbesondere gegenüber dem kanadischen Dollar. Tatsächlich hat sich der Peso zum US-Dollar 10% erholt, zum kanadischen Dollar aber nur 5%.
  • Italienische Bankaktien überragen alles. Mit einem Kursplus von durschnittlich 25% sind italienische Banken gut gelaufen. Mit der von Saxo prognostizierten Gründung einer Europäischen Bad Bank hatte die Rally aber nichts zu tun.
  • Die EU stimuliert das Wachstum über gemeinsame Eurobonds. Ideen sind zwar da, und Emmanuel Macron könnte sich dafür begeistern. Doch die Wirtschaft der EU wächst auch ohne solche Stimuli so schnell wie seit Jahren nicht mehr.

Von den zehn Prognosen sind also je nach Fehlertoleranz etwa drei eingetroffen. Als Anlagehilfe taugen die Voraussagen deshalb nicht.