Unternehmen / Gesundheit

Was Analysten zum Novartis-Deal sagen

Die geplante Übernahme von Medicines Co. für knapp 10 Mrd. $ kommt bei Marktexperten gut an. Die Aktien reagieren verhalten.

Novartis (NOVN 91.79 -2.76%) steht vor einer Milliardenübernahme: Sie bietet 9,7 Mrd. $ für The Medicines Company und hat damit den Zuschlag erhalten. Seit vergangener Woche hatten sich Gerüchte verdichtet, dass der Basler Pharmakonzern – wie auch andere Unternehmen – für die US-Biotech-Gesellschaft bietet. Das erfolgversprechendste Medikament ist das cholesterinsenkende Inclisiran für Herzpatienten. Sein Umsatzpotenzial wird von Analysten auf 2 Mrd. $ im Jahr 2024 geschätzt.

Das Angebot beträgt 85 $ je Medicines-Aktie, teilte Novartis am Sonntagabend mit. Das entspricht einem Aufschlag von rund 40% gegenüber dem volumengewichtetem Durchschnittspreis über dreissig Tage. Am Freitag gingen die Titel bei 68.55 $ aus dem Handel. Die Transaktion werde voraussichtlich im ersten Quartal 2020 abgeschlossen sein. Finanziert wird sie durch vorhandenes Kapital sowie durch kurz- und langfristige Darlehen. Analysten schätzen den Zukauf mehrheitlich positiv ein. Die Novartis-Aktien notieren wenig verändert.

Vontobel

«Diese Übernahme passt uneingeschränkt zur Akquisitionsstrategie von Novartis, neuartige und innovative Therapien zu erwerben», schreibt Vontobel-Analyst Stefan Schneider. Inclisiran ergänze die Kardiovaskulärsparte, die gegenwärtig nur Entresto vertreibt, aber nicht in der Lage war, Entresto als Zweitindikation (HFpEF) oder Canakinumab als Herzmedikament hinzuzufügen. Entsprechend halte Vontobel (VONN 69.65 -4.26%) die Übernahme strategisch betrachtet für sinnvoll.

«Während die Akquisition mittelfristig zum Kerngewinn je Aktie beitragen soll, dürfte sie sich in den kommenden Jahren moderat verwässernd auswirken», glaubt Vontobel. Novartis rechnet damit, die Kernmarge ihrer Innovative-Medicines-Sparte kurzfristig auf ca. 35% und mittelfristig auf gegen 39% steigern zu können.

Zürcher Kantonalbank

Ähnliche Töne schlägt ZKB-Analyst Micheal Nawrath an. Die arteriosklerotischen Veränderungen der Gefässe seien der Hauptgrund für kardiovaskuläre Komplikationen. Der Markt werde weltweit auf über 50 Mio. Patienten geschätzt. Inclisiran sei mindestens genauso effektiv wie die Produkte der Konkurrenten Amgen (AMGN 222.79 0.29%) und Sanofi, es müsse aber nicht alle zwei bis vier Wochen, sondern nur halbjährlich injiziert werden. «Dieser Vorteil ist entscheidend.»

Die Akquisition liege in der Zielgrösse von rund 5% der Marktkapitalisierung. «Für einen Mega-Blockbuster wurde nicht überbezahlt», fasst der ZKB-Analyst zusammen.

Mirabaud Securities

Auch die Analysten von Mirabaud Securities heben die Vorteile der Milliardentransaktion heraus. Die Übernahme ermögliche es Novartis, eine Wachstumslücke zu schliessen. Zudem erkennen sie ebenfalls die Synergien, die Inclisiran dereinst im Markt für kardiovaskuläre Medizin biete, insbesondere als Ergänzung zu Entresto. Novartis’ Gewicht in Bezug auf Marketing, Verkauf und Vertriebskanäle werde gestärkt.

«Ein grosser Vorbehalt bleibt jedoch bestehen, der sich um die Erstattung und den Marktzugang dreht.» Der geschätzte Umsatz mit dem Cholesterinsenker von 2 Mrd. $ im Jahr 2024 wurde vom Management bisher nicht kommentiert. Preis- und Erstattungsverhandlungen würden Zeit in Anspruch nehmen, sagte Novartis an einer Telefonkonferenz am Montagmorgen.