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Was Chinas PMI tatsächlich zeigen

Für Chinas Industrie sind die Frühindikatoren im März über 50 gestiegen. Doch noch ist es zu früh für eine Entwarnung.

Peter Rohner

Es gibt sie noch, die guten Nachrichten: etwa, dass in Italien die tägliche Zahl der Neuinfektionen zurückgeht oder dass sich in China die Situation nach dem Ausnahmezustand allmählich normalisiert.

Zu den erfreulichen Meldungen gehört auch der kräftige Anstieg der chinesischen Einkaufsmanagerindizes (PMI). Der offizielle Industrie-PMI der nationalen Statistikbehörde hat sich im März vom historischen Tief des Vormonats erholt und notiert nun auf 52 Punkten. Der Index des Medienunternehmens Caixin hat sich von 40,3 auf 50,1 verbessert.

Werte über 50 signalisieren eine branchenweite Besserung der Lage und deuten auf eine wachsenden Industrieproduktion hin.

Da der Verlauf des Einkaufsmanagerindex (PMI) einem V gleicht, sprechen einzelne Beobachter schon von der V-förmigen Erholung in China. Aber ist der Spuk durch die Virusepidemie in der Volksrepublik wirklich schon vorbei und China auf dem alten Wachstumspfad von 6% pro Jahr?

Nein, so einfach ist das nicht. Denn ein oder zwei Datenpunkte des Einkaufsmanagerindex sagen noch wenig über das Wachstumsniveau aus.

Der steile Anstieg des PMI hat mit seiner Konstruktionsweise zu tun.

Denn der Einkaufsmanagerindex erfasst nur in Zahlen, ob sich laut den befragten Chefeinkäufern die Lage im Vergleich zum Vormonat tendenziell verbessert oder verschlechtert hat.

Das geschieht anhand verschiedener Fragen zu Produktion, Auftragslage, Beschäftigung, den Preisen und der Lagerhaltung.

Zu jeder Frage wird der Anteil negativer Antworten von den positiven abgezogen. Um negative Werte zu vermeiden, wird der Saldo um 50 korrigiert. Bei 50 ist die Zahl der negativen und der positiven Antworten genau ausgeglichen.

Die so ermittelten Werte aus den Frageblöcken werden schliesslich mit einer bestimmten Gewichtung zum PMI zusammengefasst.

In normalen Zeiten funktioniert der PMI als Konjunkturindikator ausgezeichnet. Werte über 50 bedeuten, dass sich über den gesamten Sektor die Lage verbessert hat und dass eine normal wachsende Wirtschaft weiter an Fahrt gewinnt.

Doch nach einem Schock wie im Februar ist die Aussagekraft des PMI beschränkt. Wenn ein Grossteil der Fabriken stillsteht, ist schon eine minimale Entspannung eine Verbesserung der Situation.

Genau so dürften die positiven Einkaufsmanagerindizes in China zustande gekommen sein und sollten deshalb nicht überbewertet werden. In den kommenden Umfragen wird sich weisen, wie nachhaltig die Erholung ist und wie sehr der schwache Export auf dem Geschäft lastet.