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Zum Thema: Constantin Medien weiter im Wirtschaftskrimi

Was den FC Basel und Hansa Rostock verbindet

FCB-Präsident Bernhard Burgener hat den deutschen Investor Rolf Elgeti an Bord der HLEE geholt.

Zwischen dem FC Basel und dem F. C. Hansa Rostock liegen 800 km Luftlinie, und sie haben, ausser, dass sie Fussballclubs sind, nichts gemeinsam. Rostock spielt dritte Liga, der FCB schnuppert stetig Champions League. Die Norddeutschen sind chronisch äusserst knapp bei Kasse, die Basler schwimmen im Geld. Und die Rostocker wiederum liegen gemessen am Gewaltpotenzial der Ultras weit vor ihren Basler Kollegen.

Doch seit kurzem verbindet die beiden Vereine etwas: FCB-Präsident Bernhard Burgener will Hansa-Rostock-Investor Rolf Elgeti an Bord seiner Mediengesellschaft HLEE holen.

«Keine schnelle Rendite»

Der deutsche Investor Elgeti hat über seine Gesellschaft Obotritia, Potsdam, im Zuge der Kapitalerhöhung der Highlight Event & Entertainment (L60 16.55 -2.65%) (HLEE) 728 526 Aktien übernommen. Zum gegenwärtigen Kurs von gut 17 Fr. entspricht das einem Wert von 12,5 Mio. Fr. oder knapp 12% des Kapitals. Allerdings ist der Eintrag der Aktien ins Handelsregister derzeit gesperrt. Zudem hat er eine Wandelanleihe entsprechend 522 864 Aktien gezeichnet.

Elgeti sieht sein finanzielles Engagement in der HLEE nicht als kurzfristiges, sondern als langfristiges Investment an, sagt er im Gespräch mit «Finanz und Wirtschaft». Die Investition habe genau die richtige Grössenordnung für seine Gesellschaft, denn für die einen sei das Volumen zu gross, für die anderen zu klein, und so ergebe sich für ihn eine attraktive Gelegenheit. «Eine schnelle Rendite erwarte ich nicht, aber auf lange Sicht eine deutliche Wertsteigerung, vielleicht auch eine Vervielfachung», sagt er.

«Einen Sitz im Verwaltungsrat der HLEE strebe ich nicht an», führt er aus. Er sehe sich auch nicht als aktivistischen Investor. «Aus strategischen Fragen und dem operativen Geschäft werde ich mich heraushalten.» Er ist überzeugt, dass Burgener, den er schon lange persönlich kennt, das Richtige tut.

Der 40-jährige Elgeti ist in Deutschland kein unbeschriebenes Blatt. In der Nähe von Rostock als Sohn eines Kartoffelbauern aufgewachsen, war er in der Schule ein Überflieger, besuchte mehr Leistungskurse als nötig und machte das Abi mit der Note 1. Nach Abschluss des Betriebswirtschaftsstudiums in Mannheim und Paris im Eilzugtempo ging er in die Londoner City. Dort begann er 1999 zunächst bei UBS (UBSG 16.32 0.99%) Warburg, wechselte zur Commerzbank (CBK 10.58 -1.03%) und war 2004 bis 2007 Chefstratege bei ABN Amro. Das reichte ihm aber nicht: Parallel dazu – was in der Branche nicht unumstritten ist – gründete er ab 2003 privat diverse Immobilieninvestmentfirmen und arbeitete als Fondsmanager.

2008 wurde er Mitglied des Aufsichtsrats (Verwaltungsrats) der TAG Immobilien. Die deutsche Gesellschaft fokussiert sich auf Wohnimmobilien, vor allem im Norden und im Osten Deutschlands. Den VR-Posten gab er ab, als er ein Jahr später CEO der Gesellschaft wurde.

Auf die Frage des «Handelsblatts», ob er den Job als Star-Analyst nicht vermisse, sagte er 2012: Gar nicht, er hätte das nicht bis zur Rente machen können. Es sei besser, «mal was tatsächlich zu machen und zu bewegen und eben nicht nur darüber zu reden». CEO zu sein, mache grossen Spass. Per Ende Oktober 2014 gab er den Posten aber ab und wurde VR-Präsident, gewählt bis 2018. Mitte 2009 betrug der Börsenwert der TAG 100 Mio. €, mittlerweile sind es gut 2 Mrd. €.

Immobilien im Visier

Schon 2014 gründete er die Investmentgesellschaft Obotritia Capital, Potsdam, und die Deutsche Konsum Reit. Der Real Estate Investment Trust (Reit) ist auf deutsche Immobilien im Detailhandel spezialisiert. Die Marktkapitalisierung beträgt 225 Mio. €, Elgeti hält 31,7%. Der Portfoliowert der 56 Objekte beträgt gemäss eigenen Angaben 240 Mio. €.

Seit einigen Jahren macht Elgeti eher Schlagzeilen als Gönner des F. C. Hansa Rostock. Ohne ihn wäre der Verein womöglich schon pleitegegangen, des Öfteren griff er dem Verein mit erklecklichen Summen und Forderungsverzicht unter die Arme. Im Mai sagte er zum aktuellen Finanzloch des Vereins: Egal, wie gross die Lücke sei, sie werde geschlossen.

Allerdings ist Elgeti, der als Kind unter den Zuschauern im Rostocker Stadion zu finden war, umstritten. Die Fans begegnen «Onkel Rolf», wie sie ihn nennen, mit Skepsis. Auch in der breiteren Öffentlichkeit ist man sich nicht einig, ob er als Mäzen dem Verein guttut oder ihm als Investor schadet. Die Deutsche Konsum Reit jedenfalls ist Trikotsponsor der U15-Nachwuchsmannschaft des Vereins.

Dass er sich bei Hansa engagiert und künftig aller Voraussicht nach über die HLEE auch indirekt an der Team Holding beteiligt ist, die die Übertragungsrechte der Champions League vermarket, sei ein vernachlässigbarer Nebeneffekt, sagt er. Sollte Hansa in ein paar Jahren mal Champions League spielen, wäre das dann vielleicht relevanter, gesteht er lachend ein, wohlwissend, dass diese Wahrscheinlichkeit eher gering ist.