Markttechnik / A. Cortés

Was der steigende Goldpreis bedeutet

Gold (Gold 1519.84 0.2%) ist derzeit in aller Munde. Und alle, die sich äussern, erwarten steigende Preise. Ich auch. Doch die Frage drängt sich auf: Ist so viel Übereinstimmung nicht eine Kontraindikation? Die berühmte Konsensusfrage ist stets im Lichte der Geschichte, wie ein Objekt zum gegenwärtigen Kurs gekommen ist, zu beurteilen. Und da ist sie: Ende der Hausse im September 2011 nach einem Anstieg von 557% in zehn Jahren seit dem ersten positiven technischen Signal im Januar 2001. Anschliessend eine Baisse von 45% in 51 Monaten. Nach einer dreimonatigen Erholung setzte ein Seitwärtstrend ein. Ein Teil davon ist auf dem abgebildeten Chart ersichtlich. Er zeigt einmal mehr den selbst für langjährige Anwender immer wieder unglaublich hohen Nutzwert des 20-Monate-Bollinger-Bandes vor allem in Kombination mit den sogenannten japanischen Kerzen.

Erst der Anfang   

Sie illustrieren die Wende des Momentums von tendenziell eher negativ zu tendenziell eher positiv im August, September und Oktober 2018. Die Erholung bis zum starken Juni 2019 nahm selbst für das ungeübte Auge einen ganz anderen Verlauf als jede der vorangegangenen Erholungen seit 2015.

Den starken Juni mit einem Plus von 8,2% interpretiere ich als Abschluss des ersten Schritts eines neuen Trends, der unter einer Voraussetzung deutlich höhere Goldpreise zur Folge haben wird. Diese Voraussetzung liegt in der Art und Weise, wie die Rückschläge verlaufen werden, die die Wochen- und die Tagescharts ankündigen. Sie gehen aus Kursmustern hervor, die sich aus der Handlungsweise von Bullen und Bären ergeben, und sind zu zahlreich, um hier aufgeführt zu werden.

Folgen für die Aktien

Was ich sehen will, ist jedoch, dass sie zeigen, dass rückläufige Preise sachte einsetzende Nachfrage auslösen. Die Betonung liegt auf sachte: Nach der Hektik der letzten vier Wochen soll bedächtiges Akkumulieren aus den Handelsmustern erkennbar werden als Ausweis einer Population, die strategisch vorgeht und nicht prozyklisch auf irgendwelche Nachrichten reagiert. Das zusammen mit der inzwischen einsetzenden relativen Stärke des Goldpreises zu den Aktienindizes wird die Bestätigung dafür sein, dass ein primärer Aufwärtstrend in Gold begonnen hat.

Seit Ende der letzten Goldhausse im September 2011 haben die Goldminenindizes bis zum Ende der Baisse des Goldpreises im Dezember 2015 im Schnitt mit einem Minus von 83% rund das 1,8-Fache des Goldpreises verloren. Seither hat Gold 26% zugelegt. Die Goldminenindizes sind in einer sehr volatilen Schaukelfahrt um 100% gestiegen. Goldminenaktien sind in erster Linie Aktien, und zwar traditionell sehr volatile. Die Richtung gibt der Goldpreis vor. Das Momentum ist meist ausgeprägter als das des Goldes.

Die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch geworden, dass Gold und Goldminenaktien anhaltende primäre Aufwärtstrends entwickeln. Einen Vorbehalt habe ich oben angebracht, der besagt, dass ich sehr wahrscheinlich in nächster Zeit wiederholt auf das Thema zurückkommen werde. Voreilige werden vielleicht den Schluss ziehen, dass ein starker Goldpreis ein negativer Indikator für die Aktienbörsen sei. Es ist daran zu erinnern, dass der Goldpreis erst ab 1971 sukzessive und ab 1974 endgültig freigegeben wurde. Aus den zur Verfügung stehenden rund viereinhalb Jahrzehnten ergibt sich keine stabile Korrelation irgendwelcher Art von Aktienindizes zum Goldpreis.

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