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Was im März in der Fintech-Schweiz gelaufen ist

Warum Kryptounternehmen keine Bankkonten bekommen, wie PostFinance frühzeitig den Systemausfall probt und die besten Fintech-Start-ups der Schweiz.

Valentin Ade

Kennen Sie Telegram? Nicht die vordigitale Nachrichtenübermittlung (LOL – Stopp – ROFL – Stopp – #FranzFerdinandforEmperor), sondern die klandestine Messenger-App. Wenn nicht, werden Sie bald davon hören, denn Telegram soll das grösste ICO seit Menschengedenken werden. 2,5 Mrd. $ will das Unternehmen via Ausgabe einer eigenen Kryptowährung einnehmen. Kollege Alexander Trentin hat die wichtigsten Fragen dazu beantwortet.

Zu ICO hat die Finanzmarktaufsicht anlässlich ihrer Jahresmedienkonferenz erneut ins eigene Horn gestossen. Als erstes Land der Welt habe die Schweiz – dank Finma – die Ausgabe der digitalen Währungen geregelt. Dass Kryptounternehmen hierzulande kaum ein Bankkonto bekommen, das hat die Schweiz hingegen noch nicht geändert, wie NZZ-Kollege Erich Aschwanden schreibt. Anscheinend gibt es auf Bundesebene jetzt aber eine Expertengruppe dazu (Motto: Wenn ich nicht mehr weiterweiss, gründe ich einen Arbeitskreis).

Warum die Schweizer Banken bei Krypto-Start-ups so zurückhaltend sind? Eine Blitzumfrage unsererseits hat ergeben: Die Institute scheuen die Jungunternehmen, weil oft nicht klar ist, wo ihre Kryptowährungen herkommen. Man könne dadurch den Vorgaben der Geldwäschereigesetzgebung nicht gerecht werden. Die Start-ups haben hingegen Angst, sollte bald der Zwang zum Bankkonto für Unternehmen auch in der Schweiz eingeführt werden. Aber eben: Stichwort Arbeitskreis. #luagamrmoll

Zoff in der Szene

Weiter in der Rubik Crypto-Valley-News. Wie die Kollegen von Swissinfo.ch berichten, reisst der Trubel rund um eine der schillerndsten Figuren der Zuger-Kryptoszene nicht ab: Johann Gevers hat sich mit dem US-Investor verkracht, der eigentlich sein vor der Pleite stehendes Start-up Monetas retten sollte. Und das ausgerechnet kurz nachdem der Streit rund um das Krypto-Start-up Tezos – eines der grössten ICO bisher – mit dem Abgang Gevers’ beendet wurde.

Bleiben wir beim Thema Streit in der Schweizer Fintech-Szene. Beim Verband Swiss Finance + Technology Association ist der gesamte Vorstand zurückgetreten. Dem ging ein längerer Konflikt mit dem Präsidenten John Hucker voraus. Finews-Kollege Peter Hody hat diese Geschichte aufgeschrieben.

Kommen wir zu den etablierten Fintech- und Möchtegern-Fintech-Unternehmen der Schweiz. Die Banken-IT-Bude Crealogix (CLXN 134 -0.74%) war ein Schweizer Fintech-Unternehmen, bevor es das Wort überhaupt gab, und ist als eines von wenigen kotiert. Das Softwarehaus wuchs 2017 deutlich langsamer, wie Kollege Eflamm Mordrelle schreibt. Es soll zudem ein attraktives Übernahmeziel sein, Gerüchte darüber werden natürlich dementiert.

Mit einer anderen Softwareschmiede, Finnova, arbeitet seit März eine der digitalsten Banken der Schweiz – die Glarner Kantonalbank (GLKBN 28.7 -1.37%) – zusammen (Copyright Finews – again). Beide wollen ein Kreditberatungs-Tool entwickeln.

Ebenfalls einen Roboter, allerdings im Investmentbereich, hat die UBS (UBSG 13.615 -1.55%) in den USA in Betrieb genommen. Nach Grossbritannien kommen jetzt also auch die Amis in den Genuss eines UBS-Robo-Advisor. Wann bringt ihr so einen Service eigentlich in die Schweiz, liebe Schweizer Grossbanken? Obwohl wir uns hierzulande nicht über fehlende Robos beklagen können.

Und eine letzte Kooperations-News. Die Kreditvermittlungsplattform Lendico (Schweiz) arbeitet mit der Kreditbank Cembra zusammen. Lendico (Schweiz) ist übrigens eine Tochter der PostFinance, die mit dem Kauf der Plattform ihr Kreditverbot zu kompensieren versucht.

Schnelltest für digitale Banken

Apropos PostFinance. Die stellt über Ostern ihr Kernbankensystem um, weshalb es zu Ausfällen im Online Banking kommt. Geübt haben die Pöstler das bereits, als vor kurzem die Bezahl-App Twint ausfiel.

Die Mutter der Gelbbank, die Post, hat vor kurzem einen Vertrag mit Amazon (AMZN 1619.44 1.28%) geschlossen. Der Online-Handelsriese will in der Schweiz starten. Und ins Banking will Amazon auch einsteigen und ist auf der Suche nach Bankpartnern. Warum das den etablierten Instituten zu denken geben soll, lesen Sie hier.

Ob die etablierten Banken übrigens bei der Digitalisierung auf dem richtigen Dampfer sind, dafür hat Fintech-Guru Chris Skinner einen Schnelltest entwickelt.

An der FuW-Fintech-Konferenz diesen Monat – um an dieser Stelle schamlose Eigenwerbung zu betreiben – war Chris Keynote Speaker. Im Anschluss an die Konferenz wurden wieder die Swiss FinTech Awards vergeben. Hier nochmals die Preisträger.

Das war’s für diesen Monat. Wie immer: Falls es Fragen, Anregungen oder Kritik gibt, schreiben Sie es in die Kommentare oder an valentin.ade@fuw.ch

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