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Was in der Fintech-Schweiz im Januar gelaufen ist

Die Start-ups rufen zur Öffnung auf, die Banken wollen digital auftrumpfen, und der Bund knöpft sich die Kryptowährungen vor.

Valentin Ade

Was tut sich 2018 im Fintech-Land Schweiz? «Finanz und Wirtschaft» gibt ab jetzt einen monatlichen Überblick über die wichtigsten Entwicklungen.

Beginnen wir mit den Start-ups. Ihretwegen gibt es den Begriff Fintech, ihretwegen wollen die grossen, schwerfälligen Tanker des Finanzplatzes Fintechs sein.

Einen guten Überblick über die Schweizer Fintech-Start-up-Szene gibt Swisscom (SCMN 513.8 0.75%). Laut der ehemaligen PTT existieren im Januar 211 Fintech-Jungunternehmen, die meisten im Bereich «Anlegen». Der Grossteil der Start-ups hat den Sitz übrigens in Zürich oder Zug.

Vergangenes Jahr erhielten die Schweizer Fintech-Start-ups 76 Mio. Fr. an Wagniskapital, wie unser Kollege Thomas Hengartner schreibt. Das waren allerdings nur 8% des gesamten Neugelds, das Jungunternehmen hierzulande anziehen konnten.

Die jungen Wilden sind zum guten Teil dafür verantwortlich, dass Politik und Behörden sich des Fintech-Themas angenommen haben. Mit der neuen Fintech-Gesetzgebung – teils umgesetzt, teils noch in Umsetzung – sind aber weder die etablierten Finanz-Player noch die Start-ups so richtig zufrieden.

Kollege Jürg Müller von der NZZ (NZZ 5300 -4.5%) weist auf einen interessanten Konstruktionsfehler in der neuen Regelung hin. Sein Fazit: alles Murks. Manche Start-ups streben da gleich die althergebrachte Schweizer Banklizenz an, wie wir hier vor kurzem geschrieben haben.

Start-ups: Banken sollen sich öffnen

Der Verband der Fintech-Start-ups in der Schweiz (Swiss Finance Start-ups, SFS) geht jetzt in die Offensive und ruft die Banken zur Öffnung auf. In der EU müssen sich die Institute kraft des Regelwerks PSD2 seit Jahresanfang den Fintech-Start-ups öffnen – wenn der Kunde dies will. In der Schweiz ist das den Banken weiter freigestellt. Unser Mann in London, Pascal Meisser, hat sich dem Thema PSD2 unlängst gewidmet.

Eine Bank, die die Angebote von Start-ups schon fleissig über eine offene Schnittstelle anbindet, ist die Hypothekarbank Lenzburg. Auch sie wählt die Partner aber nach eigenem Gusto aus, wie zuletzt Sonect.

Fast kein Institut traut sich heute noch, ohne Digitalisierungsstrategie daherzukommen. Doch wenn alle digital sind, wie dann noch auffallen? So zum Beispiel: Die Bank Cler bringt das erste Mobile-only-Angebot einer Schweizer Bank auf den Markt, und dann noch (fast) gratis.

Andere Banken müssen dafür immer noch erst einmal ihre IT erneuern. In diesem Jahr machen es die beiden systemrelevanten Institute PostFinance und Raiffeisen, mit unterschiedlichen Partnern und Vorgehensweisen.

Coin für alle!

Last but not least: Wir müssen über Bitcoin, Blockchain und Co. reden. Der Kurs der Kryptowährungen ist 2017 explodiert, genauso wie ihre Zahl. Viele wollen vom Hype profitieren: Unternehmen geben bekannt, sie wollen «irgendwas mit Blockchain» (offizielles Kürzel ab jetzt: IMB) machen, und der Aktienkurs geht durch die Decke. Oder sie geben via Initial Coin Offering (ICO) gleich ihre eigene Kryptowährung heraus. Kollege Eflamm Mordrelle hat unlängst die beiden Beispiele Kodak und Wisekey beleuchtet.

Via ICO wurden 2017 gemäss einer Studie von PwC 4,6 Mrd. $ eingesammelt, laut dem Datendienst CB Insights flossen in der gleichen Zeit «nur» 1 Mrd. $ an konventionellem Kapital in die Branche. Die Schweiz liegt laut «Financial Times» punkto ICO-Volumen weltweit auf dem zweiten Platz. Eines der grösstes Schweizer ICO, Tezos, zeigt allerdings, wie sehr so ein Projekt schiefgehen kann. Die Kollegen von Finews sind seit Beginn sehr nah an der Geschichte dran.

Nachdem die Finanzmarktaufsicht (Finma) im vergangenen Jahr schon eingeschritten ist, wird jetzt auch der Bund aktiv. Eine Arbeitsgruppe aus Vertretern des Finanz- und Wirtschaftsdepartements, von Bundes- und Kantonsbehörden, Blockchain-Start-ups und Rechtsexperten soll jetzt einen Rechtsrahmen für ICO und Blockchain-Unternehmen erarbeiten. Der Verband der Krypto-Start-ups in der Schweiz, namens Crypto Valley Zug, hat sich bereits einen eigenen Kodex verpasst.

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Das war der erste FuW-Monats-Fintech-Überblick. Sind Sie der Meinung, wir hätten andere Themen hervorheben sollen oder sollten für Februar auf etwas Spezielles achten, dann schreiben Sie uns bitte, entweder einen Kommentar oder eine E-Mail an: valentin.ade@fuw.ch.

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