Zum Thema: Mit Helikoptergeld gegen die Wachstumsflaute

Was ist Helikoptergeld?

Finanziert sich ein Staat direkt durch die Notenbank, spricht man von Helikoptergeld.

Finanziert sich ein Staat direkt durch die Notenbank, spricht man von Helikoptergeld, weil der US-Ökonom Milton Friedman einmal scherzhaft vorschlug, das Geld aus Helikoptern abzuwerfen. Im Kern handelt es sich dabei um die permanente Schaffung von Geld durch die Notenbanken. Es ist eine Form von Fiskalstimulus, die allerdings keine Erhöhung der Staatsverschuldung verursacht, da die Mittel direkt von der Zentralbank fliessen und nicht durch die Ausgabe neuer Anleihen aufgenommen werden. Dadurch werden geld- und fiskalpolitische Grenzen verwischt. In vielen Staaten ist diese monetäre Staatsfinanzierung deshalb verboten.

Da die Transaktion direkt zwischen Finanzministerium und Zentralbank abgewickelt wird, kann der Bankensektor umgangen werden. So wird sichergestellt, dass die Liquidität tatsächlich in der Wirtschaft ankommt und nicht gehortet wird.

Grundsätzlich gibt es vier verschiedene Varianten der Umsetzung:

1. In der radikalsten Version kann die Notenbank das neu geschaffene Geld direkt den privaten Haushalten zukommen lassen, sei es mittels Checks oder durch Überweisungen aufs Bankkonto.

2. Oder sie kauft Staatsanleihen, um die Zinslast der Regierung zu reduzieren – ähnlich wie bei der bereits heute praktizierten quantitativen Lockerung, Allerdings werden die Bonds direkt vom Finanzministerium und nicht auf dem Sekundärmarkt erworben.

3. Drittens besteht die Möglichkeit, dass Notenbanken direkt Staatsanleihen erwerben, die jedoch eine unbegrenzte Laufzeit aufweisen und keinen Coupon abwerfen.

4. In der vierten Spielart erlässt die Notenbank dem Staat unilateral die Schulden – die von ihr zu einem früheren Zeitpunkt erworbenen Staatsanleihen werden sozusagen abgeschrieben, was die Staatsverschuldung reduziert.

Gemeinsam ist allen Ansätzen, dass sie darauf abzielen, die Inflationserwartungen der Wirtschaftsakteure anzuheben und das Bargeldhorten unattraktiv zu machen. Die Geldmenge muss deshalb permanent erhöht werden. Dann wird das Geld – so die Hoffnung – investiert oder konsumiert, sodass die Konjunktur wieder Tritt fasst. Der Teufel steckt jedoch im Detail: es dürfte äusserst anspruchsvoll sein, das «richtige» Mass an Inflation zu schaffen. Schiessen die Notenbanken übers Ziel hinaus, drohen verheerende Konsequenzen. Kaum abzuschätzen ist auch die Reaktion der Anleihenmärkte: Was geschieht, wenn sie in Panik verfallen und die Bondrenditen in die Höhe schiessen?

Die Idee des Helikoptergeldes ist nicht neu. Erstmals formuliert wurde sie von Milton Friedman 1948 in einem Aufsatz in der Zeitschrift American Economic Review. Er schlug diesen Ansatz als möglichen Ausweg aus der von John Maynard Keynes beschriebenen «Liquiditätsfalle» vor. Damit bezeichnete Keynes eine Situation, in der die traditionelle Geldpolitik der Notenbanken versagt. Ähnlich wie heute ist in einer solchen Konstellation der Normalfall, in dem niedrige Zinsen Konsum und Produktion beleben, ausser Kraft gesetzt.