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Was ist mit den Bitcoins los?

Nachrichten über Softwarefehler, Hackerangriffe und Mini-Crashs belasten das Vertrauen in die digitale Währung. Dazu kommen neue Konkurrenten.

Alexander Trentin

Wer viel Geld in die Digitalwährung Bitcoin eingetauscht hat, der wird in letzter Zeit schlecht geschlafen haben. Die Währung hat seit dem Hoch von November 2013 fast die Hälfte ihres Werts in Dollar eingebüsst. Die schlechten Nachrichten häufen sich nun. Den Anfang der Serie der negativen Neuigkeiten machte am 5. Dezember die Zentralbank Chinas, die Finanzinstitutionen den Handel mit Bitcoins verbot. Daraufhin stürzte der Preis der digitalen Währung schon einmal ein, erholte sich aber bald.

Am 13. Dezember gab dann die damals umsatzstärkste Bitcoin-Börse BTC China bekannt, wegen der «regulatorischen Unsicherheit» vorerst keine Depositen in Yuan, der Währung der Volksrepublik, mehr zu akzeptieren. Daraufhin stürzte der Bitcoin-Preis noch einmal ab.  Seit Mitte Januar scheint sich die regulatorische Unsicherheit in China gelegt zu haben, BTC China hat wieder geöffnet. In den USA sorgte aber im Januar die Verhaftung von zwei Personen für Aufsehen, die Bitcoins zur Geldwäsche genutzt haben sollen. Einer von ihnen, Charlie Shrem, ist stellvertretender Vorsitzender der Bitcoin-Foundation.

Gestern ist bekanntgeworden, dass grosse Bitcoin-Börsen von Hackern angegriffen werden. Laut der Bitcoin-Foundation wurden keine Gelder gestohlen, aber Transaktionen konnten nicht durchgeführt werden. Die zwei betroffenen Bitcoin-Börsen – Bitstamp und Mt. Gox – haben die Auszahlung der digitalen Währung bis auf weiteres gestoppt. Kunden, die dort ihre «digitalen Portemonnaies» unterhalten, können ihr Geld nicht abziehen.

Im Abwärtstrend

Die Währung hat sich zwar immer wieder von Schocks erholt. Aber es gibt auch kaum noch Auftrieb nach oben:

Bitcoins

Quelle: Bitcoincharts.com

Wie schon öfter zuvor gab es zuletzt am 10. Februar wieder einmal einen «Flash Crash». Die Währung verlor in Minuten ein Drittel ihres Werts:

Flashcrash

Quelle: Bitcoincharts.com

Der Crash der Währung ab dem 10. Februar ist mit einer der wichtigsten Bitcoin-Börsen verknüpft, Mt. Gox mit Sitz in Tokio. Am 7. Februar gab die Börse bekannt, dass sie keine Bitcoin-Auszahlungen mehr vornimmt. Wer sein digitales Geld dort geparkt hatte, konnte es nicht mehr abrufen. Viele Kunden halten ihre Bitcoins an Börsen, um sie schnell in traditionelle Währungen eintauschen zu können. Das Geld kann aber auch zu Hause auf dem PC oder Festplatten «gelagert» werden.

Software-Fehler

Damals war die Erklärung mysteriös: Man wolle einen «klaren technischen Einblick in die Verarbeitung von Geldtransaktionen gewinnen». Das sorgte etwa dafür, dass Mt. Gox ihren Preisvorteil zu anderen Börsen verlor. Am 10. Februar folgte dann die Erklärung: Man habe einen Softwarefehler in der Übertragung von Bitcoins von einem Kunden zum anderen gefunden. Damit kann ein Bitcoin-Konto so manipuliert werden, dass es so aussieht, als sei das Geld nicht übertragen worden. Nach dieser Ankündigung rutschte der Wert von Bitcoins an der Mt. Gox noch weiter. Auch wenn das Problem nicht nur die eigene Börse betreffe, wie Mt. Gox behauptet. Andere Stimmen meinen aber, dass der Kontrollmechanismus von Mt. Gox fehlerhaft ist.

Klar ist beim gestrigen Preisabschlag von über 20%, dass Kunden nun ein Ausfallrisiko im Preis berücksichtigen: Es herrscht Angst, nicht mehr auf das Geld bei Mt. Gox zugreifen zu können.

Mt. Gox

Quelle: Bitcoincharts.com

Neue Konkurrenz

Obwohl Bitcoin noch die weitverbreiteste und bekannteste digitale Währung ist, bringt der Vertrauensverlust in Bitcoins Auftrieb für Konkurrenten. Laut der Vergleichs-Webseite coinmarketcap.com gibt es Währungen, die bald in einer Liga mit den Bitcoins spielen könnten. Insgesamt listet die Webseite insgesamt 100 Digitalwährungen auf, die meisten haben aber einen Marktwert von unter 1 Mio. $.

Während Bitcoins demnach rund 7 Mrd. $ Marktkapitalisierung aufweist, kommt der Konkurrent Ripples demnach auf 1,6 Mrd. $ Marktwert. Ripples ist die eigene Währung des Nutzer-zu-Nutzer-Zahlungssystems Ripple. Auf diesem Zahlungssystem können auch Dollar und Euro übertragen werden. Die Währung ist jedoch mit einem Umsatz von zuletzt rund 100’000 $ pro Tag ist der Handel damit noch weit hinter der Bitcoin-Welt.

Als grösster Konkurrent zu Bitcoin wird Litecoin gesehen. Zum einen können Litecoin-Transaktionen schneller als bei Bitcoin abgewickelt werden. Die maximale Anzahl von Litecoins beträgt 84 Mio. Währungseinheiten, währen dies bei den Bitcoins nur 21 Mio. Stück sind. Mit einer Marktkapitalisierung von 360 Mio. $ ist die Währung aber immer noch weit vom Wert der Bitcoins entfernt. Grössere Unsicherheit um das Bitcoin-System könnten das aber schnell ändern.