Meinungen

Was Krypto kann, was andere Anlageklassen nicht können

Wer Potenzial in der Blockchain-Technologie und ihren Anwendungen sieht, sollte Coins und Tokens ins Portfolio nehmen. Ein Kommentar von Markus Abbassi.

Markus Abbassi
«Auch wenn historische Gewinne nicht auf künftige schliessen lassen, findet im ganzen Sektor derzeit doch eine so grosse Wertschöpfung statt, dass auch fortan eine positive Rendite erwartet werden darf.»

Kryptowährungen wie auch tokenisierte Vermögenswerte sind derzeit in aller Munde. Während nachweislich inzwischen nicht nur bei Kleininvestoren, sondern auch bei professionellen Anlegern signifikante Volumen gehandelt werden, zweifeln manche an der Werthaltigkeit solcher Anlagen. Lässt sich also beispielsweise bei Bitcoin, hinter dem gemäss konservativ denkenden Anlegern kein Wert steht, behaupten, dass nur «heisse Luft» drinsteckt?

Ohne zu widersprechen, dass Anlagen in Kryptowährungen oder Tokens – wie auch Aktien – riskant und zweifelsohne auch spekulativer Natur sind, möchte ich in den kommenden Abschnitten auf einige Aspekte eingehen, die Kryptovermögenswerte zu einer sinnvollen Beimischung in einem Anlageportfolio machen.

Damit eine Portfoliobeimischung interessant wird, sollte sie sich in verschiedenen Marktsituationen möglichst anders verhalten als andere Vermögenswerte. Auch wenn Kryptowährungen kurzfristig in sogenannten Risk-off-Momenten oftmals stärker mit anderen Risikowerten wie Aktien korrelieren, so zeigt sich auf die längere Frist doch eine deutlich tiefere Korrelation. Eine mögliche Erklärung für die erhöhte temporäre Korrelation ist die hohe Verfügbarkeit der Kryptowährungen rund um die Uhr und über das Wochenende. Müssen aufgrund unvorhergesehener Ereignisse beispielsweise bei einem Lombardkredit mehr Sicherheiten eingebracht werden, so können die Einschüsse bereits am Wochenende über Kryptobörsen verfügbar gemacht werden.

Deflationäre, inflationäre, hybride Kryptowährungen

Ein weiterer zentraler Aspekt ist die Gewinnerwartung bei der Investition in Kryptowährungen. Auch wenn historische Gewinne nicht auf künftige schliessen lassen, findet im ganzen Sektor derzeit doch eine so grosse Wertschöpfung statt, dass auch fortan eine positive Rendite erwartet werden darf. Anders als in der ICO-Blase von 2017, bei der die emittierten Coins oder Tokens weder Rechte noch Ansprüche an den Projekten spiegelten, haben viele inzwischen richtige Tokenomics erhalten. Besonders Projekte im Bereich dezentrale Finanzen (DeFi) haben Tokens emittiert, die nicht nur Mitbestimmungsrechte, sondern oftmals auch Umsatzbeteiligungen enthalten. Dies ist besonders deshalb relevant, weil nun verschiedene Bewertungsmodelle herangezogen werden können. Neben der eher traditionell anmutenden Discounted-Cashflow-Bewertung kann auch der sogenannte Total Value Locked (TVL), der die im Projekt eingebrachten operativen Vermögenswerte summiert, herbeigezogen werden.

Dass langfristig nicht alle der derzeit mehr als 18’000 auf der Übersichtsseite Coinmarketcap gelisteten Kryptowährungen benötigt werden, scheint offensichtlich. Auch hier gilt es, zwischen sogenannten Blue Chips und kleinkapitalisierten Werten zu unterscheiden. Während im Swiss Market Index gerade einmal zwanzig von total über 120’000 Aktiengesellschaften gelistet sind und es nicht ausgeschlossen ist, dass plötzlich ein noch relativ junges Unternehmen ohne hundertjährige Historie einen Platz im Index findet, ist dies in der Kryptowelt nicht anders. Der Unterschied beim Kryptomarkt gegenüber einem Aktienindex in der traditionellen Welt ist, dass der älteste Coin, Bitcoin, eine erst vierzehnjährige Geschichte hat und somit der Dinosaurier ist. Schliesslich sind es genau auch die schnelle Veränderung und das hohe Risiko, die wiederum attraktive Renditen überhaupt ermöglichen.

Ein weiteres, derzeit in aller Munde stehendes Argument ist das Thema Inflation. Hierbei gilt es, klar zwischen deflationären, inflationären und hybriden Kryptowährungen zu unterscheiden. Während Bitcoin aufgrund der limitierten Anzahl von 21 Mio. Coins hierbei vermutlich den nächstliegenden Anwendungsfall als «Store of Value» bietet, können Kryptowährungen wie Ethereum je nach Nutzung und Auslastung sowohl inflationär als auch deflationär sein. Als Inflationsschutz ist Bitcoin deshalb möglicherweise attraktiv, da eine Mindeststückelung und somit eine Fungibiliät herrscht. Dies ermöglicht, dass sich im Tauschsystem – entweder gegen andere Fiat- oder Kryptowährungen – ein Marktpreis einstellt. Dies ist die klare Abgrenzung zu anderen in ihrer Verfügbarkeit knappen Tokens wie beispielsweise NFT.

Rendite-Risiko-Profil nach wie vor sehr attraktiv

Welchen Anwendungsfall oder welche Anwendungsfälle Bitcoin letztlich abdecken wird, muss sich zeigen. Interessant zu beobachten ist auf jeden Fall, dass man Herausforderungen wie die Energieintensität von Proof of Work oder die Limitierungen bei der Anzahl von Transaktionen erkannt hat und dies anhand neuer Projekte zu lösen versucht. Man muss sich aber auch jederzeit ins Bewusstsein rufen, dass die Blockchain kein Allheilmittel ist, da nicht gleichzeitig eine hohe Skalierung, eine breite Dezentralität und eine maximale Sicherheit erreicht werden können (Blockchain-Trilemma).

Sieht man aber langfristig Potenzial in der Blockchain-Technologie und ihren Anwendungen, so sollte man als Innovationsbeimischung eine Auswahl an Coins und Tokens ins Portfolio aufnehmen. Noch befinden wir uns früh im Innovationszyklus, und das Rendite-Risiko-Profil erscheint nach wie vor sehr attraktiv. Übersprang die Gesamtmarktkapitalisierung der oben erwähnten mehr als 18’000 Coins erst in den vergangenen Tagen wieder die Grenze von 2000 Mrd. $, so entspricht dies gerade einmal gut zwei Dritteln von Apples Marktkapitalisierung von 2900 Mrd. $.

Geht man davon aus, dass man aus erwähnter Risikoperspektive nur einen niedrigen einstelligen Prozentsatz in die Blockchain investiert, kann im absoluten Worst-Case-Szenario auch nur ein niedriger einstelliger Prozentsatz verlorengehen. Erreicht der Kryptomarkt hingegen nur schon die gegenwärtige Marktkapitalisierung der FAANG-Aktien (Facebook, Apple, Amazon, Netflix, Alphabet bzw. Google) von gut 7200 Mrd. $, entspricht dies bereits mehr als einer Verdreifachung.