Was macht eigentlich…

Sarah Palin, ehemalige Kandidatin für die US-Vizepräsidentschaft

Immer im Rampenlicht: Sarah Palin an einer Veranstaltung der Republikanischen Partei im Jahr 2010 in New Orleans.

«Mich gegen Covid impfen lassen? Sollte es dazu kommen, dann nur über meine Leiche!» Vor drei Wochen schmetterte Sarah Palin dieses Bekenntnis am AmericaFest in Phoenix, Arizona, von der Bühne, unter dem Applaus der dort versammelten Republikaner. Gewohnt radikal, provokativ und am Ende unfreiwillig komisch. Dreizehn Jahre sind vergangen, seit die heute 57-Jährige mit dem Vietnam-Veteran John McCain um den Einzug ins Weisse Haus kämpfte. Barack Obama siegte damals für die Demokraten und Joe Biden bekam den Posten des US-Vizepräsidenten, den Palin angestrebt hatte.

Die damalige Wahl bleibt in Erinnerung, gerade wegen Palin. Sie hievte den rechten Anti-Establishment-Protest auf die oberste politische Ebene, der sich seither in der traditionsreichen Grand Old Party festfrisst. Ohne Palin kein Trump, brachte es die Zeitschrift «Atlantic» später auf den Punkt. Sie war die erste Populistin in den USA, die die Protestler aus dem Abseits holte und ihnen auf nationaler Ebene eine Stimme verlieh. Kein anderer Mitstreiter der damaligen Tea Party brachte es politisch so weit nach vorne – ausgenommen Donald Trump acht Jahre später.

Palins Aufstieg begann in Alaska. Zunächst Bürgermeisterin in dem Städtchen Wasilla im Süden des Bundesstaats, rückte sie schnell in der Republikanischen Partei auf. Sie unterstützte den damaligen Senator Frank Murkowski bei seiner Wahl zum Gouverneur und rechnete fest damit, dessen frei werdenden Sitz im US-Senat zu übernehmen. Der Plan zerschlug sich, weil Murkowski seine Tochter Lisa nach Washington schickte und Palin mit dem Vorsitz von Alaskas Aufsichtsbehörde für Öl und Gas abspeiste. Dass er sich damit das Grab für seine eigene politische Zukunft geschaufelt hatte, wurde ihm erst später klar. Palin deckte Mauscheleien und Absprachen der Parteioberen mit den Ölkonzernen auf. Fünf Jahre später, 2006, wurde sie zur Gouverneurin von Alaska gewählt. Sie drängte den Einfluss von Big Business zurück und widerstand dabei selbst dem Druck von Vizepräsident Dick Cheney, der sie zum Einlenken aufforderte. Stattdessen arbeitete Palin mit den Demokraten zusammen, um die Blockade aus der eigenen Partei zu neutralisieren.

Diese liess sie bei erster Gelegenheit fallen und machte sie für die verlorene Präsidentschaftswahl verantwortlich. 2009 trat Palin vorzeitig als Gouverneurin zurück. Sie gründete ein eigenes Political Action Committee und liebäugelte damit, für die Präsidentschaft zu kandidieren, aber daraus wurde nichts. Abrupt endete ihr damaliges Engagement bei Fox News. Die Parteibasis vergass sie aber nicht, vor allem wegen ihres Engagements in der Tea Party. Steve Bannon, später Trumps Chefideologe, drehte 2011 einen Dokumentarfilm über sie mit dem Titel «Die Unbesiegte». Ted Cruz, Senator aus Texas und selbst Präsidentschaftskandidat, sagt heute, er verdanke Sarah Palin alles.

Die Mutter der US-Populisten produzierte danach ihre eigene Reality-Show, in der sie auch ihre Familie verpackte. Immer wieder spricht sie davon, in die Politik zurückzukehren. So zuletzt im August 2021, als sie ankündigt, dass sie den Senatssitz ihrer Erzfeindin Lisa Murkowski anstrebt, wenn er im November dieses Jahres zur Wiederwahl steht. Diese Rechnung steht nach all den Jahren offensichtlich immer noch offen.

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