Was macht eigentlich…

Adolf Ogi, Alt-Bundesrat

Zwei schreiben Geschichte: Claude Nicollier (rechts) grüsst im August 1992 als erster Schweizer aus dem All. Bundesrat Adolf Ogis erste Worte: «Freude herrscht.»

Manche Dinge vergisst man nicht, egal, wie lange sie her sind. Bei Alt-Bundesrat Adolf Ogi ist es der Vorwurf der NZZ, als der SVP-Politiker 1987 zum Bundesrat gewählt wird: Ogi habe nie studiert, seine Ausbildung als Handelsschüler sei angesichts der Aufgabe schmalspurig. «Wenn Sie schmalspurig in den Bundesrat hineinkommen, können Sie nur überraschen», sagt der 77-Jährige heute in seinem Büro im Berner Vorort Gümligen. Ogi blickt aus dem Fenster, ordnet für den Besucher ein, wo er sich hier innerhalb des Kantons, ja innerhalb der Schweiz befindet.

32 Jahre ist Ogis erste Bundesratswahl her. Nächste Woche wird am 11. Dezember wieder die Regierung gewählt. Nach dem starken Abschneiden der Grünen bei den eidgenössischen Wahlen steht der Partei rechnerisch nun ein Bundesratssitz zu, sagt Ogi. «Aber in unserem System ist das noch nie so schnell gegangen.» Auch seine SVP musste auf einen zweiten Bundesratssitz warten. Ogi wird grundsätzlich: «Sind sieben Bundesräte noch genug?» Die Probleme kämen heute schneller und umfassender. Ogi plädiert für die Aufstockung des Bundesrats auf neun Mitglieder. Zudem sollte die Präsidentschaft auf drei Jahre ausgeweitet werden. «Ich weiss aber, auch das ist politisch wohl kaum machbar.»

Nach dem Ausscheiden aus dem Bundesrat im Jahr 2000 und nach dem Ende seines Uno-Mandats als Sonderberater von Kofi Annan für Sport im Dienste von Entwicklung und Frieden dachte Ogi, sein Arbeitspensum werde sich stark reduzieren. «Doch ich hätte nie gedacht, dass ich immer noch so viele Briefe und Mails bekommen würde.» Die Flut dauert bis heute an. Darum engagierte er vor Jahren seine ehemalige Sekretärin aus Bundesratszeiten und eröffnete das «Bureau Ogi», ein Einzelbüro in einem sechsstöckigen Geschäftsneubau in Gümligen. Unter ihm das Architekturbüro von Renato Marazzi, Sohn des Bauunternehmers Bruno Marazzi, links neben ihm das Einzelbüro des ehemaligen SBB-Chefs Benedikt Weibel.

Mandate hat Ogi keine mehr, Termine wählt er bewusst aus. Heute hält er vor allem noch Referate über «Führung praktisch umgesetzt». Kommunikation ist für ihn zentral. Die klare Ansage, das einfache Wort ist Ogis Markenzeichen und einer der Gründe, warum er in der Rückschau auch bei vielen,  die während seiner Amtszeit im Kindes- und Jugendalter waren, als bekanntester und oft auch beliebtester Bundesrat in Erinnerung bleibt. Sein Ratschlag, wie umweltschonend ein Ei mit so wenig Wasser wie möglich zu kochen ist, wurde zum «Ogi-Ei». Sein spontaner Ausruf «Freude herrscht», als Claude Nicollier als erster Schweizer aus dem All grüsste, wurde zum geflügelten Wort.

«Ich war nicht einer, der das Land verwalten wollte. Ich war einer, der das Land gestalten wollte», sagt Ogi. Das Grossprojekt Neue Eisenbahn-Alpentransversale (Neat) mit den Eisenbahntunneln durch Gotthard (57 km) und Lötschberg (35 km) gilt neben dem Ausbau des öffentlichen Verkehrs (Bahn 2000) heute als sein politisches Erbe. Gescheitert sei er, wie er selbst sagt, mit dem Ausbau des Nationalstrassennetzes. «Da sind wir heute noch dran.» Und Ogi ist Verkehrsvisionär geblieben: «Das Nächste wird die Swissmetro sein müssen.» Eine U-Bahn unter der ganzen Schweiz hindurch, angefangen mit dem Warentransport. «Das Übernächste wird  dann die Eurometro.»

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