Was macht eigentlich…

Anton Affentranger, Ex-CEO von Implenia

Anton Affentranger war von 2011 bis 2018 der CEO von Implenia.

Das Virus zwingt auch die Umtriebigsten zur Isolation. Seit zwei Wochen arbeitet Anton Affentranger, ehemaliger Implenia-CEO, von zu Hause aus. «Es ist eine gute Erfahrung», sagt er. «Wenn auch keine einfache. Ich bin zwar pausenlos am Telefon, aber der persönliche Kontakt fehlt mir.» 

Vom Schrecken der Pandemie erfährt Affentranger derzeit aus erster Hand. Seine Beteiligungsgesellschaft Affentranger Associates ist in den Schweizer Kunststofffertiger Forteq investiert, der unter anderem Werke in China, im US-Bundesstaat New York und vor der italienischen Stadt Bergamo betreibt – den grössten Hotspots. Zum Glück seien die Mitarbeiter gesund und die Fabriken offen, sagt Affentranger. Sorge bereitet ihm die wirtschaftliche Unsicherheit. Forteq ist im Automobilsektor exponiert. Jetzt hofft er, dass der chinesische Automarkt sich wieder erholt – und ihm andere bald folgen.

Stillstand. Für Anton Affentranger, der eigentlich Antonio heisst und als Sohn einer Spanierin und eines Schweizers in Chile und Peru aufwuchs, kein natürlicher Zustand. Seine Karriere war von viel Dynamik geprägt. Er war Generaldirektor der Schweizerischen Bankgesellschaft, CEO von Lombard Odier, Finanzchef von Roche. Dann Verwaltungsratspräsident und schliesslich CEO des Baukonzerns Implenia. Im Herbst 2018 trat er zurück.

Den Weggang verdaute Affentranger im Sabbatical in Südamerika, wo er unter die Autoren ging und Energie für sein Engagement als aktiver Investor sammelte. Der Wechsel in eine selbstbestimmtere Tätigkeit habe «verdammt gutgetan», wie er sagt. «Die beruflichen Auseinandersetzungen zurückzulassen, war befreiend.» 

Klare Worte. Doch für Zurückhaltung war Affentranger nie bekannt. Als Implenia-CEO zog er die Stadt Zürich im Streit über Mehrkosten des Letzigrund-Baus bis vors Bundesgericht. Auch intern scheute er keine Konflikte. Ende 2015 lieferte er sich mit dem damaligen Präsidenten Hubert Achermann einen Machtkampf. Achermann unterlag und trat zurück. Und die Schweiz fragte sich, wie ein CEO seinen eigenen Chef verdrängen konnte.

Den Rücken gestärkt hatte ihm Grossaktionär Max Rössler. Der Max Rössler, der im Herbst 2019 erneut in Erscheinung trat, als er mit dem aktivistischen Investor Veraison bei Implenia auf eine Generalversammlung pochte, um die komplette Abspaltung des Immobilienportfolios zu forcieren. Rössler einigte sich schliesslich mit Implenia, löste die Aktionärsgruppe auf, die Generalversammlung fand nicht statt. Affentranger verfolgte das Geschehen als Aktionär von der Seitenlinie. Auch wenn seine Meinung gefragt gewesen sei, habe er Distanz wahren wollen. «That’s not my cup of tea anymore», sagt er.

Mit Rössler versteht sich der 63-Jährige auch heute noch gut. Beide sind in die auf Hochspannungspulsgeneratoren spezialisierte Selfrag investiert, die Affentranger präsidiert. Selfrag befreit Metalle aus Schlacke, die als Abfallprodukt in Kehrrichtverbrennungsanlagen entsteht, und recycelt die Stoffe. Der einstige König der Baustellen als Umweltschützer? Seit rund zehn Jahren beschäftige ihn das Thema Nachhaltigkeit, sagt Affentranger. «Wir fahren mit unserer Erde an die Wand. Deshalb will ich mich einbringen.» Neue Ideen schmiedet er jeden Tag. «Dafür investiere ich aktuell mehr Zeit als für alle anderen Projekte.» 

, Closing Bell / Was macht

Leser-Kommentare