Was macht eigentlich…

Ariane Ehrat, Ehem. Skifahrerin

Ariane Ehrat (Nummer 1) nach Abfahrtsrennen in der Lenk 1984 zusamen mit Michela Figini (Mitte) und Maria Walliser.

«Wenn man einen Entscheid so bewusst fällt, kann man nachher nichts vermissen», ist Ariane Ehrat überzeugt. Dies gilt für sie wohl auch, wenn einem dieser praktisch auferlegt wird. Mitte zwanzig ist die damalige Skirennfahrerin, als sie schwer stürzt. Der Lendenwirbel ist gebrochen. Eine Verletzung, die – mit etwas Pech – ein Leben im Rollstuhl bedeuten kann. Ehrat hat Glück.

Bald darauf steht sie wieder auf den Ski. Den Anschluss an die Weltspitze findet sie jedoch nicht mehr. «Ich bin gerne selbstbestimmt, daher wollte ich nicht mit einem Sturz aufhören. Aber danach konnte ich den Zeitpunkt meines Karriereendes selbst wählen.» Die Schaffhauserin ist auf dem Höhepunkt: Vierte an den Olympischen Spielen in Sarajevo, Vizeweltmeisterin in der Abfahrt 1985. Zumindest auf dem ihrer ersten Karriere.

Hadern und Stillstand sind nichts für Ehrat. «Ich habe meinem Vater versprochen, eine Ausbildung abzuschliessen.» Mit dem Geld, das sie im Spitzensport verdiente, wollte sie sich diese später finanzieren. «Ich war wohl ziemlich naiv – aber der Plan ist aufgegangen», sagt sie rückblickend. Ehrat absolviert einen Master in Kommunikation. Die Berge lassen sie aber nicht los. 1989 steigt sie in der Weissen Arena im Marketing ein. Von dort geht es weiter zum öffentlich-rechtlichen Radio. «Es war spannend, einen Einblick in die Medien, also auf die Gegenseite, zu erhalten.» Von 2004 bis 2007 führt sie die Kommunikations- und Marketingabteilung von Radio DRS. Doch dann ruft das Engadin: Ehrat wird Chefin der Tourismus-Destination Engadin-St. Moritz. «Eigentlich bin ich der Meinung, dass man acht bis zehn Jahre an einem Ort gewesen sein muss, um Spuren zu hinterlassen.» Aber die lockende Herausforderung siegt.

Und herausfordernde Jahre werden es. Dreizehn Gemeinden sollen fortan gemeinsam vermarktet werden. Die neue Zwei-Marken-Strategie – Engadin und St. Moritz – kommt nicht überall gut an. Einzelne befürchten den Verlust der ortspezifischen Kultur. Der Höhepunkt: Die Ski-WM 2017 wird ein Grosserfolg. «Das hätten wir allein nicht stemmen können.» Für Ehrat ist es auch der Beweis, dass der eingeschlagene Weg der richtige gewesen war. Unter ihrem Nachfolger wird er fortgeführt. Im Engadin knüpft Ehrat auch den Kontakt für ihren bisher letzten Karriereschritt. Die dritte Phase beginnt mit einer Retraite der Globalance Bank. Sie ist eingeladen, über die Herausforderungen des Tourismus’ zu referieren. Und kommt zum ersten Mal mit der von Reto Ringger gegründete Bank in Kontakt, die auf nachhaltiges Investieren setzt. «Ich war sofort Feuer und Flamme.»

Heute ist die 58-Jährige Botschafterin von Globalance. «Ich wollte nie etwas mit Banken, Versicherungen und Autos zu tun haben», sagt sie lachend, aber der Ansatz habe sie überzeugt. Daneben ist sie im Verwaltungsrat der Skiregion Arosa Lenzerheide, wo sie den internationalen Verkauf aufbaut. Ein anderes Mandat in einem Tourismusort sei dadurch kaum möglich. Sie habe sich daher daneben Aufgaben gesucht: Sie ist im Verwaltungsrat des Planungs- und Ingenieurunternehmens EWP Zürich und im Stiftungsrat von Denk an mich. Sie wolle sich heute Aufgaben und Projekten mit visionären Unternehmen widmen. «Ich hatte so viel Glück in meinem Leben – nur schon, in der Schweiz geboren zu sein.»

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