Was macht eigentlich…

Bernie Ebbers, Ex-WorldCom-CEO

Bernard «Bernie» Ebbers wird im März 2004 abgeführt und vor Gericht gestellt.

Bernard Ebbers zählte einst zu den mächtigsten Managern von Corporate America. Auf dem Posten des CEO orchestrierte «Bernie» den Aufstieg von WorldCom zu einem der grössten Telecomkonzerne der USA – bevor ihn seine kriminellen Machenschaften zu Fall und letztlich für über dreizehn Jahre hinter Gitter brachten.

Lange wird seine Haftstrafe, die eigentlich frühestens 2028 enden sollte, jedoch nicht mehr dauern. Denn der 78-Jährige ist krank, todkrank. Er leidet seit geraumer Zeit an einer Herzinsuffizienz, ist dement, fast blind und hat über die letzten Monate drastisch an Gewicht verloren.

Angesichts seines schlechten Zustands hat Bezirksrichterin Valerie Caproni vor kurzem entschieden, auf ein Gesuch von Ebbers’ Tochter einzutreten und den Inhaftierten aus humanitären Gründen vorzeitig zu entlassen. Mit diesem «Compassionate Release», der in den kommenden Wochen vollzogen werden dürfte, wird ein wichtiges Kapitel der jüngeren Wirtschaftsgeschichte sein Ende finden.

Geboren wurde Ebbers 1941 in Edmonton, Kanada. Teile seiner Kindheit verbrachte er in Kalifornien und New Mexico. Sein erstes Geld verdiente er als Milchmann und Türsteher. Nach dem Abschluss eines Sportstudiums am Mississippi College stieg er über das Management einer lokalen Motelkette ins Wirtschaftsleben ein. 1985 übernahm er den Chefposten beim Telecomunternehmen LDDS (Long Distance Discount Services), das er – später unter dem Namen WorldCom – mit über sechzig Akquisitionen zu einem der grössten Branchenvertreter des Landes formte.

Die Expansion wurde auch am Aktienmarkt honoriert. Zum Höhepunkt der Dotcom-Hysterie wies WorldCom einen Börsenwert von beinahe 200 Mrd. $ auf. Ebbers, der sich in der Öffentlichkeit gerne als «Telecom Cowboy» und hemdsärmliger Macher präsentierte, verfügte zeitweise über ein Vermögen von 1,4 Mrd. $. Doch die Erfolgsgeschichte war auf Betrug gebaut: Bereits in den Neunzigerjahren hatte das WorldCom-Management damit begonnen, die Bilanzen zu frisieren. Einnahmen wurden aufgebläht und laufende Betriebsausgaben als Kapitalinvestitionen verbucht. Die manipulierten Buchungen summierten sich zum Schluss auf 11 Mrd. $.

2002 ging WorldCom bankrott. Der Kollaps zog nicht nur Anleger in Mitleidenschaft. Er brachte auch Abertausende von Angestellten, die ihre Pensionsgelder in das eigene Unternehmen gesteckt hatten, um ihre Ersparnisse. 2005 wurde Ebbers zu einer Haftstrafe von fünfundzwanzig Jahren verurteilt – eines der schärfsten Urteile, die in den USA für Finanzdelikte ausgesprochen wurden.

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