Was macht eigentlich…

Brady Dougan, Ex-CEO Credit Suisse

Brady Dougan bei seiner Vorstellung als neuer CS-Chef im Februar 2007 mit Vorgänger Oswald Grübel (links).

Wenn ein CEO nach acht Jahren den Sessel räumen muss und der Aktienkurs daraufhin rund 8% in die Höhe schnellt, ist das kein schöner Abschied. Brady Dougan, der 2015 die Spitze von Credit Suisse verlassen hat, scheint das längst überwunden zu haben. Der gelernte Investmentbanker ist zurück an der Wall Street. Auch wenn die einzige Adresse auf der Webseite seines neuen Unternehmens Exos Financial nicht auf Downtown Manhattan, sondern auf ein Villenviertel in einem Vorort von New York City verweist.

Ansonsten ist besagte Webseite gesperrt. Nur wer seine E-Mail-Adresse ve­rifiziert bekommt, erhält Einlass. Dem ­Autor wird die Ehre nicht zuteil. In seinem LinkedIn-Profil verrät Dougan: 2017 habe er «die Vision, das institutionelle Finanzgeschäft neu zu denken und Exos zu erschaffen», gehabt. Der heute Sechzigjährige wollte laut «Wall Street Journal» (WSJ) eine vollständige Investmentbank mit modernster Technologie neu aufbauen und den alten Wall-Street-Häusern, denen die Regulierung mehr und mehr zu schaffen macht, das Wasser abgraben.

Er hatte gemäss WSJ bereits Kapital­zusagen über 3 Mrd. $ u. a. vom Sultanat von Brunei und vom Staatsfonds von Singapur. Nach der Wahl von US-Präsident Trump zogen die Investoren ihre Zusagen dann zurück. Zum einen, weil aus Washington eine Deregulierung für Wallstreet erwartet wurde. Zum andern, weil Brunei offenbar zu viel Einfluss auf die neue Bank forderte. So wurde Dougans Vision am Ende eine Nummer kleiner. Exos Financial arbeitet heute mit Startkapital von «nur» 750 Mio. $ lediglich mit einer Broker-Lizenz und ist spezialisiert auf komplexe Schuld- und Kreditpapiere.

Neben seinem neuen Projekt in der ­alten Investmentbankwelt sitzt Dougan im Verwaltungsrat von Humacyte, einem Biotech-Unternehmen, gegründet von seiner Frau Laura Niklason. Nach beiden ist zudem das «Brady W. Dougan and Laura E. Niklason House» benannt, ein Studentenwohnheim an der Universität Chicago. Dort studierte Dougan einst Wirtschaft und sitzt heute noch im VR.

Dougan hatte sich aus einfachen Verhältnissen als Sohn einer Eisenbahner­familie aus Illinois hochgearbeitet. 1991 stieg er in New York bei First Boston ein, einer der ehemals fünf grossen US-Investmentbanken, die damals von CS übernommen wurde. 2007 folgte er als Bank-CEO auf Oswald Grübel und war einer der wenigen Grossbankchefs, die sich in der Finanzkrise im Sattel halten konnten.

Im Gegensatz zu Konkurrentin UBS nahm CS keine Staatshilfe in Anspruch. Stattdessen warf Katar ihr einen finanziellen Rettungsring zu. Bis heute ist das Emirat mit rund 5% der grösste Einzelaktionär. Anders als UBS setzte Dougan nach der Krise rasch wieder auf das kapital­intensive Investment Banking. Einen Umbau und Kapitalerhöhungen lehnte er ab. Für Letzteres erntete er im Sommer 2012 einen schweren Rüffel der Nationalbank. Dougan reagierte mit Sparübungen. 2014 bekannte sich CS unter Dougan in den USA der Beihilfe zur Steuerhinterziehung schuldig und zahlte eine Rekordbusse von 2,8 Mrd. $. Rund ein Jahr später war für den ersten US-Amerikaner an der CS-Spitze Schluss. Sein Nachfolger Tidjane Thiam packte den Umbau an. Dieser war, gemessen an der stark positiven Kurs­reaktion am Tage von Dougans Abgang, längst nötig geworden. 

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Leser-Kommentare

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Dominik Nussbaumer 11.07.2020 - 17:00

Und was genau macht nun Brady Dougan?!? So wie ich den Artikel verstehe: Nichts bzw. nichts, das sich lohnt, gross erwähnt zu werden. Richtig? Oder überlese ich da etwas…